BundestagskommissionBIP soll nicht mehr allein Wohlstand und Wachstum definieren

Eine Enquete-Kommission des Bundestags hat neue Kriterien zur Wohlstandsmessung vorgeschlagen. Lebenserwartung, Bildung und Umweltschutz sollen auch als Messwerte dienen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll künftig nicht mehr alleiniger Maßstab für Wohlstand, Wachstum und Lebensqualität in Deutschland sein. Die vom Bundestag eingesetzte Enquete-Kommission schlug zehn neue Kriterien zur Wohlstandsmessung vor, die neben materiellem Wohlstand auch soziale Teilhabe und Umweltaspekte enthalten.

Bislang werden Wohlstand und Wachstum an der Entwicklung des BIP festgemacht, das den Wert aller Güter und Dienstleistungen eines Jahres umfasst. Die Verteilung der Einkommen und der Vermögen sowie den "Wohlstand mindernde Schäden wirtschaftlicher Aktivitäten" wie Umweltverschmutzung oder Wirtschaftskriminalität würden dabei jedoch nicht angemessen berücksichtigt, heißt es in dem Abschlussbericht der Enquete-Kommission.

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Zur Einschätzung des materiellen Wohlstands sollen neben dem BIP pro Kopf auch die Verteilung der Einkommen und die Staatsschulden gemessen werden. Der Umweltaspekt soll durch Angaben zu den nationalen Treibhausgasen, zum Stickstoffkreislauf und zur Artenvielfalt berücksichtigt werden. Auskunft über die Lebensqualität in Deutschland sollen die Leitindikatoren Beschäftigung, Bildung, Lebenserwartung und Freiheit geben. Zur Vermeidung neuer Krisen sollen einzelne Werte wie Unterbeschäftigung, Nettoinvestitionen oder die globalen Treibhausemissionen als "Frühwarnindikatoren" oder "Warnlampen" gelten.

Grüne und Linke mit Sondervotum

Die Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" mit insgesamt fünf Projektgruppen hatte im Januar 2011 ihre Arbeit aufgenommen und wird voraussichtlich im Mai ihren Abschlussbericht vorlegen. "Wir wollen das noch diese Legislaturperiode über die Bühne bringen", sagte die Vorsitzende der Kommission, Daniela Kolbe (SPD). "Die große Mehrheit ist sich über die neue Messung soweit einig."

Einigen Mitgliedern ist der neue Satz an Indikatoren für die Wohlstandsmessung jedoch zu umfangreich. Die Grünen wollten deshalb ein Sondervotum einbringen. Seine Fraktion trete für einen Wohlstandskompass mit nur vier Messwerten ein: dem BIP pro Kopf, der Einkommensverteilung, dem Verbrauch von Natur und Ressourcen sowie einer Befragung zur Lebenszufriedenheit, sagte Hermann Ott, Obmann der Grünen in der Kommission.

Auch die Linke hält in einem Sondervotum im Bericht fest, sie lehne den "ausufernden", "aufgeblähten" Indikatorensatz ab, da er "politisch abwegig und nicht kommunizierbar" sei.
 

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, tis
  • Schlagworte Grüne | SPD | Artenvielfalt | BIP | Bildung | Bruttoinlandsprodukt
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