Der deutsche Staat hat 2012 erstmals seit fünf Jahren wieder einen Überschuss erzielt. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen nahmen zusammen 2,2 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. Der Überschuss entspricht 0,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, teilte das Statistische Bundesamt mit.

2011 hatte es noch ein Defizit von 0,8 Prozent und 2010 sogar von 4,1 Prozent gegeben. Einen Überschuss gab es zuletzt 2007 mit 0,2 Prozent. Grund für die verbesserten Staatsfinanzen sind die gute Beschäftigung und steigende Löhne. Dadurch wuchsen die Steuereinnahmen des Staates, während die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Bundesagentur für Arbeit höhere Beitragseinnahmen verzeichneten.

Die Gemeinden schafften deshalb ein Plus, die Sozialversicherungen sogar einen "kräftigen Überschuss". "Der Bund senkte sein Defizit im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich", sagten die Statistiker. Seine Neuverschuldung dürfte im vergangenen Jahr bei etwa 22 bis 23 Milliarden Euro gelegen haben. Bis 2016 will auch der Bund schwarze Zahlen schreiben.

Wirtschaftsleistung sinkt deutlich

Die deutsche Wirtschaft ist Ende 2012 dennoch kräftig geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sei von Oktober bis Dezember um rund 0,5 Prozent zum Vorquartal gesunken, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Die Rezession in der Euro-Zone, aber auch eine schwächere Konjunktur in wichtigen Absatzmärkten wie China, Indien und Brasilien hatten Ende 2012 das Export-Geschäft und damit die gesamte Wirtschaftskraft gebremst. Experten sprechen von einer Rezession, wenn das Bruttoinlandsprodukt zwei Quartale in Folge sinkt.

Auf das gesamte Jahr 2012 gerechnet ist die deutsche Wirtschaft dennoch um 0,7 Prozent gewachsen. Das ist deutlich weniger als die 3,0 Prozent Zuwachs beim  Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein Jahr zuvor. Dennoch steht Deutschland besser da als viele europäische Partner.

Volkswirte erwarten geringeres Wachstum

"Im Jahr 2012 erwies sich die deutsche Wirtschaft in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld als widerstandsfähig und trotzte der europäischen Rezession", sagte der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler.

Für 2013 stimmen Ökonomen aber auf weitere Dämpfer ein, denn auch die Lage im wichtigen US-Markt ist unsicher. Die meisten Volkswirte erwarten für die deutsche Wirtschaft ein geringeres Wachstum als im abgelaufenen Jahr. Die Prognosen bewegen sich in einer Spannbreite von 0,3 bis knapp 1,0 Prozent.

Schon im ersten Halbjahr 2012 hatte die gute Konjunktur mehr Steuereinnahmen gebracht. Zudem verdiente Deutschland mit der Aufnahme neuer Schulden teilweise Geld: Investoren akzeptierten sogar negative Zinsen für deutsche Staatspapiere, weil Deutschland in der Krise als sicherer Hafen gilt.