Deutsche Bank : Die Legende vom bösen Nahrungsmittelspekulanten
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Foodwatch und Oxfam werfen den Ökonomen vor, wichtige Studien auszublenden

Die Finanzmarktforscher Hans Stoll und Robert Whaley von der Vanderbilt Universität in Nashville beobachteten zum Beispiel verschiedene amerikanische Getreidefonds und die Preisentwicklung an den Rohstoffbörsen. Dabei stellten sie fest: Die Getreidepreise stiegen auch in Zeiten, als die Fondsmanager weniger Terminkontrakte ankauften. Zudem erhöhten sich auch die Preise von Hafer stark, obwohl zu dieser Zeit kein Investmentfonds in Hafer-Terminkontrakte investiert hatte.

Auch für Reis gibt es keine Indexfonds. "Trotzdem sind die Reispreise in den vergangenen Jahren teilweise deutlich gestiegen", sagt Ingo Pies, Professor für Wirtschaftsethik an der Universität Halle-Wittenberg, der 35 Studien zur Spekulation mit Agrarrohstoffen ausgewertet hat. Seine Untersuchung zeigt: Die meisten Arbeiten, die in den großen ökonomischen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, entlasten die Banken. "Normalerweise heißt es immer: Zwei Ökonomen, drei Meinungen", sagt Pies. "Doch bei der Frage der Auswirkungen von Agrar-Indexfonds sind sich viele Forscher überraschend einig."

40 deutsche Agrarökonomen schickten deshalb im November einen offenen Brief an den Bundespräsidenten Joachim Gauck. Der hatte zuvor ebenfalls gefordert, dass Banken Agrar-Indexfonds aus dem Programm nehmen. Die Kritik an der Finanzspekulation entspreche nicht dem wissenschaftlichen Forschungsstand, schrieben die Forscher.

Foodwatch und Oxfam werfen den Ökonomen im Gegenzug vor, wichtige Studien auszublenden. Tatsächlich haben einige Forscher in den vergangenen Jahren Anzeichen dafür gefunden, dass die Spekulation mit Agrar-Rohstoffen die Getreide- oder Sojapreise steigen lässt. Es wäre tatsächlich also falsch, ganz sicher zu sein, dass die Indexfonds keinen Schaden anrichten. Die Mehrheit der Studien zeigt jedoch, dass die Fonds keinen direkten Effekt auf den Preisanstieg hatten – selbst wenn man die von Foodwatch und Oxfam genannten Arbeiten miteinbezieht.

Foodwatch und Oxfam argumentieren nun, dass die Banken sich solange aus dem Markt fernhalten sollten, bis diese letzten Unsicherheiten verschwunden sind. Immerhin gehe es um Menschenleben. Allerdings geben auch sie zu, dass die Spekulation mit Grundnahrungsmitteln auch ihre guten Seiten hat. Viele Bauern etwa sind auf Investoren angewiesen, die ihre Ernte schon weit vor dem Reifen der Feldfrüchte abkauft, um sich vor einem plötzlichen Einbruch der Preise zu schützen. Durch den Boom bei Agrar-Indexfonds ist diese Versicherung billiger geworden. Wenn Landwirte das gesparte Geld in neue Maschinen oder zusätzliche Ackerfläche investieren, könnten sie mehr produzieren. Dadurch könnten die Nahrungsmittelpreise letztlich sogar sinken.

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Kommentare

186 Kommentare Seite 1 von 20 Kommentieren

Denken Sie so funktioniert Wissenschaft? Einfach ein paar Zahlen rausgesucht und versucht eine Kausalität herzustellen. Nein, so funktioniert Wissenschaft nicht. Solche Zusammenhänge sind ökonometrisch sehr schwierig zu messen und die Modellierung viel zu komplex als dass man es so plakativ darstellen könnte wie Sie es versuchen.

Als Mathematiker und Ökonom bin ich über so viel Blauäugigkeit und Unbedarftheit einfach nur erschüttert und belustigt zugleich.

Eines vorneweg: Mit solchen Behauptungen und den daran geknüpften 'Belegen' (welch ein Euphemismus) schaffen Sie es nicht in die Tageszeitung, geschweige denn in ein peer-review-Journal. Aber Ihnen bleibt der Kommentarbereich der Zeit, das muss wohl reichen.