Debatte über Kanzlergehalt"Steinbrück hat die Wähler gekränkt"
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"Der Wähler fühlt sich zu mütterlichen Gestalten hingezogen"

ZEIT ONLINE: Wird Steinbrücks Popularität jetzt sinken?

Grünewald: Schwer zu sagen. Steinbrück hat zumindest gezeigt, dass er kein Fingerspitzengefühl hat. Er hat gegen ein Mentalitätstabu verstoßen und erweckt den Eindruck – auch in der Debatte um seine Vortragshonorare – dass es ihm vor allem um Geld geht. Das schadet ihm. Gewählt wird ein Politiker eben nicht wegen seines Geldhungers, sondern wegen seiner fürsorglichen Qualitäten.

ZEIT ONLINE: Deswegen führt Angela Merkel sämtliche Umfragen an.

Grünewald: Ja. Angesichts der Krise fühlen sich die Wähler eher zu den mütterlichen Gestalten hingezogen, zu Hannelore Kraft in Nordrhein-Westfalen oder eben zu der Kanzlerin. Sie stehen für Verlässlichkeit. Die väterlichen Gestalten, egal ob der frühere Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg oder die Ex-Präsidenten Horst Köhler und Christian Wulff, haben auf breiter Linie enttäuscht. Hier ordnet sich Steinbrück jetzt ein.

ZEIT ONLINE: Ist der Wähler nicht ein wenig zu anspruchsvoll und verlangt vom politischen Spitzenpersonal etwas, das gar nicht leistbar ist?

Grünewald: Der Wähler ist eben von unbewussten Wünschen und Sehnsüchten getragen. Jeder wünscht sich doch einen Bundeskanzler, der absolut verlässlich ist und nur das Wohl des Wählers im Blick hat. Der bis zur Selbstaufopferung kämpft. Gerade deswegen hat der Finanzminister Wolfgang Schäuble auch so hohe Beliebtheitswerte. Trotz Behinderung scheut er sich nicht, an die Grenzen seiner Kraft zu gehen.

ZEIT ONLINE: Was empfiehlt der Psychologe Grünewald dem Kanzlerkandidaten Steinbrück?

Grünewald: Wenn er noch eine Chance haben will, darf er nicht mehr den Eindruck erwecken, dass es ihm persönlich nur ums Geld geht. Stattdessen muss er für das Geld der Bürger kämpfen. Steinbrück hatte seine stärkste Stunde, als er während der Finanzkrise an der Seite der Bundeskanzlerin garantiert hat, dass die Spareinlagen der Deutschen sicher seien. Da hat er gezeigt: Er sorgt dafür, dass dem Wähler nichts Schlimmes passiert. Steinbrück muss zeigen, dass er jemand ist, der fürsorglich ist, der bereit ist, sich wie Schäuble für den Staat aufzuopfern. Er muss eine verlässliche Linie zeigen, sonst hat er kaum Chancen. Wahlkampf ist wie Boxkampf und in der ersten Runde hat es Steinbrück jetzt umgehauen.

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Leserkommentare
    • Zelenka
    • 03. Januar 2013 15:07 Uhr

    Ich erwarte von jedem Menschen, der sich als gewählter Mandatsträger (egal ob Politiker, Pfarrer oder Vereinsvorsitzender) für das Gemeinwohl einsetzen soll eine gehörige Portion Idealismus. Und gerade nicht eine Spitzen-Bezahlungsmentalität...

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    Da es für Steinbrück nicht leicht sein wird, irgendwo - (wo immer auch!) - als Sparkassen-Direktor unterzukommen, er aber bitte einen schlecht-bezahlten Kanzler-Job nicht machen sollte, wird er wohl wieder seiner halbwegs fair entlohnten Redner-Tätigkeit nachgehen müssen ...!

    Und das wäre dann gut für Deutschland,
    gut für Steinbrück!

  1. Arme Presse, permanent dieses Thema hochzuziehen, wer pro Rede ca. 15 tsd € bekommt und in 2 J damit Millionär geworden ist,
    bewirbt sich also zum schlecht bezahlten Kanzler;

    demnächst heißt es wahrscheinlich: bestimmt nur weil es bei Southstream noch ein Aufsichtsratspöstchen gibt, dessen Zentrale selbstverständlich gleich auf den Caymans liegt.

    Nivellierten Mittelstandsgesellschaft?; die immer mehr zum gehobenen ``BÜRGERTUM`` wird, weil deren Rest in Richtung Unterschicht wandert, orientiert sich also an einem Ideal von ``Politikern`` und ähnlichen Mitmenschen?

    Auf wen trifft das eigentlich zu?

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  2. <em>"Der Wähler erwarte von Politikern vor allem bedingungslose Selbstaufopferung."</em>

    Das stimmt nicht!
    Da wird wieder versucht den Wähler als kleines, naives unmündiges Kind darzustellen, dass es einfach nicht verstehen kann das Mama oder Papa auch noch andere Interessen haben als sich mit ihm zu beschäftigen.

    Der Wähler erwartet einen integren, wahrhaftigen und vom Verdacht der Korruption freien Kandidaten.
    Einen der zu seinen Fehlern steht und sich nicht ständig selbstbeweihräuchert und das Volk lediglich als Verfügungsmasse wahrnimmt, sondern als Souverän dem er dienen darf!

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    Kandidaten vor allem eins, neben den von Ihnen geschilderten Eigenschaften, nämlich POSITIONEN - und da läßt Herr Steinbrück etwas elementares vermissen, er hat nämlich keine.
    Man kann und sollte seine Aussagen der letzten 10 - 15 Jahre noch einmal durchlesen, dann stellt sich schnell heraus, wie 'sozial' und 'sozialdemokratisch' seine früheren Handlungen waren - man nehme nur die Agenda 2010.
    Herr Steinbrück hält wie so viele andere Politiker den Wähler für dumm und vergeßlich und meint, alle müßten auf seine Schlagworte (konzipiert nur zur Bundestagswahl) hereinfallen - da irrt er sich aber.
    Schon der gestiegene Anteil der Nichtwähler, von denen niemand weiß, was sie denken, zeigt, daß die Menschen einfach dieser Art der Politik überdrüssig sind.

    • beat126
    • 03. Januar 2013 17:00 Uhr

    Wenn Sie den Namen eines solchen von Ihnen zitierten Menschen in der Deutschen Bundes-Politik nennen könnten, wäre ich Ihnen sehr dankbar.

    • Baradin
    • 03. Januar 2013 17:47 Uhr

    Sie erwarten keine Selbstaufopferung, sondern Politiker, die sich so sehen: "sondern als Souverän dem er dienen darf!" Sie wollen also Diener, quasi Lakaien.

    Interessant. Ich glaube, der Artikel hat Recht. Und sie haben ihm Futter gegeben.

  3. zeigt also, wie sich Steinbrück besser verkaufen sollte - leider ist nicht die Rede davon, daß Herr Steinbrück seine Position zur Kanzlerbezahlung ändern sollte.
    Hier soll nur optisch getüncht werden - als Wähler ist mir aber allemal lieber, daß der Kandidat die Wahrheit sagt; insofern muß man Steinbrück wirklich dankbar sein, daß er schon vor der Wahl gezeigt hat, wer unwählbar ist.

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    dass ein Teil der Wähler Äußerungen zur Kanzlerin-Entlohnung oder hohe Honorare für Vorträge als Disqualifizierung und deshalb den SPD Kandidaten negativ sieht. Die Presse hilft dabei auch fleißig mit immer neuen Aufgüssen des ausgelutschten Themas.

    Im Wahlkampf wird es aber letztendlich um die (aus meiner Sicht unterirdische) Leistung der schwarz/gelben Koalition gehen und was die Wähler an Veränderung wollen. Ich finde es gut, dass die SPD sich nicht beirren lässt – sie hat noch genügend Zeit, das zu thematisieren und die Ein-Mann-Regierung A. Merkel „liefert“ ja weiterhin für diese Diskussion.

    • GDH
    • 03. Januar 2013 18:19 Uhr

    Zum Glück wählen wir in Deutschland das Parlament und nicht die Regierung.

    [...]
    Traurig finde ich eher, dass viele Wähler versuchen ihr Kreuzchen bei einem Kanzlerkandidaten zu machen anstatt (wie es nunmal die Verantwortung des Wählers ist) bei einer Landesliste und einem Direktkandidaten. Das Ergebnis ist dann natürlich ein Wahlkampf, in dem es um irgenwelche Details aus dem Leben von Kanzlerkandidaten geht und weniger darum, wie die Gesetze (die das zu wählende Parlament verabschiedet) in unserem Land sein sollen.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au

    Ja so ist es und wo ist nun das Problem ?

    H.Steinbrück hat auf eine Frage geantwortet dass das Amt des Bundeskanzlers seiner Meinung nach, im Vergleich zur Wirtschaft, wo Leute mit viel weniger Verantwortung viel mehr Geld bekommen, zu niedrig ist - Punkt
    Und damit hat er Recht !

    Er hat nie gesagt, dass er nun mehr Geld haben wollte wenn er denn nun BK werden sollte !
    Aber so wurde es auch hier bei der Zeit schon in allen Diskussionsforen oft dargestellt.
    Also muss man es diesen leuten offenbar noch einmal erklären.

  4. "bedingungslose Selbstaufopferung",
    sondern Korrektheit und Glaubwürdigkeit.

    Daran mangelt es!

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    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

    Sie haben völlig Recht: Was die Wähler erwarten ist keine "Selbstaufopferung",
    dafür einige Grundeigenschaften, die ein Regierungschef unbedingt mitbringen sollte: Glaubwürdigkeit, seriöses, weltgewandtes Auftreten, Freude am politischen Gestalten, Entscheidungsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen und Korrektes Verhalten.

    SPD-Kandidadat Steinbrück "scheint so programmiert, dass er nur der sein kann, der er eben gerade ist. Manch einer nennt das authentisch oder echt. Aber auch an einer klaren Kante kann man sich den Kopf blutig stoßen, wenn man immer und immer wieder auf dieselbe Stelle knallt...
    Übrigens, Angela Merkel hat weder einen Frauenbonus, schon gar nicht einen "Mutterbonus". Frauen (und Mütter) wählen sogar gerne Männer (und Väter) wenn sie nicht gerade ein selbstverliebtes Verhalten an den Tag legen und uns nicht als Wählerklientel sehen, sondern unsere Lebenssituationen ernst nehmen.
    Angela Merkel hat einen entscheidenden Vorteil: Ihr ist jedes Gegockel der politischen Männerkaste fremd...
    http://www.tagesspiegel.de/meinung/kanzlerkandidat-steinbrueck-hat-sich-...

    (Das ist mein ersatzweiser Meinungsbeitrag diesmal aus einem Fremdtext,leicht modifiziert - in Ermangelung eigener "sachlicher" kritischer Würdigungsfähigkeit am "Experten"-Artikel lt.Redaktion)

  5. wenn man politisch interessiert ist in diesem Lande, und sich durch all den nebensächlichen Käse durchkämpfen muss, mit dem angebliche "Qualitätsblätter" den Platz für jene politsche Analyse verschwenden, die sie auf diese Weise zugleich geschickt vermeiden.

    19 Leserempfehlungen
  6. Kandidaten vor allem eins, neben den von Ihnen geschilderten Eigenschaften, nämlich POSITIONEN - und da läßt Herr Steinbrück etwas elementares vermissen, er hat nämlich keine.
    Man kann und sollte seine Aussagen der letzten 10 - 15 Jahre noch einmal durchlesen, dann stellt sich schnell heraus, wie 'sozial' und 'sozialdemokratisch' seine früheren Handlungen waren - man nehme nur die Agenda 2010.
    Herr Steinbrück hält wie so viele andere Politiker den Wähler für dumm und vergeßlich und meint, alle müßten auf seine Schlagworte (konzipiert nur zur Bundestagswahl) hereinfallen - da irrt er sich aber.
    Schon der gestiegene Anteil der Nichtwähler, von denen niemand weiß, was sie denken, zeigt, daß die Menschen einfach dieser Art der Politik überdrüssig sind.

    12 Leserempfehlungen
    • Dolferl
    • 03. Januar 2013 15:20 Uhr
    8. [...]

    Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au

    6 Leserempfehlungen
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    • Dolferl
    • 03. Januar 2013 16:52 Uhr

    Meiner Meinung nach sollte jeder Politiker,egal von welcher Partei, seinem Auftrag im Namen des Volkes nach besten Wissen nachkommen.
    Dafür wird er gewählt und auch vom Volk bezahlt! Leider hat man in den vergangenen Jahren eher den Eindruck das es nur noch um persönlichen Eitelkeiten und Bereicherung geht.
    Sicher gilt das nicht fūr alle die im politischen Betrieb tätig sind
    , aber ich bin mittlerweile davon ūberzeugt das die Mehrheit unserer Volksvertreter genau so Tickt.
    Da wird getäuscht,gelogen und sogar offen betrogen.Beispiele muß man da ja wirklich nicht mehr nennen.
    Und jetzt will einer Kanzlerkandidat werden, hat sich unbedacht die eine oder andere Äußerung im Interview entlocken lassen und schon wird er nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen.
    Dann erscheint sogar ein Interview mit einem Psychologen der jetzt der gemeinen Leserschaft den großen Erklärer gibt und heraus kommt eine Mischung aus Vater Mutter Neiddebatte und der Befindlichkeit eines 80 Millionen Volkes?
    Und deswegen schreibe ich nochmals: Geht's noch?
    Wenn die Welt so einfach zu erklären wäre....dann wäre ich wohl schon lange König von Deutschland......

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