Als Ausgleich dafür ließen sich die Unternehmer allerdings zusichern, dass sie bei unbefristeten Neuanstellungen von jungen Leuten unter 26 Jahren drei Monate lang keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung bezahlen werden. Bei Firmen mit weniger als 50 Beschäftigten verlängert sich dieser Zeitraum auf vier Monate. Hollande kündigte an, das entsprechende Gesetz werde spätestens Mitte März verabschiedet.

Für Laurent Berger, den erst seit November amtierenden Chef der zweitgrößten französischen Gewerkschaft CFDT, ist die Verweigerung der beiden Gewerkschaften CGT und Force Ouvrière eine schwere Bürde. "Die CFDT hat bei einem Abschluss ohne Inhalt mehr zu verlieren als wenn es gar keinen Abschluss gibt", hatte er im Vorfeld gesagt. Erinnerungen werden wach an 2003, als sein Vorgänger François Chérèque sich "Verräter" nennen lassen musste. Er hatte damals nach ebenfalls harten Verhandlungen der Anhebung der Beitragsjahre in der Rentenversicherung zugestimmt. Die CFDT hatte daraufhin zehn Prozent ihrer Mitglieder verloren.

Zahl der Arbeitslosen steigt unablässig

Es mag Berger trösten, dass Chérèques Abschied im November reich an Tränen und Standing Ovations war. Und dass CGT und Force Ouvrière es versäumt haben, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Seit 18 Monaten steigt die Zahl der Arbeitslosen in Frankreich unablässig.

Die Arbeitslosenquote liegt mittlerweile fast doppelt so hoch wie in Deutschland und hat den höchsten Stand seit fast 15 Jahren erreicht. Nach jüngsten Vergleichszahlen der Europäischen Statistikbehörde Eurostat lag sie Ende des Jahres bei 10,7 Prozent, in Deutschland hingegen nur bei 5,4 Prozent. Die Wirtschaft von Deutschlands wichtigstem Partner wird 2013 das zweite Jahr in Folge stagnieren. Die EU-Kommission erwartet allenfalls ein Wachstum von 0,4 Prozent.

In einer aktuellen Umfrage der deutsch-französischen Handelskammer zeigte sich ein Drittel der befragten Unternehmer skeptisch, ob ihr Mutterhaus noch einmal in Frankreich investieren würde. In der Bewertung schlugen sich insbesondere die Rolle der Gewerkschaften, die hohen Arbeitskosten und die mangelnde Flexibilität negativ nieder.

Mit seiner Aufforderung, sich im Konsens über die Reform des Arbeitsmarktes zu einigen, anstatt die Verantwortung an die Regierung abzuschieben, hatte Hollande Arbeitgebern und Gewerkschaften die Möglichkeit gegeben, einem deutschen Vorbild zu folgen. Die Fähigkeit der deutschen Sozialpartner zur Verständigung wird heimlich bewundert. CGT und Force Ouvrière sind nicht reif dafür.

Wenn in diesen Tagen Volkswagen mit böser Kritik überzogen wird, weil der Konzern angeblich versucht, PSA mit Kampfpreisen niederzuringen, wird eines vergessen: Der Konzern hatte in schlechten Zeiten mit seinen Beschäftigten jahrelange Arbeitszeitverkürzung bei Sicherung der Jobs vereinbart. Der Erfolg stellte sich wieder ein. Mit CGT und Force Ouvrière wäre so etwas unmöglich gewesen.