GeldpolitikBernankes große Bürde

Je näher das Ende der Amtszeit von US-Notenbankchef Ben Bernanke rückt, desto lauter wird die Frage: Wann kommt Amerika weg vom billigen Geld? von Kim Bode

Der Vorsitzende der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve, Ben Bernanke (Archivbild)

Der Vorsitzende der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve, Ben Bernanke (Archivbild)  |  © John Moore/Getty Images

Wenn Ben Bernanke seine seltenen Reden an amerikanischen Universitäten hält, wird es oft grundsätzlich. Aufmerksam verfolgt die Welt dann, wohin der Makroökonom und Chef der Federal Reserve die Geldpolitik Amerikas steuern wird. Nicht anders war es, als Bernanke am Dienstag an der University of Michigan sprach. Doch statt einer großen Richtungsänderung verkündete Bernanke schlicht, Amerikas Notenbank werde bei der Politik des billigen Geldes bleiben. Bis auf Weiteres.

Es ist die Politik, die eine Schlüsselrolle einnahm bei der Rettung der Weltwirtschaft. Keiner ging ein größeres Risiko in der Krise ein als der frühere Princeton-Professor Bernanke. Nicht nur senkte er den Leitzins seit 2008 auf nahezu Null und kündigte gleich an, den Zins bis 2015 auf dem Niveau zu belassen. Er griff auch zum Mittel des Quantitative Easing, der geldpolitischen Lockerung durch Anleihekäufe.

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Erst zum Jahresanfang hat die Fed die dritte Auflage des Programms noch einmal ausgeweitet. Zusätzlich zu den im Herbst 2012 begonnenen Käufen von US-Immobilienpapieren im Wert von 40 Milliarden pro Monat investiert die Fed seit Januar monatlich weitere 45 Milliarden in Staatsanleihen. Laufzeit: unbestimmt.

Die Bilanz der Fed ist in den vergangenen Jahren auf das Dreifache angewachsen. Rund drei Billionen Dollar stehen heute in den Büchern der Notenbank.

Dennoch wird auch in Washington und New York die Frage lauter, wann die Phase des billigen Geldes endet. Erste Anzeichen, dass die Notenbank den Ausstieg vorbereitet, gibt es bereits. Die vor Kurzem veröffentlichten Protokolle der Offenmarktausschuss-Sitzung im Dezember zeigen, dass "mehrere" Mitglieder des Gremiums es "möglicherweise für angemessen halten, die Anleihekäufe vor Ende 2013 einzudämmen oder zu stoppen".

Noch ist von Inflation nichts zu spüren

Kritikern zufolge ist das auch dringend nötig. "Die unbefristete Ausweitung – ich nenne sie 'monetäre Explosion' – ist meiner Meinung nach sehr schädlich. Und ich denke, jeder bei der deutschen Bundesbank würde mir da zustimmen", meint Robert Auerbach, Professor an der University of Texas und selbst ehemaliger Student von Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman. "Eine Verdreifachung der Geldmenge – wie sollen wir die nur wieder aus dem Kreislauf bekommen?"

Seit Jahren befeuern die Anleihekäufe auch die Angst vor Inflation. Besonders die Republikaner sehen Bernankes Politik kritisch. Bisher haben sich die Sorgen über eine rasche Preissteigerung allerdings nicht bestätigt: Gemessen am Preisindex für Konsumausgaben lag die Wachstumsrate zuletzt im November bei 1,4 Prozent im Vorjahresvergleich. Das Inflationsziel der Fed liegt bei zwei Prozent.

Leserkommentare
  1. Voellig falsche Frage (die sich - am Rande bemerkt - leicht auf den Quatsch zurueckfuehren laesst, der von den "Very Serious People" (wie Paul Krugman sie nennt) verzapft wird).

    Jahrelang unter 2 Prozent Inflation heisst schlicht, dass die Fed ihr Inflationsziel von 2 Prozent jahrelang nicht erreicht hat. Das bedeutet, dass sie eher zu wenig als zuviel tut.

    Inflationsgefahren werden nun schon seit Jahren heraufbeschworen, aber sie treten schlicht nicht ein. Ebensowenig wie sie waehrend der Grossen Depression ein Problem waren (als die Politik des billigen Geldes zu frueh beendet wurde und die Wirtschaft zurueck in weitere Jahre der Depression geschickt wurde), ebensowenig wie in Japan in den 90ern.

    Anderes Argument: jeder, der in den letzten Jahren auf die Warnungen vor Inflation in den USA gehoert hat, hat eine Menge Geld verloren. Vielleicht sollte man mehr auf die Inflationserwartungen von Leuten hoeren, die damit Geld machen oder verlieren, als von sogenannten Experten, die seit Jahren daneben liegen?

    Die Beschaeftigungsrate in den USA stagniert dagegen seit Jahren auf einem seit Jahrzehnten nicht gesehenen Niveau. Das ist ein akutes Problem und wird wohl noch in Jahrzehnten spuerbar sein. Anders als imaginaere Inflationssorgen.

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    Da die Inflation sogar noch unter der Zielrate von 2% liegt, kann Bernanke auch künftig so viel Geld drucken wie er für erforderlich hält. Seine expansive Geldpolitik erwies sich als richtig. Die deutschen Prognosen (u.a. von Brüderle und Merkel), dass dies Inflation verursacht, waren dagegen offensichtlich falsch.

  2. Da die Inflation sogar noch unter der Zielrate von 2% liegt, kann Bernanke auch künftig so viel Geld drucken wie er für erforderlich hält. Seine expansive Geldpolitik erwies sich als richtig. Die deutschen Prognosen (u.a. von Brüderle und Merkel), dass dies Inflation verursacht, waren dagegen offensichtlich falsch.

  3. Marc Faber: Wenn ich Bernanke wäre, würde ich zurücktreten

    http://goo.gl/Insdb

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    ... wegen der Fehler von Greenspan. Tolle Logik.

  4. Bernanke kaempft verzweifelt gegen eine *deflationaere* Entwicklung an. Und wer sich z.B. die Entwicklung der 10 jaehrigen Anleihen in den USA ansieht, dem ist klar, dass viele Anleger es genauso sehen. Vermoegenserhaltung ist das Schlagwort.

    Anleger, Hedgefonds und Banken wissen nur nicht mehr wo sie ihr Geld anlegen sollen, weil sie eine gewisse Rendite brauchen. Die ist aber derzeit nicht zu finden, und auf den Aktienmarkt trauen sich nur wenige, weil gegen das HFT (High Frequency Trading) der Investmentbanken niemand auf Dauer anstinken kann.

    Eine stark inflationaere Entwicklung (>3%) ist, meiner Meinung nach, so gut wie ausgeschlossen. Moeglich waere eine Hyperinflation, wenn das Vertrauen in den USD schlagartig wegbricht. So weit sind wir aber noch nicht.

  5. ... wegen der Fehler von Greenspan. Tolle Logik.

    Antwort auf "Marc Faber "
  6. Eines der Hauptanliegen von Sen. Ron Paul ist es das Federal Reserve System zu beenden und daher schrieb er vor einigen Jahren ein Buch " End the Fed " , welches glaube ich auch in Deutschland erschienen ist.
    Der Hauptgrund , den viele Menschen in den USA und Europa nicht wissen ist die Tatsache , dass die Federal Reserve eine Privatbank ist.
    Die Fed ist weder 'federal ' noch hat sie Reserven , daher ist der Name extrem irrefuehrend.
    Der Fed wird vorgeworfen Geld aus dem "Nichts" zu 'keieren' = " Money creation out of thin air " und die Fed traegt meiner Meinung die Hauptschuld an der US-Verschuldung von nunmehr 16. 5 Trill./Bill $ ( = 16 500 000 000 000 $ oder 16 500 Mrd. $ )

    http://www.usdebtclock.org/

    Der Chef der jetztigen Fed , Benjamin Shalom Bernanke , hat seit der Finanzkrise 2007 schon 3 mal Geld 'kreiert' und diese 'Geldschoepfungen' mit dem irrsinnigen Namen " Quantitavie Easening QE " belegt.
    Dies kann und wird nicht klappen und der US-Dollar Crash ist vorgprogrammiert.

    Eine Leserempfehlung
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    Ron Paul ist einfach nur lustig. ;)

  7. Ron Paul ist einfach nur lustig. ;)

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