Im Bayerischen Leberkäse vom Fleischproduzenten Ponnath steckt Fleisch aus Belgien und Holland. Das Fleisch für den Schwarzwälder Schinken von Abraham kommt aus ganz Deutschland und Dänemark. Das sind eindeutig keine Regionalprodukte – im Einzelfall kann es sich aber um eine Herkunftsbezeichnung handeln.

Das EU-Siegel "geschützt geographische Angabe" zum Beispiel, garantiert, dass mindestens eine Produktionsstufe in der genannten Region stattfindet. Die Zutaten können jedoch aus anderen Regionen und Ländern stammen, ohne dass darauf hingewiesen werden muss. Der Schwarzwälder Schinken muss nicht aus Schwarzwälder Schweinen gemacht werden. Ein regionales Produkt ist er dann nicht.

Auch die Heimischen Früchte von Hohes C suggerieren, dass die Zutaten aus der näheren Umgebung kommen. Tatsächlich stammen die Früchte aus ganz Deutschland und Österreich – die verwendete Acerolakirsche kommt sogar aus Mittelamerika. Auf Anfrage heißt es von Eckes Granini, dass man mit den Produkten weder den Anspruch habe, ein regionales Produkt anzubieten, noch diesen Anschein erwecken wolle. Auch wenn die Herkunft der Früchte auf den Etiketten kommuniziert wird, täuscht die Namensgebung.

Eine weiteres Problem ist die Vereinnahme völlig fremder Produkte. Es braucht oft nur einen regionalen Namen, um einen Regionalbezug vorzutäuschen. Ein Beispiel: In Norddeutschland wird unter dem Namen Unser Norden importierter Reis, Kaffee oder Rotbuschtee vermarktet. Der Hersteller verspricht: "Aus der Region für die Region".

Von norddeutschen Kaffee- und Teeplantagen oder Reisfelder ist jedoch nichts bekannt. Gegenüber Handelsblatt Online erklärt eine Sprecherin der Coop eG, dass die Produkte in Norddeutschland nach "nordischem Geschmack" produziert, veredelt oder abgepackt werden. Dennoch spricht die Firma von einer Regionalmarke.

"Das sind Mogelpackungen", erklärt Andrea Winter, Projektleiterin beim Bundesverband der Regionalbewegung, einem Zusammenschluss regionaler Lebensmittelvereinigungen. Der Verband bemüht sich um die Etablierung einheitlicher Kriterien. Erst wenn die Hauptbestandteile eines Produktes aus der Region kommen, es in derselben Region produziert und vermarktet wird, könne man von regional sprechen, sagt Winter. Momentan würde das auf gerade einmal ein bis zwei Prozent der Regionalprodukte auf dem Markt zutreffen. Es sei ein Kontrollsystem nötig, das Produkte nach ihrer Regionalität zertifiziert, um den Käufer vor Mogelpackungen zu schützen.

Das vom Ernährungsministerium initiierte Regionalfenster soll ein wenig Klarheit versprechen. Doch mit dem Start der Grünen Woche ist es zunächst nur in Testregionen auf einzelnen Produkten zu sehen – zum Beispiel bei Edeka Südwest mit der Marke Unsere Heimat. Ein Grund: Die bisher veröffentlichten Kriterien sorgen für mehr Irritation statt Klärung.

Laut Regionalfenster kann ein regionales Gebiet auch grenzüberschreitend, aber nicht größer als die Gesamtfläche Deutschlands sein. Theoretisch könnte ein Lebensmittelhersteller in München nun Zutaten aus Mittelitalien beziehen und es wäre dann noch regional. Zudem wird das Regionalfenster nicht vom Ministerium selbst betrieben, sondern nur finanziert. Die Umsetzung liegt in der Hand von Handelskonzernen wie Rewe oder Edeka.

"Die Verbraucher sind verunsichert und werden allmählich vorsichtiger", sagt Winter. Die starke Nachfrage nach Regionalprodukten bremst das dennoch nicht. Marktforscher Gabersek fasst das so zusammen: "Regional ist das neue Bio."

Erschienen im Handelsblatt