ImmobilienmarktSteinbrücks Plan gegen die Abzocke

Peer Steinbrück will festlegen, dass Makler von dem bezahlt werden, der sie beauftragt. Selbst Makler halten ein solches Gesetz für überfällig. von Jan Guldner

Makler bei der Arbeit

Makler bei der Arbeit  |  © Robert Galbraith/Reuters

Wenn Markus Gruhn dieser Tage über seine Branche spricht, klingt er wie der Lobbyist eines Mieterverbandes. Gruhn ist Vorsitzender des Rings Deutscher Makler in Berlin und Brandenburg, einem Zusammenschluss von Maklern der Region. Der Immobilienmarkt in der Hauptstadt boomt, die Preise steigen, doch Gruhn findet trotzdem, dass einiges falsch läuft. Von Missständen in Großstädten spricht er, von Nebenwirkungen des immer knapper werdenden Wohnraums in Ballungsräumen wie Berlin.

Gruhn muss es wissen. Er selbst siebt als Makler bonitätsschwache Mieter aus, solche also, die dem Vermieter irgendwann Ärger machen könnten. Was ihn ärgert: Fast immer sind es die Mieter selbst, die am Ende seine Rechnung bezahlen, maximal zwei Monatskaltmieten, wie es der Gesetzgeber vorschreibt. Fast nie ist es der Vermieter, obwohl der ihn in den meisten Fällen beauftragt. "Ein Makler macht die Arbeit des Vermieters", sagt Gruhn. "Das kann er dann auch ruhig zahlen." Die meisten Mieter hätten schon genug Kosten zu tragen: mit Umzug und Kaution. Gruhn fände es gerechter, wenn der zahlt, der die Leistung bestellt hat – so wie auch sonst auf dem freien Markt.

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Das sehen wohl die meisten Bürger genauso. Dennoch ist die Realität in Deutschland bis heute eine andere: Glaubt man dem Portal Immobilienscout 24, werden mittlerweile rund 82 Prozent aller Wohnungen in Hamburg über einen Makler angeboten, in München sind es 76 Prozent. Fast immer zahlt am Ende der Mieter die Rechnung und nicht der Vermieter, der den Auftrag gab. Der größte Maklerverband IVD – eine Art Dachverband der Branche – zeigt sich zwar "offen" dafür, dieses Prinzip zu überdenken. So radikal wie der Verbandschef Gruhn in Berlin forderte aber niemand die Abschaffung des bisherigen Systems.

Zumindest bis jetzt. Denn was im Trubel um Vortragshonorare und Aufsichtsratsmandate unterging, ist, dass SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück seit vergangener Woche erstmals auch bundesweit eine Abschaffung der umstrittenen Praxis fordert. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Land Hamburg eine Initiative im Bundesrat angekündigt, um das sogenannte Bestellerprinzip durchzusetzen: Wer einen Immobilienmakler beauftragt, soll ihn demnach auch bezahlen. "Das Selbstverständlichste auf der Welt" sei das, findet Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund.

Dann steigen eben die Mieten, sagen Kritiker

Glaubt man Fachleuten wie Gruhn würde eine solche Regel einiges ändern. Der Makler hat selbst schon Fälle erlebt, in denen die Cousine des Vermieters oder Hausverwalters einfach eine Massenbesichtigung durch eine Wohnung gescheucht habe. Anschließend kassierte sie die Provision. Gruhn ist der Ansicht, dass solche Fälle der ganzen Branche schaden. Würde der Gesetzgeber einschreiten, würde sich die "Spreu vom Weizen trennen", sagt er.

Doch geschieht das wirklich? Kritiker bringen gegen den Vorschlag von Steinbrück ein einfaches Argument vor: Wenn die Vermieter den Makler künftig selbst zahlen müssten, würden sie die gestiegenen Kosten einfach auf die Miete aufschlagen. Am Ende wäre wieder der Mieter der Dumme. Das Argument klingt so schlüssig, dass es immer wieder vorgebracht wird, zuletzt von Daniel Zimmer, dem Vorsitzenden der Monopolkommission.

In Wahrheit spricht wenig dafür, dass die Vermieter die Kosten in den meisten Fällen abwälzen werden. Denn das würde bedeuten, dass die Vermieter ihre Kosten genau kalkulieren und danach die Miete ausrichten. So aber rechneten die wenigsten Vermieter, sagt Ropertz vom Mieterbund. "Sie nehmen genau die Miete, die der Markt hergibt. Nicht mehr und nicht weniger." Eine Erfahrung, die auch der Makler Gruhn gemacht hat. Er rechnet nicht damit, dass die Miete durch eine solche Regelung steigt. Einfach deshalb, weil die meisten Vermieter kurzfristige Kosten wie Provisionen nicht in ihre Mietkalkulation einfließen lassen.

Leserkommentare
  1. Da liese sich am meisten Steuergeld zurückholen.

    Mehr noch als in der Schweiz. Dieses in Brüssel zurückgeholte Steuergeld könnte man den Hartz-IV Empfängern zu Gute kommen lassen.

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    • broeber
    • 15. Januar 2013 21:33 Uhr

    Wahnsinn, Europa-Kritisch, links-radikal und flach! Bei solchen Kommentaren freue ich mich immer wieder über unsere repräsentative Demokratie.

    Die Summen, die da in den Medien gesitern, sind Summen für 7 Jahre.
    Also müssen Sie alles mal durch sieben teilen.

    Dann kommen sie etwa auf die Größe eines Bundeshaushalts, vielleicht etwas mehr, den die EU zur Verfügung hat, für ganz Europa.

  2. Ja,Auftraggeber und das sind haufig die Vermieter sollten die Rechnung bezahlen.In Belgien ist das Gesetz.
    Das erklart auch warum in Belgien die Vermieter meistens direkt ohne Makler vermieten.
    Nein,wenn die Vermieter ein Makler verwenden wie relativ ublich fur Mieten an Eurokraten wird die Provision in die miete verrechnet.So wenn der Mieter langer als die ubliche Minimaltermin von drei jahre mietet macht der Vermieter ein extra Profit.

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    • Mike M.
    • 15. Januar 2013 19:02 Uhr

    Wenn Vermieter den Makler erst einmal bezahlen müssten, würden sie sich nach dem günstigsten Makler umschauen oder ganz daruf verzichten. Umlegen man das nicht ohne weiteres.
    Auf Dauer würden so die Courtagen sinken. Es gäbe aber auch eine Markbereinigung, so dass die übrig gebliebenen Makler nicht unbedingt weniger verdienen würden.

    Mieten festschreiben bringt dagegen gar nichts. Das führt nur dazu, dass weniger gebaut wird und der Wohnraum knapper wird. Und dann werden eben unter der Hand "Schmiergelder" gezahlt.

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    "Mieten festschreiben bringt dagegen gar nichts. Das führt nur dazu, dass weniger gebaut wird und der Wohnraum knapper wird."

    Denn Fakt ist doch, dass sich der Preis einer Immobilie sehr nach dem Richtet, was damit ertragen werden kann. Wenn die Mieten also steigen, bzw man mehr verlangen kann, steigen auch die Immobnilienpreise an, wie man jetzt überall in den Großstädten sieht. So werden Immobilienkäufer schon gewzungen Mieten zu erhöhen, weil die Immobilie sonst nicht mehr Rentabel ist.
    Insofern muss das nicht eintreten was Sie sagen, wenn die gestgeschriebenen Mieten sich ausschließlich an dem orientieren, was aufgrund der Baukosten notwendig ist.

    • FX1000
    • 15. Januar 2013 19:03 Uhr

    Als ich als Student eine Wohnung gesucht habe, habe ich bei einerm Makler angerufen. Die Maklerfirma sagte mir, dass ich auf der Hompage gucken solle. Dann - bei interesse - müsste ich eine Mieterselbstauskunft abgeben. Danach könnte ich evtl. die Wohnung besichtigen und vielleicht dürfte ich diese dann Mieten.

    Für ca. 600 Euro würde ich normalerweise erwarten, dass ich einen Service bekomme den ich mir ungefähr so vorstelle: Mir werden 4 oder 5 Wohnungen gezeigt und am Ende darf ich mir eine aussuchen.

    Ich finde es an sich überhaupt nicht gerechtfertig, dass eine Immobilienfirma an einem Mieterwechsel mitverdient. Aus der Sicht als Mieter habe ich keinerlei Vorteil durch den Makler.

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  3. ... jetzt schon die Vermieter.

    Jeder der schon mal ein Auto inserierte, weiß daß die Käufer sich ganz genau auskennen.

    So auch die Mieter die eine Wohnung suchen.

    Man kann es auch ganz leicht nachrechnen.

    Die dummen sind eben doch die Vermieter, weil sie glauben der Makler würde sie nichts kosten.

    Das größere Problem ist doch, daß
    Makler nur Lügen und üblicherweise jede Haftung ausschließen.

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    "...daß Makler nur Lügen und üblicherweise jede Haftung ausschließen"
    Es wäre schön, wenn Makler Lügen ausschliessen würden.

  4. dann steigen alle Mieten auch die die vorher gering ohne Makler am Markt waren denn der Schnitt erhöht sich und in Zonen mit häufigen Wohnungswechsel, also dort wo es jetzt schon kaum bezahlbar ist, um so schneller ;.)

    zudem ist es zum Beispiel in Berlin bereits schon so das die meisten Makler ihre Provision teilen und zwar die eine Hälfte für sich versteuert und die andere Hälfte schwarz für den Eigentümer der Wohnung auf die Hand auch bei Wohnungsbaugesellschaften ;-)

    In Frankreich sind begehrte Wohnungen in Paris zumeist nur mit der halben Miete offiziel bezahlt und die andere Hälfte kommt einmal im Jahr im Umschlag an den Eigentümer ( Quelle Herr Wickert).

    Es geht doch nicht um Makler sondern um reinen Populismus, fallen die Makler weg wird es noch mehr Betrug geben in der Wohnungswirtschaft, denn den veranstalten nicht Makler sondern die von der Regierung stark ge- und unterstützten Banken die ständig Investoren für überteuerte Immobilien fördern und unterstützen.

    Am Ende wird dann kaum noch günstiger Wohnraum zur Miete existieren weil sich viele ihre Wohnung kaufen und selbst drin wohnen. Dieser Trend ist viel gefährlicher als mal einen Abzockmakler erlebt zu haben, der hatte wenigstens noch ein Dach für den Kunden zur Miete.

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    nur im letzten Absatz ziehen sie mMn die falsche Schlüsse, es gibt keinen günstigen Wohnraum mehr weil alle Kosten gestiegen sind und es nur bei den Löhnen in D eine rückläufige Entwicklung gab, die jetzt auf den Markt durchschlägt und die Kaltmieten sind übrigens nicht der Preistreiber, der liegt in den Nebenkosten, die teilweise schon höher sind als die Kaltmiete und das sind Kosten, die er Vermieter an andere (Stadtwerke, Entsorgung, Gemeinde) weiter reicht.

    Und nur um mal ein Beispiel zu bringen um ein Mietshaus (in der Pampa im Osten) neu zu bauen, das den gesetzlichen Vorgaben entspricht (Dämmung, Schall etc), müssen sie mit 7.50 Euro/m² kalkulieren, damit der Kredit in 20 Jahren abbezahlt ist, da sind aber Kosten für Instandhaltungsmaßnahmen und Gewinn (will man mit der Investition erzielen) noch nicht mal mit drin.
    In Ballungszentren dürfte man mit dem doppelten Wert rechnen.

    das sich jeder Hansel Makler nennen darf und einen Laden aufmachen darf und dann Wohnungen und Häuder vermitteln darf.

    In Großbritannien ist das zum beispiel anders,

    dort git es eine ziuemlich harte Ausbilfdung die man mit einer Prüfung abschließen muss.

    Dort muss der Vermieter erstmal bezahlen, sicher wird die Courtage wieder auf von die Miete angerechnet, für eine Zeit,
    aber dafür kommt es auch nicht vor, dass man einfach in einer Massenabfertigung durch eine Wohnung gejagd wird.

    Von z. T. völlig desinteressierten Menschen.

    dort gibt eine Königin die haben wir leider auch nicht ;.)

  5. habe bisher immer eine wohnung bekommen. für 30 minuten wohnung zeigen 2 monatsmieten kassieren? das ist zeimlich dreist und nur die dummen zahlen das.

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    Sie vergessen die Kosten für Inserate.
    Andersrum wäre es wirklich reeller wenn der Vermieter die Kosten trägt.

    • 29C3
    • 15. Januar 2013 19:38 Uhr

    sind "die Dummen" aber der Regelfall: die Nachfrage ist so groß, dass kein Vermieter sich mit den Dutzenden herumschlagen will; die Sache wandert zum Makler, und der Rest ist in statistisch mehr als nur relevanter Anzahl der Fälle bekannt.

    • Julia A
    • 16. Januar 2013 16:22 Uhr

    schlechte Rechtschreibung jedoch schon!

    Wenn Sie entweder auf dem Land leben oder keinen Zeitdruck haben, glaube ich Ihnen gern, dass Sie immer eine Wohnung ohne Maklergebühr bekommen.

    Aber wenn Sie sich aufgrund einer neuen Arbeitsstelle kurzfristig eine Wohnung in einer Großstadt suchen müssen (was auch nicht selten vorkommt), auch nicht pendeln können und keine andere Unterkunftsmöglichkeit haben, haben Sie ein Problem.

    Das Angebot an Wohnungen ohne Gebühr ist knapp (s. Artikel: 18% in Hamburg!) und ich konnte mir keine sichern, obwohl ich es versucht habe.

    Diese Diskussionen über Wohnungsmangel, zu hohe Mieten und Maklergebühren werden ja wohl auch nicht von irgendwo kommen.

    • gkh
    • 15. Januar 2013 19:28 Uhr

    Das Verursacherprinzip unterbindet Rechnungen zu Lasten Dritter.
    Rechnungen zu Lasten Dritter führen immer zu unnötigen Kosten.

    Man sollte dem Verursacherprinzip Verfassungsrang geben. Dann würden viele unnötige Kosten wegfallen, nicht nur Käufer- und Mieterprovisionen.

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