Weltwirtschaftsforum : Einkommensunterschiede gefährden die Weltwirtschaft

Das wachsende Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich ist eine Gefahr für die Weltwirtschaft. Auch die Staatsschulden bewertet das Weltwirtschaftsforum als Risiko.

Die wachsende Kluft bei der Entwicklung der Einkommen wird nach Ansicht von Experten zu einer Gefahr für die Weltwirtschaft. Zusammen mit chronischen Ungleichgewichten der Haushalte vieler Staaten gehört das Auseinandergehen der Einkommen laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) voraussichtlich zu den "beiden vorherrschenden globalen Risiken" der kommenden Jahre.

Weniger wahrscheinlich, aber potenziell erheblich folgenschwerer ist dem Bericht Globale Risiken 2013 zufolge ein völliger Ausfall des internationalen Finanzsystems sowie eine große Trinkwasserknappheit als Resultat des Klimawandels. "Die Welt steht wachsenden Risiken gegenüber, während die anhaltende Finanzkrise die öffentliche Aufmerksamkeit vom Klimawandel ablenkt", schreiben die Autoren der Studie.

Der Welt-Risiko-Report soll in zwei Wochen beim WEF-Jahrestreffen in Davos diskutiert werden. Dazu werden einflussreiche Wirtschaftslenker, Wissenschaftler und Politiker erwartet – unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew.

"Im Fall von Störungen funktionsfähig bleiben"

Sie wollen Möglichkeiten erörtern, die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaftssysteme gegenüber globalen Risiken zu stärken und gleichzeitig die Gefahr von Umweltkatastrophen einzudämmen. Das Motto des WEF-Treffens lautet in diesem Jahr "Widerstandsfähige Dynamik".

"Die nationale Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Risiken muss Priorität erhalten, damit kritische Systeme auch im Falle einer massiven Störung funktionsfähig bleiben", sagte der geschäftsführende WEF-Direktor und Herausgeber der Studie, Lee Howell.

Eine weitere Zunahme von Treibhausgasemissionen bewerteten die Teilnehmer der weltweiten Befragung als das drittwahrscheinlichste globale Risiko nach den Folgen der wachsenden Kluft bei den Einkommen sowie der Haushaltsungleichgewichte.

Die Probleme des globalen Wirtschaftssystems verlangten auch in nächster Zukunft die volle Aufmerksamkeit von Politik und Wirtschaft, während gleichzeitig das Ökosystem der Erde unter Druck gerate, heißt es in der Studie. "Sind beide Systeme parallel Verwerfungen ausgesetzt, könnte dies den 'perfekten globalen Sturm' auslösen mit potenziell verheerenden Folgen."

Pandemien und weltweit zunehmende Antibiotikaresistenzen

Zugleich listet die Studie eine Reihe weiterer potenzieller Gefahren auf. Dazu gehören neben der Gefahr von Pandemien und der weltweit zunehmenden Antibiotikaresistenzen mögliche unvorhergesehene Folgen der Biotechnologien ebenso wie Gefahren, die aus dem Internet-Missbrauch herrühren. Dabei wird auf gewalttätige Proteste nach der Verbreitung eines islamfeindlichen Films über die Video-Plattform YouTube verwiesen. Dies zeige, wie "digitale Flächenbrände" entstehen oder auch inszeniert werden könnten, während die traditionelle Wächterfunktion der Medien weiter erodiere.

Grundlage des Berichts ist alljährlich die Befragung von mehr als 1.000 Experten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu 50 weltweiten Risikopotenzialen in den Kategorien Wirtschaft, Umwelt, Geopolitik, Gesellschaft und Technologie.

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