Die Verbraucher sollen Tierschutz bei der Fleischerzeugung künftig an einer neuen Kennzeichnung erkennen können. Erste Produkte mit einem Label des Tierschutzbundes würden bei mehreren Handelsketten angeboten, teilte das Bundesagrarministerium mit. Laut Süddeutsche Zeitung sind dies beispielsweise Edeka, Karstadt, Lidl, Kaufland und Kaiser's Tengelmann.

Das Siegel vergibt der Tierschutzbund vor allem an konventionelle Betriebe, die Tiere deutlich artgerechter halten als gesetzlich vorgeschrieben. Es soll zunächst für Fleischprodukte vom Schwein und vom Huhn gelten. Die Kriterien umfassen die gesamte Produktionskette von der Zucht bis zur Schlachtung.

Das neue Etikett hat zwei Stufen: ein Stern bedeutet "Eingangsstufe", zwei Sterne bezeichnen die "Premiumstufe". Das Siegel orientiert sich an dem Konzept und den Standards, die von der Initiative Tierwohl-Label der Universität Göttingen erarbeitet wurden.

Zu den Eckpunkten gehören in der Eingangsstufe die Umstellung auf Ställe mit Strukturierung, mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten. Außerdem ist der Verzicht auf das Kupieren der Schwänze beim Schwein vorgeschrieben. Es dürfen keine Schweine in die Mast gehen, die als Ferkel ohne Betäubung kastriert wurden. Bei Masthühnern wird durch eine Begrenzung der Tageszunahme verhindert, dass schnell wachsende Zuchtlinien, die zuchtbedingt unter Problemen leiden, eingesetzt werden. Für Transport und Schlachtung gelten strenge Anforderungen.

In der zweiten Stufe kommen zum Beispiel Außenklimabereiche und der Zugang zu Auslauf oder Freilandhaltung hinzu. Der Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel ist verboten. Neben diesen Mindestanforderungen müssen auch tierbezogene Kriterien erfüllt werden, die Rückschlüsse auf das Wohlbefinden der Tiere ermöglichen und zeigen, ob die ambitionierten Standards im Alltag optimal umgesetzt werden.

Kritik an der Eingangsstufe

Die Premiumstufe des Tierschutzlabels entspreche ungefähr den Standards von Bio-Produkten, verspricht der Tierschutzbund. Firmen wie Neuland lägen teilweise aber noch darüber. Daher brächten die Bio-Betriebe die Grundvoraussetzungen mit, auch das neue Label tragen zu können.

Mit dem Zwei-Sterne-System sind nach Meinung des Tierschutzbundes "deutliche Verbesserungen bei der Haltung, dem Transport und der Schlachtung von Tieren garantiert". Nun sei eine transparente und wissenschaftlich fundierte Kennzeichnung eingeführt.

Die niedrigeren Anforderungen für die Eingangsstufe rechtfertigt der Verband mit dem Argument, dass zur Verbesserung der Standards für eine große Zahl von Tieren ein breiter Marktzugang notwendig sei. Da der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen bislang nicht nachhaltig verbessert habe, sei es sinnvoll, auch Teilentwicklungen oder kleine Entwicklungsschritte hin zu mehr Tierschutz zu unterstützen. Viele weitere Erzeuger und Verbraucher müssten animiert werden, beim Tierschutz mitzumachen. Davon unberührt sei die generelle Kritik an "tierschutzwidrigen Intensivtierhaltungssystemen".