UN-Kampagne : "Lebensmittel wegzuwerfen ist sinnlos"

Weltweit müssen Menschen hungern, während andere ihre Lebensmittel in die Tonne werfen. Dagegen wollen die Vereinten Nationen jetzt vorgehen.

1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel enden jedes Jahr im Abfall. Das ist rein rechnerisch etwa viermal so viel wie nötig wäre, um das Hungerproblem in der Welt zu lösen, rechnen Autoren einer neuen Studie vor. Die Vereinten Nationen (UN) wollen nun gegen diese Verschwendung vorgehen. Die weltweite Kampagne Think.Eat.Save soll den Verlust eindämmen und so auch den Hunger bekämpfen.

Die Verschwendung von Lebensmitteln lässt sich nach Ansicht von UN-Experten durch einfache Maßnahmen vermeiden. Sie fordern Verbraucher auf, auch weniger perfekt geformte Früchte zu kaufen, denn bei Erzeugern, Großhändlern und Supermärkten wird ein Teil der Nahrungsmittel weggeworfen, obwohl er noch essbar wäre – etwa krumme Möhren oder andere, weniger perfekt gewachsene Früchte. Außerdem sollten sie auch das Haltbarkeitsdatum nicht immer so streng sehen.

"Gemeinsam können wir diesen untragbaren Trend umkehren und Lebensbedingungen verbessern", sagte der Generaldirektor der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO), José Graziano da Silva. In den Industrienationen etwa sei die Hälfte des weggeworfenen Essens noch zum Verzehr geeignet.

Durchschnittlich wirft jeder Europäer und Nordamerikaner jedes Jahr zwischen 95 und 115 Kilogramm Essen weg, zeigt die Studie. In Teilen Afrikas und Asiens liegt die Abfallmenge zwischen sechs und elf Kilogramm pro Kopf. In Entwicklungsländern geht ein Großteil der Nahrung bereits am Beginn der Versorgungskette verloren – etwa durch unzureichende Erntetechniken, Insekten, mangelnde Kühlung oder schlechte Lagerbedingungen. Würde der Verlust der Nahrungsmittel insgesamt eingedämmt, könnten auch die Preise sinken, hieß es. In vielen armen Ländern müssten die Menschen derzeit mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Essen ausgeben.

"Es macht absolut keinen Sinn, Lebensmittel wegzuwerfen"

Der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms (Unep), Achim Steiner, sagte, in einer Welt mit sieben Milliarden Menschen, deren Zahl bis 2050 auf neun Milliarden steigen soll, "ist es sinnlos, Lebensmittel wegzuwerfen – sowohl wirtschaftlich, ökologisch als auch ethisch".

Laut dem UN-Welthungerbericht vom vergangenen Oktober hat jeder Achte nicht genug zu essen – insgesamt sind das rund 870 Millionen Menschen. Allein die in den Industrienationen weggeworfene Menge von 300 Millionen Tonnen jährlich würde – theoretisch – reichen, diese Menschen zu ernähren, sagte da Silva.

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