KonjunkturEZB hält Zinsen im Euroraum auf Rekordtief

Angesichts der miserablen Wirtschaftslage in Südeuropa belässt die Zentralbank den Leitzins bei 0,75 Prozent. Anleger hoffen, dass es bald noch günstigeres Geld gibt.

EZB-Präsident Mario Draghi

EZB-Präsident Mario Draghi  |  © Alex Domanski/Reuters

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Zinsen im Euroraum auf Rekordtief. Der Leitzins verharrt bei 0,75 Prozent. Das entschied der Rat der Notenbank in Frankfurt, teilte die EZB mit. Die meisten Volkswirte hatten damit gerechnet, dass die Währungshüter von einer weiteren Zinssenkung absehen würden.

Führende EZB-Vertreter hatten in den vergangenen Wochen gesagt, es sei eher das Problem, dass die bereits extrem niedrigen Zinsen nicht dort ankämen, wo sie gebraucht würden. Eigentlich sollten die bereits getroffenen geldpolitischen Maßnahmen die Konjunktur stimulieren – gerade in den südeuropäischen Krisenstaaten des Währungsraums.

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Weitere Sondermaßnahmen im Kampf gegen die Schuldenkrise in Europa dürfte die Notenbank ebenfalls zunächst nicht ergreifen. Nach der EZB-Ankündigung, unter Bedingungen notfalls unbegrenzt Anleihen angeschlagener Staaten zu kaufen, hatte Notenbank-Präsident Mario Draghi eine Entspannung an der Lage ausgemacht.

"Konjunkturschwäche setzt sich fort"

Viele Anleger hoffen darauf, dass Draghi bald neue Hinweise auf die weitere Zinspolitik in diesem Jahr geben könnte. Das Bankhaus Metzler geht davon aus, dass der EZB-Präsident angesichts der weiterhin miserablen Wirtschaftslage in Südeuropa eine weitere Zinssenkung andeuten könnte.

Allerdings dämpfte Draghi diese Hoffnung. Im 23-köpfigen EZB-Rat habe niemand einen solchen Schritt gefordert, sagte Draghi nach der Sitzung des Gremiums.

Die Wirtschaftslage wird Draghi zufolge noch eine Weile schlecht bleiben. "Die konjunkturelle Schwäche in der Euro-Zone wird sich 2013 fortsetzen", sagte der Zentralbankchef. An den Finanzmärkten habe sich die Situation dagegen verbessert. Die Zinsen für Staatsanleihen und die Kosten für Kreditausfallversicherungen seien jetzt "viel niedriger". "Die Aktienmärkte haben sich verbessert", sagte Draghi.

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Leserkommentare
  1. Niedrige Zinsen waren in den USA der Beginn für die anhaltende Finanzkrise, darauf folgten Staatsschuldenkrisen....
    Jetzt sollen die Auswirkungen mit der Ursache beseitigt werden und das ist im "Ziel-Sinne" von (ich vermute mal im Sinne der Banken, besonders für Goldman & Sachs &Co.)?
    Besteht da nicht die große Gefahr, dass der Aufgalopp der Inflation nur verzögert wird?

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    • genius1
    • 10. Januar 2013 20:12 Uhr

    "Besteht da nicht die große Gefahr, dass der Aufgalopp der Inflation nur verzögert wird?"

    Wenn die Staaten sich entschulden wollen, dann müssen Sie anderen Kaufkraft wegnehmen!

    Diejenigen, die Jetzt schon über genug Geld verfügen, machen schon ihre Blasen (Immobilienmarkt und weitere). Auf Produkte die von den meisten Menschen gekauft werden, hat dieses Geld keinen Einfluss!

    Die Inflation (Hyperinflation) wird erst dann kommen, wenn sehr viele Menschen der Meinung sind, das sie Morgen viel weniger Ware usw. für ihr Geld bekommen.

    tritt dann ein, wenn dem Wert des Geldes kein Wert gegenübersteht....., z.B. ineffizeinte Verwaltungen oder die zinseszins funktion in kürzen Abständen greift... z.b. 15% für Dispokredite.... oder spekulationsgeld....Zockergeld...usw. die Inflation hat viele Väter...., bei uns liegt sie über dem BIP-Wachstum..... sie beginnt sich zu beschleunigen, dagegen werden niedrige Zinsen gesetzt, irgendwann ist die Medizin ausgreizt.... siehe mein 1. Kommentar, siehe Immobilienblase....Finanzkrise, Staatsschudenkrise....

  2. Zinsen sind der Preis für Geld.
    So lernt man das heute an der Uni.

    Wenn es doch Geld im Überfluß gibt (jetzt mal völlig unabhängig von der tatsächlichen Verteilung!!), so viel, daß niemand weiß, wohin damit, kein Anleger mehr weiß, wo er es investieren soll, und daher komplexe, undurchsichtige, kriminelle und unethische "Anlageinstrumente" und "Finanzprodukte" entstehen ... und grundsätzlich all dem Geld bekanntlich schon lange keine Gegenwerte (in Form von Gütern und Dienstleistungen) gegenüberstehen, welche die heute üblichen, eigentlich grotesken Beträge so einfordern
    - warum, frage ich mich als BWL+VWL-Laie da, warum ist der Zins dann nicht negativ, wer er gemäß Angebot und Nachfrag unter Null liegen müsste?

    Warum setzt die EZB den Zins nicht auf Null, oder besser noch, auf unter Null?

    Ich würde mir die Frage ja selbst mit so Stichworten wie Kapitalkonzentration, Inflation = Sozialisierung für die Reichen, böse Freiwirtschaftketzergedanken und Umlaufsicherung beantworten, doch bin ich wirklich auf die Lehrmeinung gespannt.

    Vielleicht kann mir das hier jemand mit VWL-Abschluß kurz und knackig beantworten...?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • GDH
    • 10. Januar 2013 17:02 Uhr

    Mit dem gewünschten Abschluss kann ich nicht dienen. Negative Zinsen sind von einer Notenbank jedoch schwer durchzusetzen:

    Für Einlagen bei der Notenbank geht das nicht, weil die Banken die Einlagefazilität nicht nutzen müssen. Sie würden dies natürlich auch nicht tun, wenn ihr Geld dadurch weniger würde.

    Für Kredite der Notenbank: Die Banken bekämen dann Geld dafür, dass sie Kredite bei der Notenbank aufnehmen. Da sie das aufgenommene Geld dann aber immernoch "liegenlassen" können, würde sich ein Weiterverleihen nur dann lohnen, wenn es sich schon bei Notenbankzinsen von 0% lohnt. Der Rest wäre den Banken quasi hinterhergeworfen.

    Es gibt tatsächlich Konzepte, die auf etwas ähnliches hinauslaufen. Diese sind aber mit anderen Nachteilen behaftet. Siehe hier:
    http://de.wikipedia.org/w...

    • bayert
    • 17. Januar 2013 8:13 Uhr

    Anleger mussten beim Kauf von Bundesanleihen bzw. ESM schon negative Zinsen hinnehmen (aber deutlich unter < 1%)

    • GDH
    • 10. Januar 2013 17:02 Uhr

    Mit dem gewünschten Abschluss kann ich nicht dienen. Negative Zinsen sind von einer Notenbank jedoch schwer durchzusetzen:

    Für Einlagen bei der Notenbank geht das nicht, weil die Banken die Einlagefazilität nicht nutzen müssen. Sie würden dies natürlich auch nicht tun, wenn ihr Geld dadurch weniger würde.

    Für Kredite der Notenbank: Die Banken bekämen dann Geld dafür, dass sie Kredite bei der Notenbank aufnehmen. Da sie das aufgenommene Geld dann aber immernoch "liegenlassen" können, würde sich ein Weiterverleihen nur dann lohnen, wenn es sich schon bei Notenbankzinsen von 0% lohnt. Der Rest wäre den Banken quasi hinterhergeworfen.

    Es gibt tatsächlich Konzepte, die auf etwas ähnliches hinauslaufen. Diese sind aber mit anderen Nachteilen behaftet. Siehe hier:
    http://de.wikipedia.org/w...

  3. In Verbindung mit etwas Inflation sind niedere Zinsen eine Umverteilung von Sparern zu Schuldnern.
    Die Kosten des Euroabenteuers lasten immer mehr auf den Deutschen. Lebensversicherungen und Sparanlagen bringen immer weniger. Südländisches Fluchtgeld treibt angefeuert durch Drahis Gelddruckmaschine deutsche Immobilienpreise in die Höhe. Natürlich ziehen die Mieten nach. Renten werden durch Inflation entwertet. Deutsche Mieter, Sparer, Rentner und Arbeitnehmer zahlen für den Euro.

    2 Leserempfehlungen
  4. Und die Inflation schreitet weiter und weiter durch das ewige Geldgedrucke. Die Rohstoffpreise kommen nie wieder runter, sowohl Gold nicht, wie auch Öl nicht und auch alle anderen Rohstoffe sind extrem teuer; oder anders gesagt: Wir sind abgewertet worden durch die Politik der EZB. Mit der Bundesbank wäre dies nie passiert. Mit der Abwertung sind auch die Renten, Sparbücher .. abgewertet worden, durch die Politik der EZB. Die herausgegebene Inflation ist die reinste Lüge! Ich will die D-Mark zurück!

    • genius1
    • 10. Januar 2013 20:02 Uhr

    Die EZB, macht durch niedrige Zinsen, die private Altersvorsorge in Rentenpapieren Unwirtschaftlich, und unterstützt dadurch die Altersarmut!

    Menschen in Altersarmut sind ja auch hervorragende Nachfrager, nach zu produzierenden Produkten - Gelle!

    • genius1
    • 10. Januar 2013 20:12 Uhr

    "Besteht da nicht die große Gefahr, dass der Aufgalopp der Inflation nur verzögert wird?"

    Wenn die Staaten sich entschulden wollen, dann müssen Sie anderen Kaufkraft wegnehmen!

    Diejenigen, die Jetzt schon über genug Geld verfügen, machen schon ihre Blasen (Immobilienmarkt und weitere). Auf Produkte die von den meisten Menschen gekauft werden, hat dieses Geld keinen Einfluss!

    Die Inflation (Hyperinflation) wird erst dann kommen, wenn sehr viele Menschen der Meinung sind, das sie Morgen viel weniger Ware usw. für ihr Geld bekommen.

    Antwort auf "Ursache und Auswirkung"
  5. tritt dann ein, wenn dem Wert des Geldes kein Wert gegenübersteht....., z.B. ineffizeinte Verwaltungen oder die zinseszins funktion in kürzen Abständen greift... z.b. 15% für Dispokredite.... oder spekulationsgeld....Zockergeld...usw. die Inflation hat viele Väter...., bei uns liegt sie über dem BIP-Wachstum..... sie beginnt sich zu beschleunigen, dagegen werden niedrige Zinsen gesetzt, irgendwann ist die Medizin ausgreizt.... siehe mein 1. Kommentar, siehe Immobilienblase....Finanzkrise, Staatsschudenkrise....

    Antwort auf "Ursache und Auswirkung"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, zz
  • Schlagworte Mario Draghi | Europäische Zentralbank | Aktienmarkt | Anleihe | Europäische Zentralbank | Entspannung
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