Euro-Krise"Wir sind wieder in Mittelmeerstaaten engagiert"

Das Vertrauen in Europas Süden kehrt langsam zurück, sagt der Anlagestratege Andrew Bosomworth im Interview. Doch normal sei die Lage noch lange nicht. von Steffi Fetz

Studentenproteste in Rom (am 24. November 2012)

Studentenproteste in Rom (am 24. November 2012)  |  © Getty Images

ZEIT ONLINE: Italien hat an diesem Freitag für Staatsanleihen so wenig Zinsen zahlen müssen wie schon lange nicht mehr. Warum?

Andrew Bosomworth: Eigentlich ist nicht viel Neues passiert. Es herrscht generell eine bessere Stimmung bezüglich Europa. Italien profitiert davon, und das Land hat auch einiges dafür getan, dass das Vertrauen nun nach Südeuropa zurückkehrt. Für den Zinsrückgang ist die Regierung in Rom allerdings nur begrenzt verantwortlich.

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ZEIT ONLINE: Die Anleger vertrauen auf die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom September, unbegrenzt Staatsanleihen aufkaufen zu wollen.

Bosomworth: Ja. Die EZB hat die Entwicklung am Anleihemarkt seit dem vierten Quartal 2012 maßgeblich bestimmt. Sie hat das Risiko verringert, dass die Währungsunion auseinanderbricht.

ZEIT ONLINE: Sie selbst haben immer die These formuliert, ohne eine echte politische Union komme Europa nicht zur Ruhe. Müssen Sie jetzt umdenken?

Bosomworth: Nein. Ich halte an der Aussage fest, dass es langfristig nur mit einer politischen Union funktionieren kann. Zeigen Sie mir die Währungsunion, die sich behauptet hat, ohne sich in eine Fiskalunion zu verwandeln! Es reicht nicht, nur auf die vergangenen Monate zu schauen und sagen: Alles ist gut. Die Situation hat sich nicht groß verändert. Italien zahlt noch immer mehr als vier Prozent für zehnjährige Anleihen, in Deutschland dagegen 1,6 Prozent. Das ist immer noch ein erheblicher Unterschied.

ZEIT ONLINE: Wird Pimco bald schon wieder griechische und italienische Staatsanleihen kaufen?

Andrew Bosomworth

Er ist Geschäftsführer des Fondsanbieters Pimco in Deutschland und wacht mit seinen Kollegen aktuell über rund 250 Milliarden Euro an Kundengeldern

Bosomworth: Wir haben 2012 unsere Füße wieder ins Mittelmeer gesetzt. Ich könnte mir vorstellen, dass wir tiefer ins Wasser gehen, aber das hängt von der Entwicklung der Risiken und Chancen ab. Es gibt dafür aber keinen fixen Plan. Die Investoren scheinen angesichts der sinkenden Zinsen zurückzukehren. Wir sind aber noch lange nicht in normalen Zeiten. Es gibt immer noch Risikofaktoren, etwa die anstehenden Wahlen in Italien in ein paar Wochen. Danach kann alles wieder ganz anders aussehen.

ZEIT ONLINE: Und in Griechenland?

Bosomworth: Griechenland ist ein anderer Fall. Ich halte das Land weiterhin für insolvent. Wir kaufen weiterhin keine griechischen Staatspapiere.

ZEIT ONLINE: Sie können uns keine Hoffnung für Griechenland machen?

Bosomworth: Die neue Regierung unter Samaras ist auf dem richtigen Weg. Aber ich mache mir große Sorgen über die sozialen Kosten, die der Sparkurs und die interne Abwertung mit sich bringen. Griechenland setzt die Reformen um, aber der Preis ist hoch: Die Arbeitslosigkeit ist auf einem Rekordhoch. Kommt es zu Unruhen in der Bevölkerung, könnte das langfristig eine große Gefahr für das Land bedeuten. Mit einem Schuldenstand von 170 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ist die öffentliche Verschuldung einfach zu hoch. Es wird wahrscheinlich irgendwann zu einem Schuldenerlass kommen.

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Leserkommentare
  1. Zytat:
    "Es herrscht generell eine bessere Stimmung bezüglich Europa. Italien profitiert davon, und das Land hat auch einiges dafür getan, dass das Vertrauen nun nach Südeuropa zurückkehrt. Für den Zinsrückgang ist die Regierung in Rom allerdings nur begrenzt verantwortlich."

    Italien , finanziell profitiert nicht wegen den besseren Stimmung sondern dass die Regierung durch die IMU viel Liquidität eingenommen hat , jede Familie hat durchschnittlich 1000,- Euro mehr an Ausgaben gehabt , ich weiß selber was Monti für die Italiener gezaubert hat , ich habe selber gespürt was bedeutet Steuer zu zahlen für Sachen die nichts abwerfen , brauche nicht die Oberflächliche Antworten von Experten die aus ihren gemütlichen Bleiben die Welt erklären wollen , diese Experten müssen erstmal leben wie der Mann auf der Strasse erst dann können sie darüber reden .

    5 Leserempfehlungen
  2. Italien hat seine Lage bessern können durch die Einnahmen aus der IMU , und durch Krediten bei der EZB , damit ist der Staat nicht mehr dem Internationalen Geldhändler ausgeliefert .
    Diese Geldspekulanten die nicht in Italien oder Spanien residieren sondern in sichere Häfen , die selben die im April 2011 Unmengen von Italienischen , Spanischen und von anderen Südländer Staatsanleihen auf dem Markt geworfen haben , ob das notwendig war oder anderes im Sinne hatten , es ist schwer zu klären , Tatsache ist dass diese Aktion hat in diesen Länder Stress verursacht , dadurch müssten sie noch mehr Renditen versprechen um der Stresssituation Herr zu werden .
    Gab´s eine Regie für den Verkauf? wurde absichtlich getan? Es wäre interessant zu wissen was hinter der ganzen Finanzkrise sich abgespielt hat, Bedarf ist vorhanden.
    Für den Zinsrückgang ist Rom und die Italiener voll zuständig , sie tragen nämlich die Kosten und die Konsequenzen für die nächsten Jahren , denn dass Geld was sie für den Staat zusammen kratzen müssten haben sie nicht mehr für jegliche Investitionen , und wenn dann für Sprit 40 bis 50 cts zahlen müssen , dann frage ich mir , was haben Südländer vom Euro ? Nur mehr Ausgaben ? Wer bereichert sich an Euro? nicht die Südländer

    4 Leserempfehlungen
  3. Das ist richtig, auch wenn unsere Politiker es nicht wahr haben wollen.

    Die Anlage in Italien ist gerade wegen des erheblichen Zinsunterschieds jedenfalls kurzfristig, allenfalls mittelfristig, als spekulative Anlage möglich. Die höheren Zinsen können einen möglichen Ausfall in der Zukunft ausgleichen.

    Diese Spekulation erhält ihre Antriebskraft, wie Bosomworth richtig sagt, durch den unbeschränkten Aufkauf italienischer Staatsanleihen, also die Finanzierung italienischer Staatsschulden, durch die EZB. Dieses Vorgehen ist natürlich zeitlich nicht unbeschränkt möglich.

    Irgendwann ist auch die EZB bzw. die hinter ihr stehenden und ihre Liquidät garantierenden Staaten am Rande Ihrer Bonität. Dann bricht das Gebäude zusammen, wenn nicht rechtzeitig energisch gegengesteuert wird.

    Für die Anleger ist es wichtig, rechtzeitig den Wendepunkt zu erkennen, in dem sie ihr Kapital noch ohne große Verluste abziehen und die hohen Zinsen im Vergleich zu Deutschland als spekulativen Ertrag behalten können.

    Eine Leserempfehlung

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