Euro-KriseEU verweigert Frankreich mehr Zeit zum Sparen

Die französische Regierung bekommt nicht mehr Zeit zur Umsetzung ihrer Sparauflagen. Die EU-Kommission unterstützt stattdessen die geplanten Reformen dort.

Ein Demonstrant in Marseille protestiert gegen den Sparkurs in Frankreich.

Ein Demonstrant in Marseille protestiert gegen den Sparkurs in Frankreich.  |  © Anne-Christine Poujoulat/AFP/Getty Images

Trotz der wirtschaftlich angespannten Lage kann das verschuldete Frankreich nicht mit mehr Zeit für die Umsetzung seiner Sparauflagen rechnen. Ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn wies Spekulationen zurück, wonach ein zusätzliches Jahr für die Regierung in Paris schon ausgemachte Sache sei.

"Frankreich hat sich zum Defizitabbau verpflichtet. Wir haben dieses Engagement begrüßt", sagte der Sprecher. Er begrüßte gleichzeitig die Reformen von Frankreichs Premier Marc Ayrault im Kampf gegen Arbeitslosigkeit und dümpelnde Konjunktur.

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Die Tageszeitung Libération hatte gemeldet, Brüssel sei gegenüber Frankreich beim Defizitbau nachsichtig und wolle zusätzlichen Spielraum geben. Die französische Regierung hatte sich gegenüber den EU-Partnern verpflichtet und auch mehrfach bekräftigt, schon im laufenden Jahr die Maastrichter Defizitgrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung einzuhalten.

Kommission erwartet niedrigeres Wachstum

Die Kommission bezweifelt, dass dies gelingt. Sie erwartet 2013 ein Defizit von 3,5 Prozent. Frankreich setzt immer noch auf ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent, während die Kommission nur die Hälfte (0,4 Prozent) annimmt.

Der sozialistische Premier Ayrault hatte am Donnerstag in Paris das Konzept eines "neuen französischen Modells" angekündigt. Dazu gehören Reformen in den Bereichen Finanzen, Arbeitsmarkt und Erziehung. In einem Beitrag der Tageszeitung Le Monde räumte Ayrault ein, dass Deutschland und die skandinavischen Länder wirtschaftlich besser dastünden als sein Heimatland.

Er wies aber auch auf Vorteile hin: "Dank seiner demografischen Dynamik könnte Frankreich in rund 30 Jahren das bevölkerungsreichste Land Europas sein, mit einer Jugend voller Schwung (…)", schrieb der Premier. In Frankreich leben laut aktuellen Zahlen von Eurostat gut 65 Millionen Menschen, in Deutschland knapp 82 Millionen.

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Leserkommentare
  1. Die Demographie ist für moderne Gesellschaften das zentrale und fast schon einzige Erfolgskriterium. Kein Land Europas, vielleicht sogar der westlichen Welt, kann es mit Frankreich aufnehmen, wenn es darum geht, eine überlebensfähige Gesellschaft zu erhalten. Deutschland hat sich hingegen schon vor 40 Jahren unter der Regierung des Beamten H. Schmidt für einen Weg entschieden, der zwingend zum Untergang führen muss. Am Beipiel Japans, das sich bereits im Zustand der Agonie befindet, lässt sich heute schon absehen, wie dieser Weg endet.
    Für Deutschland sind es vielleicht noch 30, vielleicht auch 40 oder 50 Jahre. Aber dann ist Schluss. Japan wird schon in 20 Jahren nicht mehr in der Lage sein, seine elementaren staatlichen Funktionen zu erfüllen. Frankreich hingegen kann, wenn es dem "Reformdruck der Märkte" und dem Reformgeschrei Deutschlands und seiner Satelliten (Niederlande, Österreich etc.) widersteht, noch in 100 Jahren leben und auch noch in 200 Jahren.

    2 Leserempfehlungen
  2. alles halb so wild, denn der Barroso hat die krise ja beendet.

    • el-Loco
    • 08. Januar 2013 14:50 Uhr

    wenn ein ausgeglichenes Verhältnis fehlt.

    Gesellschaften ändern sich.

    Das war schon immer so und wird sich auch nicht ändern.

    Die Frage ist wie es gesteuert wird.

    Und da läuft einiges falsch und das Weltweit.

    Mag sein das einige Frankreich als beispielhaft für Europa sehen.

    Da stellt sich mir aber die Frage der Sichtweise.

    Masse ist nicht gleich Klasse.

    Diese Probleme hat Frankreich noch mehr als heute schon in der Zukunft zu bewältigen.

    Was haben Heere von jungen Menschen zu erwarten wenn die Arbeitslosigkeit die einige Aussicht ist.

    Rapide fallender Lebensstandard hat keine Vorteile für eine Gesellschaft durchaus aber für einen sehr geringen, kleinen, elitären Teil von eben dieser.

    Das klassische an dieser Situation ist die Tatsache das derartiges schon immer gelaufen ist.

    Und auch in Zukunft so laufen wird.

    Ob sich Deutschland in 30, 40, oder 50 Jahren oder Japan schon jetzt im Zustand der Agonie befindet, wie es manche hier "prophezeien" wird die Zeit zeigen.

    Als Mensch der sich selbst seie Gedanken macht halte nicht viel von Propheten und auch da gibt es noch Potenzial um zu differenzieren.

    Gewissen Propheten gestehe ich nicht mal zu das Sie Europa "missionieren" dürfen.

    :-)

    Diese Last hat Europa schon mit seinen eigenen kulturellen Besonderheiten.

    Und daran wird sich auch nichts ändern.

    • el-Loco
    • 08. Januar 2013 14:55 Uhr

    Vielen denen ein Untergang vorausgesagt wurde haben weit besser abgeschnitten als andere denen eine "blendende" Zukunft versprochen wurde.

    Deutschlands und seiner Satelliten (Niederlande, Österreich etc.) wie es gewisse hier ausdrücken gehören doch meiner Meinung nach ebenso wie die «Grande Nation» Frankreich zu Europa.

    Da fehlen für mich zu viele der anderen Länder welche Europa ebenso ausmachen.

    Polen, Dänemark, Ungarn, Spanien, Griechenland, Tschechien, Italien.....!

    Sind wir nicht alle eine Nation von Europäern.

    Länder die denken das sie etwas besonderes sind habe in der europäischen Geschichte meist nicht lange den Ton angegeben.

    Frankreich ist nicht mehr und nicht weniger als ein Teil eben dieses Europas.

    Genau wie Deutschland.

    Fehler wurden nicht nur in der Vergangenheit begangen.

    Und schon gar nicht nur von einigen wenigen.

    Da waren und werden auch in Zukunft viele dran beteiligt sein.

    Die Frage ist nur wie genau man diese "Fehler" begeht.

    Und da sehe ich Frankreich derzeit als Musterschüler an.

    Leider.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Finanzen | Frankreich | Arbeitslosigkeit | Arbeitsmarkt | Erziehung | Konjunktur
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