Wenn Ben Bernanke seine seltenen Reden an amerikanischen Universitäten hält, wird es oft grundsätzlich. Aufmerksam verfolgt die Welt dann, wohin der Makroökonom und Chef der Federal Reserve die Geldpolitik Amerikas steuern wird. Nicht anders war es, als Bernanke am Dienstag an der University of Michigan sprach. Doch statt einer großen Richtungsänderung verkündete Bernanke schlicht, Amerikas Notenbank werde bei der Politik des billigen Geldes bleiben. Bis auf Weiteres.

Es ist die Politik, die eine Schlüsselrolle einnahm bei der Rettung der Weltwirtschaft. Keiner ging ein größeres Risiko in der Krise ein als der frühere Princeton-Professor Bernanke. Nicht nur senkte er den Leitzins seit 2008 auf nahezu Null und kündigte gleich an, den Zins bis 2015 auf dem Niveau zu belassen. Er griff auch zum Mittel des Quantitative Easing, der geldpolitischen Lockerung durch Anleihekäufe.

Erst zum Jahresanfang hat die Fed die dritte Auflage des Programms noch einmal ausgeweitet. Zusätzlich zu den im Herbst 2012 begonnenen Käufen von US-Immobilienpapieren im Wert von 40 Milliarden pro Monat investiert die Fed seit Januar monatlich weitere 45 Milliarden in Staatsanleihen. Laufzeit: unbestimmt.

Die Bilanz der Fed ist in den vergangenen Jahren auf das Dreifache angewachsen. Rund drei Billionen Dollar stehen heute in den Büchern der Notenbank.

Dennoch wird auch in Washington und New York die Frage lauter, wann die Phase des billigen Geldes endet. Erste Anzeichen, dass die Notenbank den Ausstieg vorbereitet, gibt es bereits. Die vor Kurzem veröffentlichten Protokolle der Offenmarktausschuss-Sitzung im Dezember zeigen, dass "mehrere" Mitglieder des Gremiums es "möglicherweise für angemessen halten, die Anleihekäufe vor Ende 2013 einzudämmen oder zu stoppen".

Noch ist von Inflation nichts zu spüren

Kritikern zufolge ist das auch dringend nötig. "Die unbefristete Ausweitung – ich nenne sie 'monetäre Explosion' – ist meiner Meinung nach sehr schädlich. Und ich denke, jeder bei der deutschen Bundesbank würde mir da zustimmen", meint Robert Auerbach, Professor an der University of Texas und selbst ehemaliger Student von Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman. "Eine Verdreifachung der Geldmenge – wie sollen wir die nur wieder aus dem Kreislauf bekommen?"

Seit Jahren befeuern die Anleihekäufe auch die Angst vor Inflation. Besonders die Republikaner sehen Bernankes Politik kritisch. Bisher haben sich die Sorgen über eine rasche Preissteigerung allerdings nicht bestätigt: Gemessen am Preisindex für Konsumausgaben lag die Wachstumsrate zuletzt im November bei 1,4 Prozent im Vorjahresvergleich. Das Inflationsziel der Fed liegt bei zwei Prozent.