US-Präsident Barack Obama und der designierte US-Finanzminister Jacob Lew (r.) © Mark Wilson/Getty Images

Seine erste Amtsanweisung hat Jack Lew schon: Er soll an seiner Unterschrift feilen. Sie ist derart unleserlich, dass sich die Medien schon über sie lustig machen. Schließlich wird das Autogramm eines jeden amerikanischen Finanzministers auf die Dollarnoten des Landes gedruckt. Bald also auch jene von Jack Lew.

"Jack hat mir versichert, dass er zumindest einen Buchstaben lesbar machen wird", scherzte Präsident Barack Obama am Donnerstag. Da nominierte er Lew zum neuen US-Finanzminister, "damit unsere Währung nicht herabgewürdigt wird." Nun muss noch der Senat zustimmen.

Auf den neuen Finanzminister warten große Aufgaben. In wenigen Wochen stoßen die Amerikaner an die selbst auferlegte Schuldenobergrenze von 16,4 Billionen Dollar. Die Politiker in Washington müssen sich auf ihre Anhebung einigen, sonst droht der Zahlungsausfall. Nachdem Washington die sogenannte Fiskalklippe zum Jahresanfang gerade noch einmal umschiffen konnte, geht der erbitterte Kampf zwischen Demokraten und Republikanern in die nächste Runde. Wohlüberlegt hat Obama daher seinen bisherigen Stabschef Lew ausgewählt: Der 57-Jährige genießt einen Ruf als ausgewiesener Haushaltsexperte. Das haben sogar Vertreter der Opposition schon anerkannt.

Geithner wollte keine zweite Amtszeit 

Sein künftiger Vorgänger Timothy Geithner hatte bereits frühzeitig ankündigt, für eine mögliche zweite Amtszeit Obamas nicht mehr als Finanzminister zur Verfügung zu stehen. Dass es nun Lew wurde, überrascht kaum. Als enger Vertrauter Obamas galt er schon länger als erste Wahl. Auch wenn der unauffällige Budget-Experte mit Harry-Potter-Brille und Seitenscheitel über die Grenzen Washingtons hinweg weitgehend unbekannt war. Gerade das aber gefiel dem Präsidenten: "Er ist einer, der auf dem Boden geblieben ist. Er umgibt sich lieber mit Politikexperten statt mit TV-Kameras", sagt Obama.

Lew ist seit mehr als 30 Jahren in der Politik. Er war bereits zweimal Chef der Haushaltsbehörde Office of Management and Budget, unter Obama und zuvor unter Clinton. Der Sohn polnischer Einwanderer ist ein eingefleischter Demokrat. Schon nach dem ersten Studienabschluss an der renommierten Harvard-Universität zog es ihn nach Washington.

Dort machte er erste Arbeitserfahrungen als parlamentarischer Referent und absolvierte nebenbei ein Jurastudium an der Georgetown Universität. In den Achtziger Jahren, zu Zeiten Ronald Reagans, diente er Tip O’Neill, dem Sprecher des Repräsentantenhauses. Von ihm soll Lew auch seine politische Haltung geerbt haben, dank der ihn heute viele für einen der letzten pragmatischen Liberalen halten.