Flughafen BerlinDas Großversagen
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Großprojekte folgen dem Prinzip "Survival of the unfittest"

Glaubt man dem Ökonomen Bent Flyvbjerg, sind die Kostenexplosionen am Berliner Flughafen alles andere als ungewöhnlich. Flyvbjerg, ein Däne, der in Oxford forscht, hat sich auf die Analysen von Großprojekten spezialisiert. 2002 veröffentlichte er eine Studie mit dem Titel Fehler oder Lüge – die Kostenschätzungen bei öffentlichen Bauvorhaben, die für die Forschung wegweisend war.

Darin konnte er nachweisen, dass bei neun von zehn großen Infrastrukturprojekten weltweit die Kosten unterschätzt wurden. Rund 260 Megaprojekte hat der Ökonom dafür untersucht, darunter den Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien und den Bau des Opernhauses in Sydney. Im Schnitt waren die Bauten am Ende um 28 Prozent teurer als ursprünglich geplant.

Dafür gibt es nach Ansicht von Flyvbjerg gute Gründe. Schließlich ziehen sich solche Projekte oftmals über Jahre hin. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas Unvorhergesehenes passiert, steigt dadurch erheblich. Auch sind Menschen mit unterschiedlichen Interessen beteiligt, was die Wahrscheinlichkeit von Fehlern erhöht. Die angewandte Technik ist oft nicht von der Stange, sondern speziell auf das Projekt zugeschnitten – so wie etwa die automatische Brandschutzanlage am Berliner Flughafen. Die Frage ist dennoch, warum Projektplaner nicht aus ihren Fehlern lernen – schließlich geschieht es doch immer wieder, dass die Kosten höher sind als geplant.

Lügen die Planer?

Flyvbjerg hat dafür eine provokante Erklärung. Er glaubt, dass die Verfechter eines Bauprojekts bei den erwarteten Kosten bewusst falsche Angaben machen – aus strategischen Gründen. Mit anderen Worten: Sie lügen, und zwar deshalb, weil ihr Projekt im Wettbewerb um die knappen Finanzen sonst gar nicht erst beachtet würde. Projektplaner haben also einen Anreiz, den möglichen Nutzen eines Bauvorhabens zu stark zu betonen – und zudem die erwarteten Kosten herunterzurechnen.

Wirtschaftswissenschaftler Flyvbjerg nennt das in Anlehnung an Darwin Survival of the unfittest. Die Projekte, die auf dem Papier am besten aussehen, sind in Wahrheit von Anfang an zur Kostenexplosion verdammt.

Eine ausweglose Situation? Keineswegs, sagt der niederländische Stadtplanungsforscher Mendel Giezen. Er hat am Beispiel einer Rotterdamer U-Bahn-Linie untersucht, wie die Ausschreibung eines Großprojektes besser funktionieren könnte. Ursprünglich sollte der Bau der 11,5 Kilometer langen Strecke 760 Millionen Euro kosten. Am Ende waren es sogar nur 560 Millionen Euro. Der Bau wurde zwar etwas später fertig, aber mit sechs Monaten war die Verspätung eher moderat.

Realistischere Kostenkalkulationen sind möglich

Giezen hat hierfür zwei Erklärungen. Zum einen verwendeten die Manager keine Technik, die sie nicht kannten. Zudem zog die niederländische Regierung eine Obergrenze ein: Sie wollte die Kosten nur bis zu einem bestimmten Betrag mittragen. Alle zusätzlichen Ausgaben hätte die Stadt Rotterdam übernehmen müssen. Das erhöhte den Anreiz für die Planer, die Kosten nicht ins Maßlose steigen zu lassen – und am Ende fielen sie sogar geringer aus.

Lassen sich Giezens Ergebnisse auf Bauprojekte wie in Berlin übertragen? Schwer zu sagen. Flyvbjerg empfiehlt auf alle Fälle mehr Öffentlichkeit und Transparenz in der Planung – ein Punkt, den auch die Berliner Piratenpartei immer wieder einfordert. Alle Gutachten und Schätzungen sollten für Medien, Bürger und Wissenschaftler öffentlich zugänglich sein. Wer absichtlich falsche Schätzungen abgebe, müsse künftig härter bestraft werden. Auch die Kooperation mit privaten Investoren könnte sinnvoll sein. Denn wer selbst Geld in ein Projekt steckt, prüft genauer, ob die Kosten realistisch geschätzt sind oder nicht.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman hat noch einen einfacheren Rat parat: Die Manager sollten einfach die eigenen Prognosen öfter mit jenen Projekten vergleichen, die bereits umgesetzt wurden. In Berlin wird das alles jedoch niemandem mehr helfen.

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Leserkommentare
  1. Aber als Laie beschleicht mich das Gefühl, dass bei solchen Projekten einfach zu viele Manager, Controller, MBAs, Supervisor, Consulter und weitere Powerpoint-Dresseure mitreden. Und diese wollen halt alle was verdienen und mitreden. Ob das Bauen davon schneller und besser geht?
    Ich stell mal eine ganz steile These auf: nein, geht es nicht. :)

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    genau bei den Leuten gelandet. Es gibt Teilnehmer am Prozeß, die profitieren von der Verzögerung.

    ...ist für Sie nur auch jene bei der man seine Hände benutzt, oder?

    -.-

  2. gelingen immer dann besonders gut, wenn niemand PERSÖNLICH für die entscheidung zur rechenschaft gezogen werden kann und wenn,...

    das geld von anderen ausgeben wird => der steuerzahler läßt grüßen/muss zahlen.

    jeder, der eine pommesbude aufmachen möchte, lacht sich über solche lachnummer einfach nur schlapp.

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    • Otto2
    • 07. Januar 2013 20:46 Uhr

    Ihn hat seine Partei schon einmal mit einem für ihn unmöglichen Job überfordert. Er ließ sich in Verkennung dessen, was in solch einem Job an Qurelen auf ihn wartete, zum SPD-Vorsitzenden wählen. Erkrankt in dieser "Grube", scheiterte er. Jetzt schicken ihn seine Genossen Wowereit und die Berliner SPD wieder in eine üble Aufgabe, die sie sich selber nicht mehr antun wollen. Platzek soll wieder in die Grube - diesmal gewissermaßen in eine (Bau)-Grube.

  3. alles durchplanen, ggf. Raum für Anbauten oder Erweiterungen mit einplanen und wenn dann begonnen werden kann erstmal
    klein Anfangen; vor allem wenn man chronisch Pleite ist, ist Stückwerk die bessere Alternative

    P.S. Stuttgart 21 kann ebenso peinlich werden und wird
    m.E. nicht unter 7-8 mrd zu haben sein

    P.S. vielleicht sollte man auch einmal darüber nachdenken,
    große Projekte nach festgelegten Regeln und Vorgehensweisen zu planen

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    aber nach Ihren Vorschlägen käme weder Ruhm noch Geld für die Politikerdabei heraus.

    Undenkbar - Also bitte schön bleiben Sie realistisch!

    • meander
    • 07. Januar 2013 20:03 Uhr

    Das Scheitern von Großprojekten hat vielfältige Gründe. Probleme gibt es im System selbst, den in der BRD beschrittenen Pfad der Privatisierung, der die öffentliche Verwaltung und damit uns Steuerzahlern mittlerweile mehr Geld kostet statt Kosten zu sparen usw.

    Im Falle der Elbphilharmonie aber ist es das hohe Risiko neuer Technologien, die im fatalen Fall unübersehbare Kostensteigerungen mitsichtragen.

    Anderes liegt der Fall nun beim Großflughafen Berlin und auch bei Stuttgart 21. In diesen beiden Fällen wurde entgegen Expertenmeinungen an konzeptionellen Tabubrüchen festgehalten bzw. jahrelange Erkenntnisse aus vergleichbaren Projekten aus projektfremden Gründen ignoriert.

    Der Flughafen hat konzeptionelle Fehler, die kaum auszugleichen sind. S21 beinhaltet hohe Baurisiken durch den geologischen Untergrund und wie wir seit 2012 wissen ähnliche konzeptionelle Fehler in der Bauplanung wie der Flughafen Berlin.

    Beide Projekte wären etwas langweiliger und konservativer geplant besser zu koordinieren und wirtschaftlich zu kontrollieren.

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    Das Problem ist die ständige Einmischung der Politik und sodann, wie z. B. bei BER, noch die konsequente Besetzung des Aufsichtsrats mit Politikern, denen jede Sachkunde und auch die entsprechende Zeit mangelt.

    Wenn die politische Entscheidung gefallen ist, die auch einen Kostenrahmen beinhaltet, muss die Einflussnahme der Politiker aufhören.

    Die Durchführung muss ausschließlich privaten Auftraggebern mit verbindlichen Festpreisen unter Beachtung der vorgegebenen Bauausführung obliegen. Diese Firmen haben dann die Arbeiten unter Beachtung der Qualitätskriterien durchzuführen. Die aufsichtsführenden Architektur- und Ingenieurbüros haben das zu überwachen und bei Versagen hierfür einzustehen. Durch Vereinbarung von Vertragsstrafen bei Überschreitung des zeitlichen Rahmens kann termingerechte Ausführung sichergestellt werden.

    Nein, ich denke jeder dieser "vielfältigen" Gründe kann eigentlich auf einen eizigen zurückgeführt werden:

    KORRUPTION!

    Daran krankt die Republik!
    Hat schon einen Grund, warum unsere Damen und Herren Politiker und Politikerinnen das Antikorruptionsabkommen der UN nicht unterzeichnen mögen...

    Bei Großprojekten wie S21, Elbphilharmonie und Flughafen fällt das halt eher auf, aber denke keiner daß es bei der Mehrzweckhalle in Hintertupfingen oder der Müllverbrennungsanlage in Klein-Weisnichtwo anders ist.

    • LJA
    • 07. Januar 2013 20:09 Uhr

    warum dies Kosten solcher Großprojekte regelmäßig nach unten gerechnet werden müssen, wurde in dem Artikel nicht erwähnt.
    Wissenschaftler, Politiker, "Aktivisten" und Medienschaffende, die nicht zufällig zumeist alle einer politischen Richtung zuneigen, haben es geschafft, dass z.B. ein Flughafen fast nur noch unter Aspekten wie Lärm, Luftverschmutzung, Verkehrsaufkommen oder Flächenverbrauch betrachtet wird. Die Nutzer sind in diesen Augen dann eh nur noch Banker und Turbokapitalisten, also böse Menschen.

    Das solche Projekte auch sehr starke volkswirtschaftliche Aspekte haben und, direkt wie indirekt, die Arbeitsplätze und Einkommen von Millionen von Menschen (positiv) beeinflußen, wird mittlerweile fast vollkommen ignoriert bzw. als Marginalie abgetan.
    Sollte sich unsere Gesellschaft dieses Umstandes wieder bewußter werden, wird es auch einfacher sein, realistische Planungen zu erstellen.

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    Sperenberg wurde zwar damals als besserer Standort betrachtet, aber da man Angst vor den Naturschützern hatte, wählte man Schönefeld, weil da hat Politik "nur" Lärmschutzprobleme mit den Anwohnern erwartet.

    Die privaten Investoren haben dann aus diesem, letzteren Grund gepasst.
    Und Politik hat es dann selbst übernommen, fatal billig zu planen und bauen.

    Also nichts mit Wutbürgern, Protestierenden , Schlechtrednern: Einfach nur dramatisches Versagen der Politik. Und zwar aller Parteien. Also wohl unseres politischen Systems!

    Im Übrigen wird keiner, dem frühmorgens um 5Uhr ein Flieger in 300 Meter übers Dach fliegt, jemanden deshalb einen Job gönnen. Zu Recht!

    „Das solche Projekte auch sehr starke volkswirtschaftliche Aspekte haben und, direkt wie indirekt, die Arbeitsplätze und Einkommen von Millionen von Menschen (positiv) beeinflußen, wird mittlerweile fast vollkommen ignoriert bzw. als Marginalie abgetan.“

    Es wäre ja schön, wenn es so wäre. In dieser These allerdings gibt es keine obere „Sollbruchstelle“ und Sie schließen somit aus, dass alle Projekte zu jedem noch so hohen Preis wirtschaftlich wären? Die Privatwirtschaft lacht sich ob dieser Aussage einen Ast.

    Nach der Bundesbauordnung ist eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung (Kosten-Nutzen-Analyse) vorzunehmen. Ein richtiges Instrument, leider ohne Konsequenzen sobald gebaut wird, eben weil politisch motiviert zu billig gerechnet wird. Konkret: An was muss Berlin sparen, weil das Ding aus dem Ruder läuft? Wie viel würde eine korrekt kalkulierte Eintrittskarte in die Elbphilharmonie kosten? Ist ein aktueller Preis für Stuttgart 21 von 6,8 Mrd. angemessen, weil ich einige Minuten früher am Flughafen wäre?

    Für Stuttgart 21 habe ich allerdings die berechtigte Hoffnung, dass die unselige Praxis des politischen Kleinrechnens und anschließender Preisexplosion von Großprojekten nicht funktioniert, weil die Landesregierung keinesfalls mehr als die gültige Finanzierungsvereinbarung zahlen wird. Das lässt hoffen.

  4. ... kommt ein jeder, der sich selbst bedienen will, weil keiner die Kontrolle hat, Gelder scheinbar endlos zur Verfügung stehen und weil - genau - weil es alle machen.

    Ich will nicht wissen, wie viele Milllionäre diese Baustelle erzeugt hat, ohne dass dafür etwas geschaffen wurde. Wie viele Hände in die offenen Töpfe griffen und wie viele Augen zwanghaft wegsahen. Unter Freunden.

    Bei einem privaten Auftraggeber wäre das in diesem Umfang nicht möglich, da würde dem Bauleiter die Haut bei lebendigem Leibe abgezogen werden, aber wenn Bund und Länder zum Werkeln aufrufen, folgt ein jeder gern, auch wenn er nicht wirklich eine Leistung anzubieten hat. Bei der Geldvergabe ist Dabeisein bekanntlich alles.

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    Bewerben kann sich jeder; den "Auftrag" (also Money) bekommen nur wenige ! Raten Sie mal wer bei solchen "Ausschreibungen" Sieger ist/wird ? Die Pyramide (der öffentlichen Hand) beginnt, je nach Projektgröße und Volumen, in den Ministerien und Rathäusern ... Wer hat dort das Sagen ? Dreimal dürfen wir raten ... Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Stichwort: Korruptionsindex. Stichwort:Politiker. Stichwort Film: "Der Aufsteiger". Das Ganze wird dem (zahlpflichtigen) Bürger als Wettbewerb verkauft. Stichwort: Neues aus der Anstalt!

    Weil keiner der politisch dafür Verantwortlichen, der mit diesen überdimensionierten Prestige-Objekten protzen will, auch nur einen €uro-Cent Risiko dafür zu tragen hat.
    Wenn das Ding in die Hose geht, fallen sie noch auf die gebutterte Seite und kleben daran fest!

    • Vanita
    • 07. Januar 2013 20:19 Uhr

    Warum Politiker in Gremien, Aufsichtsräten und Vorständen sitzen hat doch bestimmt nicht immer etwas mit Kompetenz zu tun, oder? Da geht es um Geklüngel und Machtversessenheit und Gier nach Prestige.

    Steinbrück saß bei der WestLB, Debakel, vom Steuerzahler gestützt, Platzeck und Wowereit beim BER, Desaster, vom Steuerzahler bezahlt, Mappus... und wiesiealleheissen.

    Da werden Milliarden verballert, ohne Konsequenzen. Und ein Rücktritt selbst ist keine Konsequenz, denn Politiker fallen nicht tief mit ihren Pensionsansprüchen.

    Wie lange erträgt der leistende Mittelstand noch solche Dilletanten und Steuergeldverbrenner?

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    in den Aufsichtsraeten dieses Desaster haetten vermeiden koennen? Ganz sicher, wenn sie schwaebische Hausfrauen gewesen waeren.

  5. "Die Manager sollten einfach die eigenen Prognosen öfter mit jenen Projekten vergleichen, die bereits umgesetzt wurden. In Berlin wird das alles jedoch niemandem mehr helfen."

    Die Kosten für den zweite 7,3 km langen Münchner S-Bahn-Tunnel werden augenblicklich mit 2,433 Milliarden Euro angegeben. Das Projekt Stuttgart 21 mit 35 Tunnelkilometern wird augenblicklich auf 6,8 Milliarden geschätzt (kurz vor Weihnachten waren es noch knapp 4,5 Millarden)- während die Ausstiegskosten mit 3 Milliarden angegeben werden. Wer will, kann diese Angaben der Bahn und Politik glauben....

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  • Schlagworte Berlin | Bundesregierung | Elbphilharmonie | Eurotunnel | Flughafen | Frankreich
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