Bei betriebsbedingten Kündigungen wollen die Arbeitgeber zudem die gefürchteten langwierigen Arbeitsgerichtsprozesse vermeiden. Diese Prozesse, die sich in der ersten Instanz bereits mehr als zehn Monate hinziehen, sind ein Grund dafür, dass viele Unternehmen vor unbefristeten Verträgen zurückschrecken. Im Gegenzug verlangt CFDT-Chef Berger, dass der "Missbrauch" mit befristeten Verträgen aufhört und die Unternehmer dafür zur Kasse gebeten werden. Die Arbeitgeber lehnen das jedoch ab, was Berger empört: "Wenn sich die Unternehmer da nicht bewegen, gibt es kein Abkommen."

Berger steht unter Druck. Der Gewerkschaftschef muss sich von der CGT und der Force Ouvrière vorwerfen lassen, den Arbeitgebern ungebührlich weit entgegen zu kommen. "Seit 25 Jahren erzählt man uns, dass die Prekarisierung neue Arbeitsplätze schafft", kritisiert CGT-Chef Bernard Thibault. Er ist noch bis März im Amt und gibt noch einmal den besonders Unnachgiebigen. "Wir werden keinesfalls die Theorie akzeptieren, dass die Entlassungen von heute die Arbeitsplätze von morgen sind." Für Donnerstag, wenn die Verhandlungen über die Arbeitsmarktreform in die letzte zweitägige Runde gehen, hat er die CGT-Mitglieder zu Demonstrationen aufgerufen. Auch Jean-Claude Mailly, Vorsitzender der Gewerkschaft Force Ouvrière, schließt mehr Flexibilität im Arbeitsrecht kategorisch aus. Die Regierung, sagt er, wünsche sich doch nur, dass die Gewerkschaften sich darauf einließen, damit sie nicht selbst die Verantwortung dafür tragen müsse. "Wenn es kein Abkommen gibt, was möglich ist, oder wenn das Abkommen sehr schwach ist, müssen Regierung und Parlament die Sache in die Hand nehmen. Dann ist es an ihnen, zu entscheiden." Mindestens drei Gewerkschaften müssen sich mit den Arbeitgebern einigen, damit das Abkommen zustande kommt. Angesichts der Weigerung von CGT und Force Ouvrière bleiben nur ein paar kleinere. Damit lässt sich jedoch kaum ein tragfähiger Kompromiss für das ganze Land erreichen.

Die Situation ist charakteristisch für die französischen Gewerkschaften. Diese seien zwar "durchaus in der Lage, außerhalb der Betriebe erfolgreich zu Massendemonstrationen aufzurufen", sagt Jean-Marie Pernot vom arbeitnehmernahen Wirtschaftsforschungsinstitut IRES. Solche Aktionen seien aber nur von kurzer Dauer. Noch dazu seien sie "nicht geeignet, ihre Verhandlungsfähigkeit im täglichen Dialog mit den Arbeitgebern und der Regierung zu stärken".

Selbst das in Deutschland gepflegte Klischee vom Streikland Frankreich gaukelt eine Stärke der Gewerkschaften vor, die nicht existiert. Tatsächlich wird in Frankreich weniger gestreikt als im Durchschnitt aller EU-Länder. Lediglich die Tatsache, dass die Gewerkschaften im öffentlichen Dienst überdurchschnittlich vertreten sind, macht diese Streiks sichtbarer als andernorts.

Letztendlich ist es oft der Staat, der – nach entsprechendem Protestdruck der Gewerkschaften – in Frankreich die Vertretung der Arbeitnehmer übernimmt. Etwa durch die Kontrolle über die Gehälter im öffentlichen Dienst, bei der Festlegung des Mindestlohns (Smic) im Privatsektor oder auch durch sein Recht, Tarifverträge auszuweiten. Gut möglich, dass dies nun auch bei der Reform des Arbeitsmarkts geschieht.