MarktmachtEU-Kartellwächter drohen Google

Die EU-Kommission will Google in die Schranken weisen: Sollte der Konzern seine Suchergebnisse nicht anders präsentieren, werde man ein Kartellverfahren eröffnen.

Die Startseite der italienischen Ausgabe von Google

Die Startseite der italienischen Ausgabe von Google  |  © Giuseppe Cacace/AFP/Getty Images

Nutzt Google seine Marktmacht, um in der Ergebnisliste seiner Suchmaschine vor allem die eigenen Dienstleistungen bevorzugt darzustellen? Joaquin Almunía ist davon überzeugt und will den Konzern aus Kalifornien zu Änderungen zwingen: Der EU-Wettbewerbskommissar droht Google mit einem Kartellverfahren und Geldstrafen.

Kritiker und Rivalen werfen dem Technologiekonzern vor, Wettbewerbern wie Microsoft schlechtere Plätze in der Rangfolge der Suchergebnisse zu geben und den eigenen Produkten und Diensten so einen unfairen Vorteil zu verschaffen. Seit zwei Jahren geht die Europäische Union (EU) derartigen Beschwerden nach und versucht, mit Google zu einer Einigung zu gelangen.

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Bereits im Dezember hatte die EU den Konzern ultimativ dazu aufgefordert, im Januar Vorschläge zur Lösung des Streits zu unterbreiten. Diese Haltung hat Almunía nun bekräftigt. "Ich bin davon überzeugt, dass Google Internetverkehr auf seine eigenen Dienste umleitet", sagte er der Financial Times. "Ich befürchte, dass sie ihre dominante Marktstellung missbrauchen."

US-Behörden lassen Vorwurf fallen

Der EU-Kartellwächter will Google deshalb dazu zwingen, die Ergebnisse seiner Suchmaschine künftig anders zu präsentieren. Ansonsten müsse das US-Unternehmen mit einem Kartellverfahren rechnen. Er sei dazu verpflichtet zu klagen, sagte Almunía.

So weit wollten seine Kollegen in den USA nicht gehen: In der vergangenen Woche hatte die Kartellbehörde FTC die Ermittlungen gegen Google eingestellt und den Vorwurf vom Missbrauch der Marktmacht fallengelassen.

Die US-Kartellwächter waren zu dem Ergebnis gekommen, die Platzierung von Googles eigenen Diensten vor den Angeboten von Konkurrenten in den Suchergebnissen sei keine Verzerrung des Wettbewerbs. Google verteidigte sich, die Nutzer bekämen so eine bessere Dienstleistung.

Almunía sagte, das Urteil in den USA sei mit dem Unterschied zwischen den rechtlichen Rahmenbedingungen zu erklären. Zudem sei die Dominanz von Google bei der Suche in Europa deutlich größer als in den USA. Im Heimatmarkt laufen rund zwei Drittel aller Suchanfragen über den Dienst, in Europa sind es bis zu 90 Prozent.

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Leserkommentare
    • Marobod
    • 11. Januar 2013 11:23 Uhr
    1. Google

    kann seine eigenen Dienste doch in seiner eigenen Suchmaschine hervorheben. Sehe darin kein Problem, wer das nicht will kann die Suchparameter aendern, oder nutzt eben seine Konkurrentprodukte wie bing oder yahoo ...

    Bei sowas gehen die Kartellvorwuerfe nie weit genug, aber bei Spritanbietern oder Energeiversorgern geht man scheinbar dann schon zuweit ..O.o

  1. 1. Google hat zwar eine Marktmacht, aber kein Monopol.
    2. Dass Google auf der eigenen Website die eigenen Dienste promotet, kann man kaum als verwerflich bezeichnen.
    3. Wir haben eine Marktwirtschaft. Entsprechend sollte man Google mit einem besseren Produkt bekämpfen, aber nicht mit einer Regierungsorganisation.
    4. Fazit: alles Blödsinn, die EU sollte sich erst mal kundig machen.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    .... Europe?! Die EU regelt schon zuviel...vom Krümmungs-radius der Gurken & Bananen, Tabakwerbung, (Agrar-) und viele andere Subventionen aber hier sollte Europa versuchen Google und damit die USA in die Schranken zu weisen. Lächerlich genug, daß kein Bundesland in D mit den Streetview Kamerawagen kurzen Prozeß gemacht und die Autos nach der 1. Verwarnung beschlagnahmt hat. Hoffentlich kann sich Alumnia durchsetzen.

  2. .... Europe?! Die EU regelt schon zuviel...vom Krümmungs-radius der Gurken & Bananen, Tabakwerbung, (Agrar-) und viele andere Subventionen aber hier sollte Europa versuchen Google und damit die USA in die Schranken zu weisen. Lächerlich genug, daß kein Bundesland in D mit den Streetview Kamerawagen kurzen Prozeß gemacht und die Autos nach der 1. Verwarnung beschlagnahmt hat. Hoffentlich kann sich Alumnia durchsetzen.

    Antwort auf "Typisch EU"
  3. mich nervte schon seinerseit diese ätzende browser-zwangsanbieterei-vorschrift der eu bei microsoft; kaufst du einen opel muss dir der hersteller aber mindestens noch je ein lenkrad von audi, bmw, mercedes und vielleicht noch trabant601 als alternative anbieten?!! und mercedes fährt skodawerbung auf dem dach umher.
    das die bürger der eu zu neunzig prozent google als suchmaschine bevorzugen obwohl man ständig von irgendwelchen toolbars der kongruenz belästigt wird, gibt der bürger-fernen eu rein garnichts zu denken.
    na ja, solange wir darüber alle nur ein bisschen vor uns hinpöbeln ist doch noch alles im lot ;-)

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa, kg
  • Schlagworte Google | Europäische Union | Microsoft | Dienstleistung | Ermittlung | Geldstrafe
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