PreisabsprachenSchienenkartell betrog auch Nahverkehrsbetriebe

Nicht nur die Deutsche Bahn hatte das Nachsehen: Die geheimen Preisabsprachen von Schienenherstellern wie ThyssenKrupp schädigten auch viele Kommunen in Deutschland.

Berlin, München, Bremen, Essen, Düsseldorf, Rostock, Schwerin, Magdeburg, Halle, Leipzig, Erfurt, Jena und Gotha haben eins gemeinsam: In den vergangenen 30 Jahren wurden ihre Nahverkehrsbetriebe von einem Schienenkartell systematisch betrogen. Dies berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Ermittlungsunterlagen des Bundeskartellamtes.

Demnach wurde nicht nur die Deutsche Bahn, sondern auch zahlreiche Nahverkehrsgesellschaften in ganz Deutschland mit Schienen und Weichen zu überhöhten Preisen beliefert. Zusammen kommen die Ermittler auf weit über hundert Fälle.

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Verantwortlich sind die Stahlunternehmen Thyssen-Krupp und Voestalpine Klöckner Bahntechnik. Ersteres hat laut Ermittlungsunterlagen noch im Jahr 2010 versucht, kleinere Firmen, die in das Geschäft mit Schienen und Weichen drängten, in das Kartell einzubinden und so seine eigene Position abzusichern. Voestalpine wiederum machte das Kartell im Frühjahr schließlich öffentlich und arbeitet seitdem mit dem Kartellamt in Bonn zusammen.

Verkehrsbetriebe wollen Schadensersatz

Die Stadtwerke München (SWM) erklärten auf Anfrage der Süddeutschen, kommunale Verkehrsbetriebe seien "immer wieder Opfer von wettbewerbswidrigen Absprachen" gewesen. So wie die übrigen Stadtbetriebe habe man Kontakt zu den Ermittlungsbehörden aufgenommen, um das zu viel gezahlte Geld zurückzubekommen. Die kommunalen Verkehrsbetriebe stimmten sich dabei ab.

Allerdings dürften die Verhandlungen über den Schadenersatz schwierig werden. So sollen nach Informationen der SZ von Projekten aus den achtziger und neunziger Jahren teilweise keine Unterlagen mehr vorhanden sein. "Und viele Fälle dürften den gesetzlichen Vorgaben zufolge verjährt sein", schreibt die Zeitung.

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Leserkommentare
  1. freien Markt.

    Wer im Land der Oligopole, Kartelle und Monopole immer noch daran glaubt, der ist selber schuld.

    2 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, kg
  • Schlagworte Deutsche Bahn | Essen | Information | Opfer | Schadensersatz | Schwerin
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