Google-Chairman Eric Schmidt war bemüht, seine Nordkorea-Reise als Erfolg zu verkaufen: "Wir haben ihnen die Alternativen klar gemacht", sagte er am Donnerstag in Peking in Hinblick auf seine Gesprächspartner in Pjönghang. "Ihre Entscheidung, sich zu isolieren, macht es ihnen schwerer, wirtschaftlich aufzuholen." Der US-Politiker Bill Richardson, in dessen Gefolge der Google-Mann unterwegs war, unterstützte Schmidt: "Wir haben die Nachricht gebracht, dass Nordkorea von mehr Offenheit profitierten würde."

Eine ganze Meute von Journalisten verfolgte am Terminal 2 des Pekingers Flughafens die beiden prominenten Amerikaner, die sich in das Eremitenland gewagt hatten. Während des Umsteigens auf der Rückreise in die USA waren Schmidt und Richardson bereit, Fragen zu ihrer Nordkorea-Reise zu beantworten.

Es gelang den beiden dabei nicht, ein ungutes Gefühl zu vertreiben. Denn unterm Strich gilt der Nordkorea-Besuch des Duos vor allem als Propaganaerfolg für Kims Regime. "Sie werden von der Diktatorenfamilie Kim benutzt, um ihre internationale Legitimation zu fördern", sagt der hochrangige US-Diplomat John Bolton über Amerikaner auf Kuschelkurs mit den Kims.

Denn eines ist klar: Google wird auf absehbare Zeit im Norden Koreas keine Geschäfte machen (es gibt dort weder Werbung noch das Internet). Ebenso unwahrscheinlich erscheint es, dass Kim sich nun am Kopf kratzt und den den nordkoreanischen Bürgern plötzlich das Netz öffnet. Selbst die benachbarte Technik- und Weltraumnation China enthält ihren Bürgern immer noch große Teile des Webs vor.

Statt dessen konnte Kim seinen Untertanen und der ganzen Welt signalisieren, dass sein Land nicht so komplett von der Weltgemeinschaft ausgeschlossen ist, wie es scheint. Kommen nicht sogar Top-Manager aus Amerika und plaudern mit den eigenen Studenten über Technik? Fast noch wertvoller: Die Bilder von Schmidt vor dem kommunistischen Dynastiegründer Kim Il-Sung, der in Nordkorea wie ein Gott verehrt wird.

Zuvor hatte Schmidt sich in Pjöngjang für stärkeren Einsatz von Handy in Nordkorea stark gemacht. Auf 24 Millionen Einwohner kommen dort bisher lediglich 1,6 Millionen Mobiltelefone – zu wenig, wie Schmidt und Richardson finden. "Die Ausweitung von Mobiltechnologie könnte dem Wohlergehen der Nordkoreaner einen kräftigen Schub geben", hatte Richardson gesagt.

Am Pekinger Flughafen erklärte Schmidt heute näher, was er meinte: "Wenn die Leute digital vernetzt sind, haben sie etwas, worauf sie aufbauen können. Die Regierung muss dann reagieren."