3. Aus Fehlern der Vergangenheit die Zukunft vorhersagen

Ein typischer Fehler von Planern ist es, zu denken, ein Projekt wäre so einzigartig, dass es sich mit keinem bisher dagewesenen Bauwerk vergleichen lässt. Doch aus der Vergangenheit lässt sich viel lernen. Zum Beispiel, welche zusätzlichen Kosten Wassereinbruch in einem Tunnel verursacht. Oder wie groß die Terminverzögerungen sind, wenn es zu einem Regierungswechsel kommt.

Mit klassischen technischen Ansätzen lassen sich diese Risiken nicht einschätzen. Die einfache Frage "Wie hoch waren Kostensteigerungen und Verspätungen bei den 20 zuletzt gebauten Opernhäusern?", erlaubt Risiken verlässlich zu planen und macht Projektpläne realistischer.

Gleichzeitig müssen Planer und Konstrukteure die richtigen Anreize haben, um realistisch zu planen und effizient zu bauen. Großbritannien ist hier weltweit führend: Kommt es bei einem Projekt zu Kostenüberschreitungen, teilen sich Regierung und Konstrukteure die Zusatzkosten – und zwar zu gleichen Teilen. Sollten die Kosten höher liegen als ein Pufferbetrag, der vorher vereinbart wurde, trägt die Baufirma sämtliche Mehrkosten.

4. Einfach und robust bauen

Bei Großprojekten streben Politiker und Bauplaner meistens nach Superlativen: die modernste Oper, der längste Tunnel, das ausgefallenste Fassaden-Design. Dadurch werden Bauprojekte komplexer und fragiler, als sie eigentlich sein müssten. Unsere Daten zeigen: Eines von zehn Bauprojekten scheitert an zu hochtrabenden Plänen. Die ehrgeizigen Megaprojekte sind anfällig für Kinderkrankheiten und verkraften Überraschungen oft schlecht. Daher gilt: Einfach ist besser.

Gute Beispiele sind die U-Bahn in Madrid und die Berliner Kanzler-U-Bahn U5. Statt Stararchitekten für den Bau der Stationen zu beauftragen, setzten die Planer auf ein schlichtes, einheitliches und funktionales Design. Form follows Function statt Monumentalismus.

5. Von Meisterbauern lernen

In unseren Studien haben wir Bauplaner gefunden, die Großprojekte immer innerhalb des Budgets und des Terminplans verwirklicht haben. Diese Meisterbauer haben über Jahre Faustregeln und Heuristiken entwickelt, um im Großprojektgeschäft zu überleben. Ihre Erfahrungen sind sehr wertvoll für andere Projektleiter, Bauherren und Aufseher. In Deutschland gibt es mit dem Kompetenzzentrum für IT Großprojektmanagement erste Schritte in die richtige Richtung, dieses Wissen zu teilen und zu verbreiten.

In Großbritannien haben wir zusammen mit der Regierung die Major Projects Leadership Academy gestartet, um den Erfahrungsaustausch zwischen Großprojektleitern, öffentlichem und privatem Sektor und zwischen Akademie und Praxis zu fördern.