Geldpolitik : Japans große Schuldenwette
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Zentralbank kauft weitere Staatsanleihen

Sicher ist dagegen, dass sich Japans Schuldenlage weiter verschlechtern wird. Das Land ist bereits mit rund 240 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet und finanziert seinen Staatshaushalt fast zur Hälfte durch neue Schulden. Mehrere Ökonomen erwarten, dass die bisher verblüffend geringen Zinsen auf japanische Staatsanleihen in den kommenden Jahren stark ansteigen dürften, sofern die Neuverschuldung nicht schnellstmöglich reduziert wird.

Aus diesem Grund hatte die Mitte Dezember abgewählte Regierung der DPJ eine Erhöhung der Konsumsteuer von derzeit fünf auf zunächst zehn Prozent durchgesetzt. Allerdings beharrte unter anderem die nun regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) darauf, dass dieser Schritt nur dann gemacht wird, wenn die Wirtschaft bis Mitte dieses Jahres eine "positive Entwicklung" aufzeige. Angesichts der Rezession ist das Projekt in akuter Gefahr. Da Japans Bürger zudem im Juni die Hälfte des Oberhauses seines Zwei-Kammern-Parlaments wählen, schreckt die LDP vor der unbeliebten Steuererhöhung womöglich zurück.

Die Finanzierung des neuen Ausgabenprogramms soll dagegen auf eine Weise erfolgen, die das Land gewohnt ist. Finanzminister Taro Aso hat angekündigt, weitere Staatsanleihen auszugeben. Mit der Bank of Japan steht auch schon ein Käufer dieser Papiere bereit.

Allerdings birgt diese aggressive Wachstumspolitik Gefahren: Wird der wachsende Schuldenberg zu immer größeren Anteilen von der Zentralbank finanziert, dürfte das Vertrauen in Japans Wirtschaft und dessen Währung irgendwann nachlassen. Bei einem allzu stark fallenden Yen könnte der anfängliche Erfolg von Shinzo Abe auch in einer Katastrophe enden.

Anmerkung: Im Text war der Wechselkurs Dollar/Yen zunächst falsch angegeben. Wir haben den Fehler korrigiert.

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