Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Zinsen im Euroraum auf Rekordtief. Der Leitzins verharrt bei 0,75 Prozent. Das entschied der Rat der Notenbank in Frankfurt, teilte die EZB mit. Die meisten Volkswirte hatten damit gerechnet, dass die Währungshüter von einer weiteren Zinssenkung absehen würden.

Führende EZB-Vertreter hatten in den vergangenen Wochen gesagt, es sei eher das Problem, dass die bereits extrem niedrigen Zinsen nicht dort ankämen, wo sie gebraucht würden. Eigentlich sollten die bereits getroffenen geldpolitischen Maßnahmen die Konjunktur stimulieren – gerade in den südeuropäischen Krisenstaaten des Währungsraums.

Weitere Sondermaßnahmen im Kampf gegen die Schuldenkrise in Europa dürfte die Notenbank ebenfalls zunächst nicht ergreifen. Nach der EZB-Ankündigung, unter Bedingungen notfalls unbegrenzt Anleihen angeschlagener Staaten zu kaufen, hatte Notenbank-Präsident Mario Draghi eine Entspannung an der Lage ausgemacht.

"Konjunkturschwäche setzt sich fort"

Viele Anleger hoffen darauf, dass Draghi bald neue Hinweise auf die weitere Zinspolitik in diesem Jahr geben könnte. Das Bankhaus Metzler geht davon aus, dass der EZB-Präsident angesichts der weiterhin miserablen Wirtschaftslage in Südeuropa eine weitere Zinssenkung andeuten könnte.

Allerdings dämpfte Draghi diese Hoffnung. Im 23-köpfigen EZB-Rat habe niemand einen solchen Schritt gefordert, sagte Draghi nach der Sitzung des Gremiums.

Die Wirtschaftslage wird Draghi zufolge noch eine Weile schlecht bleiben. "Die konjunkturelle Schwäche in der Euro-Zone wird sich 2013 fortsetzen", sagte der Zentralbankchef. An den Finanzmärkten habe sich die Situation dagegen verbessert. Die Zinsen für Staatsanleihen und die Kosten für Kreditausfallversicherungen seien jetzt "viel niedriger". "Die Aktienmärkte haben sich verbessert", sagte Draghi.