RezessionJeder vierte Spanier ist ohne Arbeit

In Spanien ist die Arbeitslosenzahl auf sechs Millionen gestiegen. Für junge Leute gibt es kaum Jobs. Der Negativrekord hat mit dem Sparprogramm der Regierung zu tun.

Spanier auf Jobsuche in einer staatlichen Arbeitsagentur in Dos Hermanas (Andalusien)

Spanier auf Jobsuche in einer staatlichen Arbeitsagentur in Dos Hermanas (Andalusien)  |  © Marcelo del Pozo/Reuters

Die Arbeitslosenzahl in Spanien ist auf einen neuen Rekordwert gestiegen: Wie das Nationale Statistik-Institut INE mitteilte, waren im letzten Quartal 2012 fast sechs Millionen Menschen ohne Job. Das waren 190.000 mehr als im vorangegangenen Quartal. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um einen Punkt auf 26 Prozent. Dies ist ebenfalls der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen nach der aktuellen Methode.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen um 690.000 auf 5.965.400. Damit wurden in Spanien pro Tag durchschnittlich 1.900 Beschäftigte arbeitslos. Die Arbeitslosigkeit trifft vor allem junge Leute unter 25 Jahren: In dieser Altersklasse stieg die Arbeitslosenquote im Vergleich zu 2011 um 6,6 Punkte auf 55,1 Prozent.

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Die Rezession in der viertgrößten Wirtschaft der Euro-Zone hatte sich zum Jahresende verschärft. Das Bruttosozialprodukt sank im Vergleich zum Vorquartal um 0,6 Prozent. Im gesamten Jahr 2012 dürfte die Wirtschaftsleistung um 1,3 Prozent gesunken sein.

Der jüngste Anstieg der Arbeitslosenzahl geht aber vor allem auf die umfangreichen Einsparungen staatlicher Stellen zurück, die das Haushaltsdefizit verringern sollen. Die mit Abstand meisten Arbeitsplätze gingen im Dienstleistungssektor verloren. In der Industrie und der Bauwirtschaft nahm die Arbeitslosigkeit weniger zu. In der Landwirtschaft gab es sogar einen kleinen Beschäftigungszuwachs.

Experten erwarten, dass die Lage am Arbeitsmarkt sich noch weiter verschlechtern wird: "Wir haben den Boden noch nicht erreicht und die Beschäftigung wird auch im ersten Quartal 2013 weiter abnehmen", sagte der Citigroup-Ökonom José Luis Martinez.

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Leserkommentare
  1. man natürlich machen. Aber wer gibt den Spaniern das Geld, um Beschäftigungsprogramme zu starten, Aktien aufzukaufen etc. Bingo, daher muss zwingend gespart werden, bevor man sich überlegt, wie man das Geld (was wieder geborgt ist) am besten ausgibt. Das ist nicht neoliberal, das ist normal...;-))

    Antwort auf "Und die Banken,..."
  2. Heute hatte ich mit sechs örtlichen Heizungs-/Sanitärfirmen gesprochen, die alle kein Interesse an einem kleinen Energiespar-Auftrag hatten. Außerdem mit ein paar Anrufbeantwortern und zwei Betrieben, die nur noch in den gelben Seiten existierten.
    Spanische Mitarbeiter in D sieht man aber fast nur hinter den Tresen der Berliner Kneipen. Wo sind denn all diejenigen geblieben, die den spanischen Bauboom verwirklicht hatten? Können die nicht bei uns ein paar Lücken auffüllen?

    • lib-dem
    • 24. Januar 2013 16:09 Uhr

    dass eine Menge der jungen Spanier während des Immobilienbooms keine Ausbildungg gemacht haben und direkt auf den Bau gegangen sind.
    Entsprechend beherrschen sie nun keine Fähigkeit, die in der globalisierten Welt gebraucht wird, bzw. spanische Löhne ermöglicht. Und da die Wirtschaft erst mal abgesoffen ist und kaum Geld von aussen ins Land kommt, liegt auch die vielgerühmte Dienstleistung am Boden.
    So schauts aus, und man kann eine Menge lernen über die Notwendigkeit zur Ausbildung und die Folgen von kollektiver Immobilienspekulation!

  3. Der Artikel wurde zwischenzeitlich geändert. Das Wort "exakt" wurde entfernt. Mein erster Kommentar ist daher nun missverständlich.

    Trotzdem ist es falsch gerundete Werte mit zu vielen Stellen anzugeben. Richtig wäre z.b. "5,97 Millionen", aber nicht "5,965400 Millionen"

    • lib-dem
    • 24. Januar 2013 16:28 Uhr

    sind so viele Menschen entlassen worden. Nicht nur in Spanien, sondern weltweit. Und die Aktionäre (= Besitzer) der Banken haben dermassen hohe Verluste hinnehmen müssen ...

    Ja, die Banken existieren noch, aber es sind an vielen Stellen vollständig andere Gebilde als vor der Krise.
    Weniger Gehalt, weniger Mitarbeiter, weniger Gewinn, weniger Risiko. Und eine beachtliche Zahl ist pleite gegangen oder fusioniert worden oder gehört nun zum Teil dem Staat.
    Ich kann dieses Banken-bashing ernsthaft nicht nachvollziehen.

    Wenn es denen so gut geht, mit dem billigen Zentralbankgeld, warum sind sie dann nicht profitabler? Man muss sich nur die Aktienkurse anschauen, um zu sehen, was im Bankensektor passiert ist.

    Antwort auf "Und die Banken,..."
    • funky_B
    • 25. Januar 2013 11:33 Uhr

    das ist richtig, das Geld kommt von außen. Aber anstatt es den spanischen Banken zu geben, könnte man es ja auch in den Privatsektor stecken, nech?

    Antwort auf "Und die Banken,..."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, sc
  • Schlagworte Arbeitslose | Arbeitslosenquote | Arbeitslosigkeit | Arbeitsmarkt | Bauwirtschaft | Euro-Zone
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