Griechischer Wirtschaftsminister"Wir wollen die Troika nicht an der Nase herumführen"

Griechenlands Wirtschaftsminister Kostis Hatzidakis sagt: 2013 wird ein Wendejahr. Die Privatisierungen im Land werden gelingen, sogar die Steuern sollen bald sinken. von Ferry Batzoglou

ZEIT ONLINE: Herr Minister, Sie sind inzwischen Griechenlands fünfter Wirtschaftsminister seit Ausbruch der Krise im Frühjahr Jahr 2010. Das Land steckt noch immer in einer tiefen Rezession. Die Menschen sind aufgebracht, Sie wurden gar auf der Straße attackiert. Macht Ihnen die Arbeit noch Spaß?

Kostis Hatzidakis: Es ist überhaupt nicht erfreulich, derzeit griechischer Wirtschaftsminister zu sein. Wir stecken im sechsten Jahr der Rezession. Das ist aber noch unerfreulicher für die Bürger dieses Landes, die das am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Ich sehe jedoch erste zarte Anzeichen dafür, dass dieses Jahr die Wende sein wird. Das wird aber nicht mit Wundern geschehen.

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ZEIT ONLINE: Einer Ihrer Vorgänger erklärte, die Griechen führen einen "Krieg gegen die Rezession".

Hatzidakis: Das ist der Krieg unserer Generation. Wir müssen ihn gewinnen. Es ist Zeit, dass wir nun endlich positiv überraschen.

ZEIT ONLINE: Wie wollen Sie das schaffen?

Kostis Hatzidakis
Kostis Hatzidakis

ist Minister für wirtschaftliche Entwicklung in Griechenland und Mitglied der Partei Neue Demokratie. Zuvor war er 13 Jahre lang Abgeordneter im EU-Parlament. 2010 wurde er von aufgebrachten Bürgern attackiert. Die Bilder von Hatzidakis mit blutendem Kopf gingen um die Welt.

Hatzidakis: Mit gesundem Menschenverstand, Kooperation mit unseren europäischen Partnern und Beharrlichkeit. Wir wollen den Sparkurs fortsetzen, um die Staatsfinanzen zu konsolidieren, die Reformen vorantreiben und auf jeden Fall die politische Stabilität im Lande sichern.

ZEIT ONLINE: Und die Korruptionsbekämpfung?

Hatzidakis: Wir gehen gegen die Korruption vor. In jüngster Zeit sind Politiker und Unternehmer sogar hinter Gitter gewandert. Ich kann auf keinen Fall den Vorwurf akzeptieren, dass früher in Griechenland alles schief gelaufen sei. Es gibt Dinge, die bereits geändert worden sind und andere, die noch geändert werden müssen. Aber es gibt auch Dinge, die in diesem Land funktionieren.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel?

Hatzidakis: Im Ausland herrscht die weitverbreitete Auffassung, dass Griechenland nicht die bereitgestellten Gelder aus den europäischen EU-Fördertöpfen abruft. Das ist falsch. Wir liegen dabei über dem europäischen Durchschnitt. Wer das Gegenteil behauptet, soll das beweisen. Oder nehmen Sie das Transportwesen, das völlig liberalisiert worden ist. Wir haben ferner den Arbeitsmarkt reformiert. Wir kooperieren obendrein mit der Weltbank und der OECD, um Griechenlands Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

ZEIT ONLINE: Glaubt man der Regierung, ist der Ausstieg Griechenlands aus dem Euro kein Thema mehr. Lockt Griechenland wieder Investoren aus dem Ausland an?

Hatzidakis: Großunternehmen aus dem Ausland entscheiden sich für Griechenland. Hewlett Packard will den Hafen von Piräus benutzen, um seine Produkte in Europa zu vertreiben. Philip Morris will hier investieren, Unilever will hier Produkte herstellen. Nach fünf Jahren Rezession und der Herabsenkung von Löhnen und Gehältern bietet die Krise eine Chance für Investoren.

ZEIT ONLINE: Auf der anderen Seite verlegen einheimische Firmen wie der Coca-Cola-Abfüller Cch oder die Molkerei Fage ihre Firmensitze ins Ausland. 26 der an der Athener Aktienbörse notierten Unternehmen haben Insolvenz angemeldet.

Hatzidakis: Ich gebe mich keinen Illusionen hin. Das sind die Folgen der Turbulenzen in der Krise.

ZEIT ONLINE: Russische Firmen wollen in die Energiebranche einsteigen. Chinesen halten Anteile am Hafen von Piräus. Gibt es Vorbehalte Athens gegenüber solchen Investoren?

Hatzidakis: Das ist nicht die Sache der Athener Regierung, sondern der Privatisierungsbehörde Taiped. Da gibt es klare Regularien, die mit der Troika festgeschrieben worden sind. Ferner hat die Troika zwei Vertreter in Taiped sitzen. Lassen Sie mich aber Folgendes betonen: Deutsche und generell europäische Unternehmen sind hoch willkommen, in Griechenland zu investieren – das müssen sie aber auch wollen. Wir werden keine Interessenten vorab ausschließen.

Leserkommentare
    • Centime
    • 18. Januar 2013 20:16 Uhr

    Ihren Kommentar ist nichts mehr entgegenzusetzen.
    Es wird genau so kommen.

    Es kam schon immer in jeden Land so wo der IWF eingriff.
    Wer in Europa hatte den IWF auf alle Faelle mit hinzugezogen und ihn gerufen?

  1. 18. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/ls

  2. Er sagt: "Wir wollen die Troika nicht an der Nase herumführen"

    Er sollte sagen: "Wir werden die Troika..."

    Die Differenz sind, schätze ich, für Deutschland nochmal ca. 12Milliarden (für den Geniesser: 12.000.000.000) Euro Mehrkosten - defensiv geschätzt.

    Drunter machen die nichts mehr. Ist 'ne schöne glatte Summe, läßt sich prima abbuchen.

  3. Wie weit ist denn Griechenland mit der Verkleinerung seines monströsen Staatsdienstes gekommen? Keine griechische Partei will da ran, es werden nicht einmal nachweislich korrupte und bestechliche Beamte entlassen. Die Hilfszahlungen sollten ausgesetzt werden, bis die Hellenen endlich dieses Riesenproblem gelöst haben. Immerhin kostet der Staatsdienst die Griechen die Hälfte ihrer Einnahmen.

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