SchuldenhaushaltRating-Agenturen sehen US-Finanzen weiter negativ

Trotz des Kompromisses im Etatstreit der USA behalten die beiden Branchengrößen S&P und Moody's ihren negativen Ausblick bei. An den Börsen herrschte jedoch Hochstimmung.

Ein Börsenhändler in der New York Stock Exchange

Ein Börsenhändler in der New York Stock Exchange  |  © Spencer Platt/Getty Images

Die Rating-Agentur Standard & Poor's sieht sich durch den Kompromiss im US-Haushaltsstreit nicht zu einer Heraufstufung der Kreditwürdigkeit des Landes veranlasst. Die Einigung ändere nichts am Ausblick, urteilten die Bonitätswächter. Bei S&P werden die USA seit einiger Zeit nur noch mit AA+ bewertet und damit nicht mehr mit der Bestnote. Zudem wird der Ausblick als negativ bewertet.

S&P begründete die zurückhaltende Einschätzung des Kompromisses damit, dass die US-Staatsfinanzen dadurch mittelfristig nicht stabiler würden. Die Einigung zum Jahreswechsel verhinderte automatisch eintretende Steuererhöhungen für praktisch alle Amerikaner sowie Ausgabenkürzungen. Positiv bewertete S&P, dass sich durch den Etat-Kompromiss das Risiko einer Rezession verringert habe.

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Im Gegensatz zu S&P bewertet Moody's die USA immer noch mit der höchstmöglichen Bonitätsnote. Seit August 2011 ist diese jedoch mit einem negativen Ausblick versehen. Nun verlangt auch Moody's, die USA müssten nach der Einigung mehr tun, um das Spitzen-Rating zu bewahren.

"Nur ein erster Schritt"

Mittelfristig verbessere der Kompromiss nicht die Schuldenquote der Regierung, urteilte Moody's und argumentierte damit ähnlich wie S&P. "Es ist ein wichtiger Schritt, aber es ist ein erster Schritt", sagte der führende US-Staatsanleihen-Analyst von Moody's, Steven Hess.

Die USA stoßen voraussichtlich Ende Februar an ihre selbst gesetzte Schulden-Obergrenze. Moody's will nun abwarten, wie sich die Debatte über die Erhöhung dieser Grenze in den kommenden Monaten entwickelt.

Dagegen reagierten die Finanzmärkte auf die Einigung im Haushaltsstreit mit kräftigen Kursgewinnen. Rund um den Globus griffen Anleger sowohl bei Aktien als auch bei Rohstoffen und Währungen zu. Sie ließen sich dabei auch nicht von den Warnungen etwa der Rating-Agenturen abhalten, dass die US-Schuldenkrise mit dem Kompromiss noch lange nicht überwunden sei.

Dax auf Fünf-Jahres-Hoch

Der Dax beendete den ersten Handelstag des Jahres mit einem Plus von 2,2 Prozent bei 7.778,78 Punkten. Mit einem Tageshöchststand von 7.789,94 Zählern markierte der deutsche Leitindex ein neues Fünf-Jahres-Hoch.

In New York stieg der Dow Jones mit den 30 Standardwerten um 1,7 Prozent auf 13.326 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 rückte ebenfalls 1,7 Prozent auf 1.450 Zähler vor. Der Nasdaq kletterte um 2,2 Prozent auf 3.087 Punkte.
 

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Leserkommentare
  1. Nach wie vor befördern die an den Börsen der Welt gehandelten Unsummen an Geldern weit überwiegend das rasche Ableben des Einzelnen. Nicht dort verzeichnete Kursgewinne indizieren daher, ob Investments praktischer Vernunft folgen. Vielmehr gibt der Anstieg der ausschließlich in dieser Frage qualitativ und keineswegs vorrangig quantitativ erhobenen Morbiditäts- und Mortalitätsrate einer Bevölkerung Auskunft darüber, wessen Fehlverhalten in Gestalt unsäglicher Investitionsruinen Private finanzieren.

  2. als verlängerter Arm der Opposition - mehr ist dazu nicht zu sagen.

  3. Wären diese Rating-Agenturen auch nur ein fitzelchen neutral, hätten sie die USA schon längst auf Ramschniveau herabstufen müssen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Lieber Tierfreund,
    seien Sie doch bitte nicht so streng mit den Rate-Agenturen. Immerhin sind sie gelegentlich durchaus gut für den ein oder anderen herzhaften Lacher.
    In einer der letzten Begründungen für die Beibehaltung des hohen Ratings der USA führte eine der Agenturen aus, dass ein wesentlicher Grund für die gute Bonität des Landes ein "hocheffektives, transparentes und reibungslos funktionierendes politisches System" sei (aus dem Gedächtnis zitiert).
    Bei Moody's ist das sogar explizit in den Bedingungen für die Länder-Ratings aufgeführt.
    Die Urteile dieser Herrschaften sind natürlich nicht neutral (dies ist angesichts ihrer Besitzerstruktur und ihrer Interessen auch nicht zu erwarten, nicht einmal bei der nominell mehrheitlich französischen Fitch - die entscheidende Managementebene ist auch hier rein anglo-geprägt).
    Die Urteile sind einfach nur noch bizarr.

  4. Lieber Tierfreund,
    seien Sie doch bitte nicht so streng mit den Rate-Agenturen. Immerhin sind sie gelegentlich durchaus gut für den ein oder anderen herzhaften Lacher.
    In einer der letzten Begründungen für die Beibehaltung des hohen Ratings der USA führte eine der Agenturen aus, dass ein wesentlicher Grund für die gute Bonität des Landes ein "hocheffektives, transparentes und reibungslos funktionierendes politisches System" sei (aus dem Gedächtnis zitiert).
    Bei Moody's ist das sogar explizit in den Bedingungen für die Länder-Ratings aufgeführt.
    Die Urteile dieser Herrschaften sind natürlich nicht neutral (dies ist angesichts ihrer Besitzerstruktur und ihrer Interessen auch nicht zu erwarten, nicht einmal bei der nominell mehrheitlich französischen Fitch - die entscheidende Managementebene ist auch hier rein anglo-geprägt).
    Die Urteile sind einfach nur noch bizarr.

  5. ein passabler Indikator für einen Aufschwung.

    Heute ist das nur das Gegenstück für einen Gong, der eine neue Runde an sinnlosen Wettgeschäften einläutet.

    Gibt es kein Zahlenmaterial, das die Börsenaktivitäten nach real- u. bankwirtschaftlichen Geschäften trennen kann?

    Ergibt das noch das gleiche Bild?

  6. "...dass die US-Schuldenkrise mit dem Kompromiss noch lange nicht überwunden sei."

    Angesichts der Tatsache, dass das Land in den letzten sechs Jahren mehr zusätzliche Schulden aufhäufte als in den 200 Jahren zuvor, ist eine solche Aussage blanker Euphemismus.

    Das muss man sich mal vorstellen: 1.300 Mrd. $ pro Jahr! Deutschland liegt bei 25 Mrd. €. Und dieser Zuwachs bringt den USA gerade mal 2,5% BIP-Wachstum.

    Würde Deutschland gemessen an seine Größe entsprechende ca. 250 Mrd. € im Jahr an Deficit-Spending betreiben, hätten wir hier einen Boom ohne gleichen.

    Das Entschärfen der "Fiskalklippe" hat eigentlich nur einen Sinn: die Neuverschuldung auf diesem Niveau zu halten. Aber es führt mit mathematischer Gewissheit in wenigen Jahren in den Abgrund.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, zz
  • Schlagworte Dax | Dow Jones | Aktie | Finanzmarkt | Nasdaq | Rezession
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