WeltwirtschaftsforumDas absolut inoffizielle Party-Ranking von Davos 2013

Keine Amerikaner oder politisch inkorrekte Geschenke: Auf dem Weltwirtschaftsforum ging es 2013 ruhiger zu. Josef Joffe rechnet mit den Buffets und Partys von Davos ab. von 

Die schlechten Nachrichten vorweg: Eine Handvoll der "angesagtesten" Partys von ehedem fanden nicht statt. Google, Accel, Nike... Nestlé ließ sich auch nicht blicken. Das führte unter den Oldtimern zu Spekulationen: Sind den Giganten des Weltwirtschaftsforums die Spesen nicht mehr wert? Die steigen von Jahr zu Jahr – auch für die Gewöhnlichen unter den 2.500. Um die 500 Franken pro Nacht (unter fünf Tage geht nichts) in einem Vier-Sterne-Hotel ohne Fernseher lässt die Lust aber schwinden. Der Trost: Wer die Partyzone strategisch durchpflügte, kann sich eine Woche lang kostenlos mit Häppchen und Champagner ernähren.

Dieses Ranking beruht auf systematischen Erhebungen mit Stichproben von etwa fünf Teilnehmern, die aber nicht unbedingt nüchtern waren.

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1. Bester Empfang, der dieses Jahr nicht stattgefunden hat
Joe Schoendorfs Accel-Cocktail, mit spanischem Patanegra-Schinken und den zwanzig besten Weinen aus dem kalifornischen Napa Valley. Zehn Extrapunkte gab es immer für "Best Location", das Kirchner-Museum in Davos, das die größte Sammlung von Ludwig Kirchner in der Welt beherbergt. Accel ist ein Verbund von Wagniskapitalisten im Silicon Valley, die Google auf die Sprünge geholfen haben.

2.  Dichtestes Gedränge bzw. höchster KKM-Quotient (Körper pro Kubikmeter)
Die  engste und lauteste Party, wie immer, war die von McKinsey. Wer es länger als 10 Minuten aushielt, konnte ein blinkendes Herzchen ergattern.  

3. Bester Power Lunch
Washington Post  mit der Gastgeberin Lally Weymouth. Politstars: der israelische Präsident Peres, der neben dem Palästinenser-Premier Fajad saß.  Kommentar des jordanischen Außenministers: Das sei doch ein besonders ermutigendes Beispiel von "global warming". Finanz-Stars: Jamie Diamond (JP Morgan) und Lloyd Blankfein (Goldman Sachs). Es fehlte indes Marc Zuckerberg (Facebook).

4. Bestes Essen/Hoher Power Faktor
"Norddeutschland Meets Davos" von Jürgen Grossmann, dem ehemaligen RWE-Chef, und seiner Frau Dagmar Sikorski, die, wie stets, Hummer, Austern und Jakobsmuscheln aus eigener Tasche bezahlten. Zum ersten Mal dabei: Henry Kissinger. Dazu die üblichen Verdächtigen aus Big Business und Big Banking in Deutschland.

5. Politisch korrekteste Geschenke für Party-Gäste
Früher immer bei Coca Cola: Decken oder Jacken, die aus rezyklierten PET-Flaschen hergestellt wurden. Diesmal DLD/Burda, wo es eine aufblasbare Gartenlaterne ("Little Solar Light") gab, die allein durch Sonnenlicht (tagsüber) gespeist wird. Und von der Beraterfirma Ernst &Young die FEED-Schultasche. Der Erlös für das Bio-Baumwolle-Produkt, so die Begleitbroschüre, finanziert Schulspeisung für ein Kind für ein Jahr.

6. Politisch inkorrektestes Geschenk
Gibt es nicht mehr. Überhaupt herrscht gegenüber den Wohlhabenden dieser Welt die Neue Bescheidenheit, obwohl noch immer kein Sekt fließt, sondern Champagner. Das beruhigt.

7. Süßeste Party
"Alpine Sweets" der Berater-Firma Booze-Allen. Gäste durften bei der händischen Herstellung von Trüffeln zuschauen und ein Schächtelchen davon mitnehmen.

8. Höchster Kaviar-Quotient
Die "Kosaken-Nacht" des russischen Krösus Oleg Deripaska (En+Group) mit einer Kosaken-Gesangsgruppe, Kaviar und Blini satt und dem höchsten Anteil junger Mädchen ohne offiziellen WEF-Badge. Insgesamt: jüngstes Durchschnittsalter und lauteste Disco-Musik. Scharfe Gesichts- und Namenskontrolle.

9. Beste Erwachsenenparty
Deutsche Bank mit dem Führungstrio Achleitner, Fitchen und Jain. Niedriger KKM-Quotient (siehe Punkt 2), angenehmste Temperatur, feines Finger-Food und gediegene Unterhaltung mit den Größen der deutschen und internationalen Finanzwelt. Die Deutsche teilt sich den Preis mit dem UBS-Dinner unter der Ägide von Axel Weber, dem einstigen Chef der Bundesbank, der in die Schweiz abgewandert ist.

10. Langweiligste Party
Der allabendliche  Kollaps des Verkehrs auf der "Promenade", der Hauptstraße von Davos. Es wird immer schwieriger, die schwarzen Limousinen zu bändigen, welche die hochrangigen Gäste von Party zu Party transportieren. Zu Fuß geht es schneller, ist aber bedeutend kälter.

11. Höchstes Statussymbol
Die AA-Plakette an der Windschutzscheibe. "AA" steht für "All Areas". Mit der kommen die Wichtigen dieser Welt über einen streng überwachten Tunnel direkt zum unterirdischen Eingang der Kongresshalle. Die weniger wichtigen Teilnehmer müssen im WEF-Shuttle (Kleinbus) vom Hotel zum Kongresszentrum fahren.

12. Nicht da und doch vermisst
Die amerikanische Delegation. Kein Minister, kein hoher Beamter, keine Senatoren (die allerdings am Donnerstag bei einer wichtigen Abstimmung im Kapitol sein mussten). Die Europäer waren indes wieder gut vertreten: mit Angela Merkel und David Cameron, die ihre Vorstellungen zu Europa vor großem Publikum ausbreiteten.

13. Gern gesehener Gast
Der Aufschwung (?) der Finanzkrise. Dieser Gast wurde überall leise zwischen den Gängen gefeiert. Das Schlimmste scheint vorbei zu sein. Defizite schrumpfen, Anpassungsprozesse schreiten voran. Vorweg die sinkenden Lohnstück-Kosten in den Krisenländern, die neue Wettbewerbsfähigkeit verheißen. Ausnahme Italien: Dort steigen die Arbeitskosten weiter.

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    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Google | Bundesbank | Axel Weber | David Cameron | Davos | Deutsche Bank
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