GeldpolitikJapans große Schuldenwette

Mit einem großen Konjunkturprogramm zwingt Japans Regierung die eigene Notenbank zum Geld drucken. Das kann gewaltig schief gehen. von 

Kaum war Shinzo Abe vor einem knappen Monat Ministerpräsident geworden, sank der Yen schon auf seinen tiefsten Wert seit 21 Monaten. Für den rechtskonservativen Politiker war das ein erstes Zeichen des Erfolgs: Seinen Wahlkampf hatte Abe damit bestritten, Japans Währung schwächen zu wollen, um die Exportwirtschaft zu unterstützen. Das Land müsse endlich der nunmehr zwei Jahrzehnte andauernden Deflation entkommen, die durch einen zu starken Yen begünstigt wird.

Am Montag – nur wenige Stunden bevor die japanische Zentralbank schließlich am heutigen Dienstag ihre heiß erwartete neue Geldpolitik vorstellte – fiel der Yen sogar auf ein zwischenzeitliches Zweieinhalbjahrestief. Ein Dollar stieg auf 89,61 Yen, das entspricht einem Kursverfall des Yen von zwölf Prozent in nur drei Monaten. Für Shinzo Abe folgte nun eine weitere gute Nachricht. Die zumindest gesetzlich unabhängige Zentralbank ist seinem ausdrücklichen Ruf nach einem Inflationsziel von zwei Prozent gefolgt. Und bis dieses Ziel erreicht ist, wird die Notenbank uneingeschränkt japanische Staatsanleihen kaufen. Das gab die Bank of Japan am Dienstag nach ihrem zweitägigen Treffen bekannt.

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Mit aller Kraft versucht die neue japanische Regierung seit ihrem Amtsantritt, die Konsum- und Investitionsfreude der Japaner zu beleben. Eine extrem lockere Geldpolitik, welche die schon lockere Handhabe der Vorgängerregierung sogar überbietet, ist nur eine von mehreren Maßnahmen. Vor einer Woche wurde auch das größte Konjunkturprogramm seit 2009 verabschiedet. 20,2 Billionen Yen (169 Milliarden Euro), mehr als die Hälfte der jährlichen Wirtschaftskraft Österreichs, soll schnellstmöglich in die Wirtschaft gesteckt werden.

Konjunkturelles Strohfeuer

Ein Großteil davon ist für den Wiederaufbau jener Gebiete gedacht, die im März 2011 vom Tsunami und der folgenden Nuklearkatastrophe zerstört wurden. Außerdem will die Regierung neue Technologien fördern, die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen mit Finanzhilfen stärken, die Beschäftigung ankurbeln und das Militärbudget erhöhen.

Doch wie die expansive Geldpolitik sind auch groß angelegte Konjunkturprogramme nichts Neues in Japan. Noch Ende vergangenen Jahres verabschiedete die alte Regierung der Demokratischen Partei Japans (DPJ) Zusatzausgaben von rund 16 Milliarden Euro. Aber anstatt der Wirtschaft wie erhofft zu 80.000 neuen Arbeitsplätzen zu verhelfen, befindet sich das Land derzeit erneut in einer Rezession. Auch nach dem Reaktorunglück 2011 gab es ein großes Konjunkturprogramm, das allerdings nur kurzfristig einen Wachstumsschub brachte.

Das aktuell beschlossene Programm ist so riesig, dass die meisten Ökonomen von einer unmittelbaren Belebung der Konjunktur ausgehen. Der Boom aber dürfte wieder von kurzer Dauer sein. Sobald die Projekte abgeschlossen sind, lassen die positiven Effekte auf andere Wirtschaftsbereiche meist rasch nach.

Leserkommentare
    • Erkos
    • 22. Januar 2013 12:41 Uhr

    Gemeint war wohl: "Für einen Dollar mussten 89,61 Yen aufgebracht werden." Das Wörtchen "nur" impliziert dagegen, dass der Yen stärker wäre, wenn z.B. ein Dollar 100 Yen wert wäre.
    Ist schon manchmal verflixt!

    Antwort auf "Fehlerkorrektur"
  1. Noch besser waere: "100 Yen waren nur noch 1.12 Dollar."

  2. Das ganze System wandert dorthin (sei es in China, USA, oder Europa). Es war durch die strukturelle systemimmanente Vorgänge (Konzernbildungen, einseitige Vermögensbildungen) nicht abwendbar.

    Wir haben schon seit Jahrtausenden diese Systeme gehabt. Und wie immer bricht dieses System auseinnander. Die Folgen waren schon immer verherrend.

    3 Leserempfehlungen
  3. Wirtschaftliche Entwicklungen und währungspolitische Effekte mit den Maßstäben hergebrachter Nationalökonomie messen zu wöllen, geht seit Jahren schief.
    Kaum eine Wissenschaft ist vergleichbar entzaubert worden. Weder Analysen noch Prognosen konnten die bestehende Situation auch nur ansatzweise treffend beschreiben.
    Da hat sich im Zuge der Globalisierung und der Flutwelle von Anlageprodukten ein praktischer Umgang mit nichts substanzgedecktem Geld etabliert, der sich herkömmlicher Bewertungen entzieht.
    Bin gespannt, wann das endlich einer merkt und das ganze System neu gedacht wird.

    4 Leserempfehlungen
    • genius1
    • 22. Januar 2013 14:05 Uhr

    100 Billionen Staatsschulden zu 1% Zinsen.

    1 Billion Steuereinnahmen des Staates.

    Spiel ist zu Ende!

    Würde eine höhere Inflation als angenommene 2%, zum Beispiel 10%, für eine Verbesserung der Verschuldungssituation eines Staates führen? Genauer: Funktioniert das Weg-Inflationieren von Schulden?

    Das Weg-inflationieren für eher zu einer Verringerung bei der Massenkaufkraft, mit Eintrübungen bei der Binnenwirtschaft!

    Ich Befürchte: Ohne höhere Steuereinnahmen von 1 Billion, wie im obigen Rechenbeispiel, wird es nicht zu einer Verringerung von Staatsschulden kommen!

    Zur Zeit gehen in Japan etwa 40% der Jahressteuereinnahmen für Zinszahlungen drauf.

    Es ist nun mal So, das das Geld von Arm nach Reich wandert. Dies gilt auch für alle Konjunkturprogramme von Seiten der Staaten. Deswegen Verpuffen auch alle Konjunkturprogramme in aller Regelmäßigkeit, nach einiger Zeit.

    Und wie werden Konjunkturprogramme von Staaten finanziert? Durch Steuerverzicht oder höhere Schuldenaufnahme!

    Sehen so Lösungen aus?

    2 Leserempfehlungen
    • Moika
    • 22. Januar 2013 14:13 Uhr

    Zitat: "Warum sollte das Vertrauen (im Inland, im Ausland) in die Wirtschaft nachlassen, wenn die Schulden steigen?"

    Daß die Gesamtverschuldung des jap. Staates gemessen am BIP prozentual das 3fache der Deutschen ausmacht, ist Ihnen vielleicht klar. Sicher, rund 85 Prozent der Schulden wurden von Japanern selbst gehalten - vor allem als Vorsorge und spätere Rente. Die Alterspyramide der japan. Bevölkerung ist Ihnen Bekannt? Dann werden Sie auch wissen, daß die bald Kasse machen wollen, um im Alter versorgt zu sein.

    Wo wird der Staat das Geld hernehmen, um diese Forderungen auszugleichen? Richtig, er macht weitere Schulden. Und Sie glauben, das geht bis in alle Ewigkeit so weiter. Gott erhalte Ihnen Ihre Naivität.

    Zitat. " Japan könnte sich problemlos entschulden, wenn es die innländischen Gläubiger schröpfen würde...."

    Klar, Sie würden den Bürgern vermutlich bedenkenlos deren Renten stehlen - denn auf nichts anderes läuft Ihr Spruch hinaus.

    Daß die Märkte in Japan weitestgehend gesättigt sind und den Menschen das Geld nicht mehr so locker in der Tasche steckt, ist seit Jahren Ausdruck genau dieser Deflation. Nur haben das die jap. Regierung und Sie noch nicht bemerkt.

    Zitat: "Das ist bloses Bauchgefühl ohne Begründung."

    Erhalten Sie sich Ihre Ahnungslosigkeit.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Warum?"
    • Moika
    • 22. Januar 2013 14:21 Uhr

    Zitat: "Sorry, der Autor kommt offensichtlich frisch von der Uni (or something like it) und ist Master of Public Policy:"... ...."Wie soll der es besser wissen, wenn auch Jens Weidmann keine Ahnung hat und den Schritt der BOJ kritisiert."

    Wie gut zu wissen, daß es wenigstens Sie gibt.

    Entschuldigung, aber soviel Nonnsens habe ich lange nicht mehr gelesen.

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    Antwort auf "Frisch von der Schule"
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    "Entschuldigung, aber soviel Nonnsens habe ich lange nicht mehr gelesen."

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