Die neue japanische Regierung hat angekündigt, Anleihen des Euro-Rettungsfonds ESM zu kaufen. Damit will Japan die Finanzstabilität in Europa absichern, aber vor allem ihr Wahlkampfversprechen erfüllen, die eigene Währung zu schwächen.

Finanzminister Taro Aso sagte, die ESM-Anleihekäufe würden helfen, viele Währungen zu stabilisieren, darunter den Euro und den Yen. Unter Experten gilt es als unstrittig, dass das Ziel aber letztlich in einer Schwächung des Yen besteht. Die erste Bond-Auktion des ESM seit dessen Start im vergangenen Oktober wird gegen Mittag erwartet.

Die Notwendigkeit einer Währungsabschwächung ergibt sich für die japanische Regierung aus der exportorientierten Wirtschaft des Landes. Trotz leichter Kursverluste in den vergangenen Wochen tendiert der Yen zu vielen wichtigen Währungen immer noch sehr fest. Für den Export Japans stellt dies eine Belastung dar, weil japanische Waren auf dem Weltmarkt teurer werden. Zusätzlich belastet wird die japanische Wirtschaft durch den Inselstreit mit China, weil chinesische Abnehmer zahlreiche japanische Waren boykottieren.

Fremdwährungen sollen Kauf finanzieren

Nach Angaben von Finanzminister Aso sollen zur Finanzierung der ESM-Anleihekäufe nicht japanische Yen, sondern die Fremdwährungsbestände des Landes genutzt werden. Die Regierung könnte damit internationaler Kritik vorbeugen: Direkte Interventionen an den Devisenmärkten durch Staaten gelten als unzulässige Einmischung und könnten sogar Gegenmaßnahmen anderer Regierungen provozieren.

Dass der relativ stabile Yen eine Belastung für die japanische Wirtschaft ist, zeigte auch das Börsenergebnis am Dienstag: Infolge negativer Vorgaben der Wall Street und einer Festigung des Yen zum Dollar schlossen die Börsen schwach. Der Nikkei-Index notierte zum Handelsende einen Abschlag von 90,95 Punkten oder 0,86 Prozent beim Stand von 10.508,06 Punkten. Der breit gefasste Topix büßte um 9,18 Punkte oder 1,04 Prozent auf 871,88 Zähler ein.