WirtschaftskriseJapan kündigt gewaltiges Konjunkturpaket an

Mit umgerechnet 173 Milliarden Euro will der neue japanische Regierungschef Abe unter anderem die Tsunami-Region wieder aufbauen. Finanziert werden soll es über Schulden.

Japans Premierminister Shinzo Abe

Japans Premierminister Shinzo Abe  |  © EPA/Frank Robichon/dpa

Mit der größten Konjunkturhilfe seit Jahren will die neue japanische Regierung die Wirtschaft aus der Rezession holen. Das Kabinett beschloss ein Paket im Volumen von umgerechnet 173 Milliarden Euro. Die Maßnahme soll das Bruttoinlandsprodukt um zwei Prozentpunkte anheben und 600.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

"Wir müssen dem Schrumpfen der Wirtschaft ein Ende bereiten", sagte der rechtskonservative Regierungschef Shinzo Abe. Er und seine Partei LDP waren im Dezember nach drei Jahren Opposition an die Macht zurückgekehrt. Abe versprach einen "Raketenstart".

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Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt war im dritten Quartal des vergangenen Jahres erneut in eine Rezession gerutscht. Schon im Jahr 2011 sank die japanische Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozentpunkte. Die Wirtschaft leidet unter der seit Jahren andauernden Deflation mit stetig fallenden Preisen und der hohen Bewertung des Yen.

Regierung will ungünstige Wechselkurse ausgleichen

Umgerechnet 35 Milliarden Euro will die Regierung für den Wiederaufbau der Tsunami-Region im Nordosten des Landes ausgeben. Es sollen Tunnel, Brücken und andere veraltete Infrastruktur erneuert werden.

Mit 30 Milliarden Euro sollen Unternehmen bei der Expansion ins Ausland unterstützt werden, etwa um die für japanische Firmen ungünstigen Wechselkurse auszugleichen. Besonders gefördert werden sollen die Forschung und Entwicklung in Bereichen wie Energie, Landwirtschaft und Gesundheit.

Führende Wirtschaftsvertreter begrüßten das zügige Vorgehen Abes. Auch an den Börsen wurde die Nachricht positiv aufgenommen: Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stieg auf den höchsten Stand seit 23 Monaten und schloss bei 10.801,57 Punkten, ein Plus zum Vortag von 1,40 Prozent. Der Yen gab zum Dollar deutlich nach, was Japans Exportwirtschaft entlastet.

Neue Anleihen zur Finanzierung

Ungeachtet der enormen Staatsverschuldung wird die Regierung neue Anleihen zur Finanzierung des Konjunkturpakets auflegen. Vorgesehen ist ein gewaltiger Nachtragshaushalt. Rund die Hälfte des Pakets entfällt auf Ausgaben der Zentralregierung, der Rest auf die Regionen und Privatinvestitionen.

Kritiker warnen davor, dass Japans Zahlungsfähigkeit infolge der hohen Schulden deutlich negativer bewertet werden könnte. Der Staat müsste dann höhere Zinsen für die weitere Schuldenaufnahme zahlen. Die Regierung fordert zugleich, dass die Zentralbank die staatlichen Maßnahmen durch eine lockere Geldpolitik flankiert.

Manche Ökonomen bezweifeln jedoch, dass das Paket eine nachhaltige Wirkung haben wird. Nötig seien Strukturreformen, dazu zählen sie auch Deregulierungen im Gesundheitswesen und im Energiebereich.

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Leserkommentare
  1. Ein Wirtschaftprogramm dieser Höhe in Japan muß auf Kosten irgend jemanden anderen gehen. Schliesslich stehen alle Länder irgendwie in Konkurrenz.

    Also wird uns der Spaß auch was kosten. Wenn kein Geld, dann Arbeitsplätze. Das ist ein blödes Spiel.

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    von verstrahltem gebiet zu sprechen...
    das merkt an spätestens, wenn man beide regionen vergleicht...

    • Gerry10
    • 11. Januar 2013 11:23 Uhr

    ...denn sollte Japan damit Erfolg haben - und zugegeben, dass muss sich erst mal zeigen - ist dieser Plan genau das Gegenteil von dem was man in Europa gerade macht.
    Tja, ich weis im Moment nicht ob ich den Japanern da viel Glück wünschen soll oder nicht...

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    in Japan seit dem Crash Anfang der 90er?

    Das 10te oder so dürfte es inzwischen sein.
    Ich sehe eigentlich keinen Grund warum es mehr bruingen sollte als die ganzen Vorgänger

    So richtig brechend erfolgreich war Japan eigentlich nicht in der letzten Zeit mit den staatlichen Paketen zur Anfeuerung der Wirtschaft.

    Es kommt eines erschwerend hinzu: mit den Konzessionen an den Neonationalismus hat die Regierung Noda ohne rechte Not einen großen Teil des Ansatzmarktes für japanische Waren in Asien versenkt: China.

    Seit dem Griff nach den Diaoyu-Inseln muss man als Chinese den Kauf japanischer Produkte vor Verwandten und Nachbarn (Auto!) rechtfertigen...

  2. 1. substanzielles Geld: Infrastrukturen, Unternehmen
    2. Verbrauchsgeld: Leben
    3. Spekulationsgeld: Zinsen, Börsen etc.

    Darüber müsste der "Earth" stehen.
    Der eine "Taler" für alles in seiner Historischen Form ist nicht mehr adäquat!

    3 Leserempfehlungen
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    aber bei dem was virtuelles^2 Geld an Schaden anrichten kann, finde ich auch, dass Geld das spekulativ gewonnen wird - dem keine realwirtschaftliche Leistung entspricht - sollte auch nur Kaufkraft für virtuelle Güter haben. Inseln und Schlösser in Second World, Schwerter in WorldofWarcraft ectr.

    Erklärung^2:
    Elektronisches Geld ist ja eigentlich virtuelles Geld hoch zwei. Es ist das elektronische Versprechen, dass man gedrucktes Versprechen auf Güter bekommen kann.

  3. aber bei dem was virtuelles^2 Geld an Schaden anrichten kann, finde ich auch, dass Geld das spekulativ gewonnen wird - dem keine realwirtschaftliche Leistung entspricht - sollte auch nur Kaufkraft für virtuelle Güter haben. Inseln und Schlösser in Second World, Schwerter in WorldofWarcraft ectr.

    Erklärung^2:
    Elektronisches Geld ist ja eigentlich virtuelles Geld hoch zwei. Es ist das elektronische Versprechen, dass man gedrucktes Versprechen auf Güter bekommen kann.

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  4. Im In- oder Ausland?

    Aber hier sieht man ganz deutlich, wie man Standardsätze benutzen kann, ohne das System zu kennen.

    "Kritiker warnen davor, dass Japans Zahlungsfähigkeit infolge der hohen Schulden deutlich negativer bewertet werden könnte."

    Nennen Sie uns bitte die sog. Kritiker, damit wir eine Referenz haben, um diese Aussage zu bewerten.

    "Der Staat müsste dann höhere Zinsen für die weitere Schuldenaufnahme zahlen."

    Ach, muss er dies? Wenn die japanische Nationalbank mit dem Geld druckt, wer würde hier wem zahlen?

    Und gerade vor kurzem wollte man die japanische Währng (von der eigenen Regierung) etwas abwerten, um "konkurrenzfähig" zu bleiben.

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    • Chali
    • 11. Januar 2013 11:42 Uhr

    Falsch.

    Nicht Länder, sondern Unternehmen stehen miteinander in Konkurrenz.

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    • Chali
    • 11. Januar 2013 11:45 Uhr

    In diktatorischen Systemen, wie Nordkorea oder die Sowjetunion oder die DDR, woimmer also Menschen als disponible Masse gesehen werden, überall dort ist diese Meinung weit verbreitet.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/se

    Diesbezüglich gibt es Steuervorteile und Lobbyplätze in Ministerien überall auf der Welt.

    • Chali
    • 11. Januar 2013 11:45 Uhr

    In diktatorischen Systemen, wie Nordkorea oder die Sowjetunion oder die DDR, woimmer also Menschen als disponible Masse gesehen werden, überall dort ist diese Meinung weit verbreitet.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/se

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    Oder glauben Sie im ernst, dass der Staat bei der eigenen Unfähigkeit einen Staat ökonomisch und gesellschaftlich zusammen zu halten, sich einfach auflöst?

    Die werden mit allem Mitteln ihre Macht zu schützen versuchen.

  5. Diesbezüglich gibt es Steuervorteile und Lobbyplätze in Ministerien überall auf der Welt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Shinzo Abe | Anleihe | Bruttoinlandsprodukt | Brücke | Deflation | Deregulierung
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