Grüne Woche : Tausende protestieren gegen industrielle Landwirtschaft

Die Agrarmesse Grüne Woche macht nicht nur Potenziale, sondern auch Probleme sichtbar: Demonstranten beklagen Massentierhaltung und wachsenden Preisdruck auf Kleinbauern.

Unter dem Motto "Wir haben es satt" haben Tausende Menschen in Berlin für eine Abkehr von der industriellen Landwirtschaft demonstriert. Anlässlich der Grünen Woche marschierten nach Angaben der Organisatoren rund 25.000 Demonstranten vor das Bundeskanzleramt. Ihr Protest richtete sich unter anderem gegen Massentierhaltung, Pestizid-Einsatz auf den Feldern und einen wachsenden Preisdruck auf Kleinbauern.

Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, forderte neue Weichenstellungen in der Agrarpolitik. Bei der Abschlusskundgebung vor dem Kanzleramt mahnte Weiger, auf der Grünen Woche – der weltgrößten Landwirtschaftsmesse in Berlin – dürfe man sich nicht blenden lassen. "Hinter dem schönen Schein der Messestände verbirgt sich millionenfaches Tierleid."

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) wies die Kritik zurück. "Wer eine Agrarwende fordert, muss sehen, was Deutschland hier schon geleistet hat: Wir sind bei der Ökologisierung der Landwirtschaft weiter als die meisten Staaten Europas", sagte sie.

Landwirtschaftsminister fordern Investitionen in Entwicklungsländer

Im Rahmen der Messe kam Aigner mit rund 80 Kollegen zum Internationalen Agrarministergipfel zusammen, um über Strategien zur globalen Ernährungssicherung und ländlichen Entwicklung durch verantwortliche Investitionen zu beraten.

Aigner und der Generaldirektor des Welternährungsprogramms FAO, José Gaziano da Silva, forderten zum Auftakt stärkere Investitionen in die Landwirtschaft in Entwicklungsländern. Sie seien entscheidend, um Hunger und Armut in der Welt zu bekämpfen, sagten beide. Ziel sei, das Agrar-Potenzial weltweit zu nutzen und zugleich den Umwelt- und Klimaschutz zu berücksichtigen, sagte Aigner. Hunger herrsche vor allem in ländlichen Regionen, viele Betroffene seien Kleinbauern. Deswegen sei die Landwirtschaft der Schlüssel zur Lösung des Problems. Für mehr öffentliche und private Investitionen müssten die Rahmenbedingungen vorhanden sein, etwa politische Stabilität.

Weltweit leiden nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums immer noch rund 870 Millionen Menschen an Hunger und Unterernährung. Berechnungen der FAO zufolge investieren Landwirte in 76 Entwicklungsländern etwa 170 Milliarden Dollar (127 Milliarden Euro) jährlich in die Landwirtschaft. Das seien aber 83 Milliarden Dollar zu wenig, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

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Verdrängung, Unwissenheit und Selbsttäuschung 1

Die Diskussionen um unsere Landwirtschaft findet meist jenseits jeglicher Fakten statt.

Ähnlich wie beim Klimawandel oder bei Peak Oil wollen wir nicht wahrhaben, dass ein weiter so in Zukunft nicht mehr möglich sein wird.

Diese drei Themen befinden sich natürlich auch in einer direkten Wechselwirkung.

Den wenigsten ist klar, dass unsere Nahrungsproduktion und Verarbeitung allein der Zügellosen Ausbeutung fossiler ressourcen geschuldet ist. Für eine Kaolorie Nahrung die wir im Supermarkt erwerben wurden bis zu 10 Kaolrien fossiler Energie verbraucht.

Allein das Haber Bosch Verfahren (zur stickstofferzeugung), die Grundlage der Kunstdüngerproduktion, verbraucht 1% der Weltweiten Primärenergie.

Die Industrielle Landwirtschaft ist der wichtigste abnehmer der Erzeugnisse der chemischen Industrie, die wiederum allein 12% des verfügbaren Erdöls verbraucht.

Die Lagerstädten für Phosphate gehen Weltweit zur Neige. Mineraldünger wird Knapp. Die Zustand der böden ist Katastrophal, die Ackerkrume auf wenige cm zusammengschrumpft.

Die Schäden durch die gigantische Ausbringung von giftigem Roundup auf den Sojafeldern Weltweit, die uns unseren übertriebenen Fleischgenuss sichert, sind immens, während immer mehr Pflanzen Resistenzen entwickeln.

Verdrängung , Unwissenheit und Selbsttäuschung 2

Die Hochleistungsrinderzucht schädigt unser Klima, genau wie der Gigantische Aufwand an eingesetzten Primärenergieträgern Die Landwirtschaft und der Transport von Nahrung verbraucht (je nach Land) 5-10% des Treibstoffes.

Die Klimaschäden durch die Landwirtschaft sind Immens. Die Ausbringung von Giftigen Insektizidcocktails fürt nicht nur zum Bienensterben sondern vergiftet nachhaltig unser Grundwasser. Der Verbrauch von Wasser in Trockengebieten für Feldfrüchte die dann zu uns Importiert werden verursachen Hungerkatastrophen Weltweit.

Die Subventionen in der Agrarindustrie sind der wichtigste grund für die Armut in vielen Ländern der dritten Welt und zementieren die Abhängigkeit vieler Staaten von den "Almosen" der ersten welt die gegenüber der Subventionsmengen peanuts sind.

Kinderarbeit, Sklaverei, Hunger, Landvertreibung, Flüchlingswellen, Kriege usw. können auf dioese Agrarpolitik zurückgeführt werden.

Kurz gefasst, nachhaltige Landwirtschaft hat keine Alternative! Nach einer Studie der TU Weihenstephan, könnten wir durchaus unsere Bevölkerung mittels nachhaltiger Landwirtschaft in unserem eigenen Land ernähren, vorrausgesetzt wir verzichten auf 70% unseres abartigen Fleischkonsums.

Nur weil sie das nicht wollen machen Verdrängen, Leugen und Verhöhnen sie die die offensichtlichen Folgen eines Wahnsinns der droht die Welt in eine Katastrophe zu stürzen.

Zum Fleischkonsum

Ich würde bezweifeln, dass weniger Fleischkonsum zu weniger Hunger führt. Es wäre falsch davon auszugehen, dass die Einsparungen an Tierfutter automatisch den hungernden Menschen zu gute kommt. Es ist dann eher so, dass sich das Angebot der sinkenden Nachfrage anpassen wird.
Wenn man sich anschaut, wer bei einer "normalen" Hungersnot (d.h. wenn es nicht gerade ein Kriegszustand im Land etc. herrscht) betroffen ist, stellt man fest, dass es zu größten Teil in der Landwirtschaft beschäftigte Menschen sind. Das ist nicht weiter verwunderlich. Fällt z.B. durch eine Dürre die Ernte aus, haben diese Menschen keinen Einkommen, wobei sie aber auch weiter Verpflichtungen haben können. In der Folge können sie sich schlicht keine Lebensmittel leisten. Da ist es egal, dass es vielleicht im selben Land an anderer Stelle Rekordernten gibt. Nun wird es immer passieren, dass durch Dürren Ernten zerstört werden. Wenn man nicht die ganze Zeit großflächig Transferzahlungen leisten will, hilft nur die Etablierung einer modernen Landwirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen in anderen Bereichen, damit eine Region nicht zu stark vom primären Sektor abhängig ist. Verbunden ist dies auch mit einer Erhöhung des Bildungsstandes. Das löst in übrigen auch das "Problem" der Bevöhlkerungswachstum, weil eine besser gebildete Bevöhlkerung weniger Knder bekommt.