Flughafen Berlin Das Großversagen
Die peinlichste Baustelle der Republik wirft eine Frage auf: Warum gehen Großprojekte wie der Berliner Flughafen immer schief?
© Patrick Pleul/dpa

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (Archiv) vor dem Logo des Großflughafens Berlin Brandenburg
Rainer Schofer ist genervt. Der Mitgründer des Berliner Ingenieurbüros smv leitet den Verband der Projektmanager in der Bau- und Immobilienwirtschaft, einen Zusammenschluss von mehr als 170 Firmen, die sich mit der Frage beschäftigen, wie Baustellen so organisiert werden können, dass sie funktionieren. Schofer ist Fachmann für große Bauprojekte, für Bahnhöfe, Hochhäuser oder aber für Baustellen wie den Großflughafen BER.
"Schrecklich" sei das, was gerade in Berlin geschehe, sagt Schofer, "das färbt auf die ganze Branche ab". So oft musste er zuletzt erklären, was beim Großflughafen falsch gelaufen ist, dass er die nächste Tagung seines Verbandes dem Thema widmen will. Arbeitstitel: "Das Scheitern von Großprojekten".
Anlass für die Tagung gibt es genug. Die Elbphilharmonie in Hamburg, der Stuttgarter Hauptbahnhof – fast immer, wenn Deutschland zuletzt etwas Großes vorhatte, lief die Planung gehörig schief, explodierten die Kosten, verzögerten sich die Eröffnungstermine, wenngleich oft aus unterschiedlichen Gründen. Der Flughafen BER ist nur das krasseste Beispiel in einer Kette von Fehlplanungen öffentlicher Großprojekte in Deutschland.
Seit dem Wochende ist bekannt, dass der Flughafen nicht wie geplant im Oktober 2013 eröffnet werden kann. Es ist die fünfte Verschiebung des Eröffnungsdatums binnen zwei Jahren. Die Verantwortlichen – die Flughafengesellschaft, die Bundesländer Berlin und Brandenburg sowie die Bundesregierung – wollten die erneuten Verzögerungen erst geheimhalten, was ihnen offensichtlich misslang. Nun stellt sich die Frage nach der Verantwortung der Politik, aber vor allem nach den Ursachen: Wie kann es zu solch einer gewaltigen Fehlplanung kommen?
Fachmann: Es fehlte ein unabhängiger Projektplaner
Wer Experten wie Rainer Schofer heute fragt, bekommt mehrere Antworten. Schofer hält es für einen Kardinalfehler, dass die Stadt Berlin darauf verzichtet habe, gleich zu Beginn eine Projektgesellschaft zu gründen, die sich ausschließlich um den Bau kümmert. Stattdessen plante die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg das Großprojekt selbst – die genug damit zu tun habe, die Flughäfen Tegel und Schönefeld zu betreiben.
Immer wieder konnte sich die Gesellschaft nicht dem Einfluss der Politik widersetzen. Immer wieder kam es zu Planänderungen. Einige Gebäudeteile, die vorher einer klaren Struktur folgten, wurden umgetauscht – etwa, um das Großflugzeug A380 abfertigen zu können. Auch wurden die Ladenflächen ausgeweitet, um noch mehr Geschäfte auf dem Flughafengelände unterbringen zu können. Jede dieser Änderungen brachte das Gesamtkonzept durcheinander.
Das enthielt nach Ansicht von Experten ohnehin Schwächen. Vor allem der Brandschutz erweist sich heute als Problem. "Idiotisch" seien die ersten Planungen gewesen, urteilt ein Experte, der mit dem Bau des Flughafens vertraut ist. Das Thema ist sensibel: Seit der Brandkatastrophe am Düsseldorfer Flughafen, bei der 17 Menschen starben, wollen die Behörden hier auf keinen Fall an der Sicherheit sparen.
Das wird den Managern nun zum Verhängnis. Zwar wollten die Verantwortlichen im Juni des vergangenen Jahres, als der erste Eröffnungstermin bereits wegen des Brandschutzes verschoben werden musste, einen großen Befreiungsschlag wagen. Sie kündigten dem Generalunternehmen pgbbi die Zusammenarbeit, einem Zusammenschluss von Planungsbüros, der bislang den Bau plante. Die Verantwortlichen aber blieben im Amt.
Das Krisenmanagement versagt seit Monaten
Seitdem versagt das Krisenmanagement. Zwar wurde ein neues Brandschutzkonzept erarbeitet, doch auch dieses erfüllt kaum die Bedingungen der Aufseher. Ein Gutachten des neu beauftragten Berliner Ingenieurbüros hhp zeigte bereits im Herbst, dass offenbar von den Behörden genehmigte Brandschutzvorgaben nicht umgesetzt wurden. Vor allem die automatische Steuerung von Türen und Fenstern macht Probleme. Selbst die Sprinkleranlage wurde offenbar anders gebaut als geplant.
Auch an anderen Stellen werden aus scheinbaren Petitessen handfeste Probleme. Die Größe der bisherigen Kabelschächte reicht etwa nicht aus, um alle notwendigen Kabel aufzunehmen. Für die weiteren Arbeiten fehlen nun technische Pläne, die bei dem Generalunternehmen liegen, dem ja zuvor gekündigt wurde. Handwerksbetriebe verweigern die Arbeit, weil sie erst einmal ihre bisherigen Rechnungen bezahlt bekommen wollen.
Das alles kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Nach aktuellen Berechnungen wird der Bau des Flughafens nun mindenstens 4,3 Milliarden Euro kosten. Das ist mehr als doppelt so viel wie ursprünglich geplant. Wie kann das nur sein?
- Datum 07.01.2013 - 19:39 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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dass oft die Fachleute fehlen. Viele erfolgreiche Firmen wurden ja von Leuten gegründet, die unternehmerisches Können mit Fachwissen verbanden (also zum Beispiel Siemens, Bosch oder Apple). Heute sind zu viele Leute unterwegs, die vielleicht etwas von Management versthen, denen aber das jeweilige Fachwissen fehlt. Das gilt natürlich besonders für Politiker. Weil dies so ist, muss die Politik die Durchührung von solchen Bauvorhaben tatsächlich anderen überlassen und die Kontrolle den Fachbehörden (die natürlich personell entsprechend ausgestattet sein müssen).
Wenn mein Chef will, das wir neue Infos auf unsere Homepage stellen, dann mache ich den Text, ein Kollege macht das Layout und ein anderer die Technik. Weil jeder das macht, was er kann, und mein Chef auch schaut, was wir treiben, klappts am Ende. Natürlich ist ein Flughafen sehr viel komplizierter, aber das Prinzip ist dasselbe.
es geht hier nicht um den 2.Flughafen in Berlin sondern wieder einmal die SPD in Misskredit zu bringen.
langsam nervts !
Dazu hätten Sie mal den Steinbrück hören müssen, als der einmal den großen Durchblick hatte - genau passend zu diesem aktuellen Foto:
"Wowereit schadet Berlin"
http://www.tagesspiegel.d...
Dazu hätten Sie mal den Steinbrück hören müssen, als der einmal den großen Durchblick hatte - genau passend zu diesem aktuellen Foto:
"Wowereit schadet Berlin"
http://www.tagesspiegel.d...
Wenn ich FRAGEN stellen, kontrollieren will, die ORGIENAERE Aufgabe eines Aufsichtsrates, muss ich Wissen haben.
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Schlimmstenfalls schnell "gebrieftes" Halbwissen von meinem Team oder von man/frau hinter meinem Stuhl, der sich in dieser Materie auskennt und mir ins "Ohr" flüstert.
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Aber in der Regel geht es nicht ohne eigene Expertise.
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Es ist immer wieder "lustig" dabei zu zu sehen, wie der Gespächs- oder Verhandlungspartner versucht, um den "Braten" herum zu reden.
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Natürlich kann auch ein Politiker nicht alles wissen. Aber er kann sich Fachleute suchen die ihn "briefen" bzw. die mit im Prozess stehen und ihn warnen, wenn etwas aus dem Ruder läuft.
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Da kostet GELD, über das er meist verfügen kann, ist aber immer noch VIEL billiger aus die Nachforderungen für z.B. BER! ;-)).
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Soviel Führungskenntniss sollte man vom Chef einer Landesregierung doch erwarten dürfen?
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"Partyfest" zu sein ist m.M.n keine wichtige Grundqualifikation eines Regierungschefs!
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Wenn er nicht in der Lage ist. einen Sachverhalt sicher zu prüfen, sollte er einen "Kompetenten", mit dieser Arbeit betrauen oder sich kundig machen!
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So steht es wenigstens im Gesetz.
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Persönliche Haftung für nicht erbrachte Leistungen wäre die nächste Frage!
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Meint
Sikasuu
niemand stellt sich die Frage, ob nicht vielleicht auch die Bauaufsichtsbehörde nachlässig gehandelt hat. Ich denke, dass bei einem derart großen Vorhaben die Bauaufsicht nicht nur am Ende prüft und dann abnimmt oder ablehnt, sondern vielmehr das Projekt über die Bauzeit hinweg begleitet. Ist das wirklich geschehen ? Haben diese Behörden konstruktiv "mitgearbeitet" und frühzeitig auf die Fehler hingewiesen, das Projekt hautnah verfolgt oder haben sie vielmehr - am Erfolg des Baus eher desinteressiert - Dienst nach Vorschrift gemacht und den Flughafenbau sehenden Auges in die Katastrophe laufen lassen ? Würde mich nicht wundern, so wie deutsche Behörden oft genug erlebe.
Ich empfehle der Politischen Hygiene wegen, das Matthias Platzeck und Klaus Wowereit gehen sollte.
Das tut mir Weh.
Die Hauptprobleme sind mangelnde Kostenkontrolle und Politiker die weder Ahnung haben noch Verantwortung tragen müssen.
Stellen wir uns mal vor, solche Projekte würden klar umrissen ausgeschrieben und jedes Angebot müsste a) klare Kosten und b) einen Fertigstellungstermin beinhalten. Natürlich müssen die Verträge einklagbar sein und die Firmen potent. Nach der Vergabe bleiben Politiker komplett raus. Und schon klappt es mit Termin und Kosten.
Und wenn man sieht, dass weder nachts noch am Wochenende auf der BER-Baustelle gearbeitet wird, weiß man, dass da gar kein Wille vorhanden ist.
Politiker können vielleicht schön reden und Intrigen betreiben, aber von der Materie haben die kaum bis gar keine Ahnung. Das sieht man auch an der oft unsinnigen Ergebnissen der Ministerien, Stichwort Eurokrise.
Zahlt Herr Wowereit jetzt sein Aufsichtsrat-Honorar zurück ?
Weil keiner der politisch dafür Verantwortlichen, der mit diesen überdimensionierten Prestige-Objekten protzen will, auch nur einen €uro-Cent Risiko dafür zu tragen hat.
Wenn das Ding in die Hose geht, fallen sie noch auf die gebutterte Seite und kleben daran fest!
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