ZEW-IndexFinanzexperten glauben an Wachstum in Deutschland

Anleger und Analysten blicken optimistisch auf 2013: Die deutsche Wirtschaft kehre auf den Wachstumspfad zurück. An der Börse sorgte dies für gute Stimmung.

Die Wirtschaft in Deutschland wird sich besser entwickeln, als viele bislang erwartet hatten. Dies zumindest legen die neusten Zahlen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) nahe. Demnach blicken die 272 von dem Institut befragten Finanzexperten deutlich optimistisch auf 2013, der entsprechende Index stieg auf den höchsten Wert seit Mai 2010.

Nach Angaben der Mannheimer Forscher liegt der zentrale Index für die Konjunkturerwartungen nun bei 31,5 Punkten – 24,6 Punkte mehr als davor. Auch die aktuelle wirtschaftliche Lage bewerteten die befragten Anleger und Analysten besser: Dieses Barometer stieg um 1,4 auf 7,1 Punkte und damit ebenfalls stärker als erwartet.

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Ausschlaggebend für den Optimismus ist vor allem, dass die Unsicherheit der Märkte über die Zukunft der Euro-Zone vorerst gesunken ist. "Die Experten verbinden mit der verbesserten Stimmung an den Finanzmärkten offenbar die Hoffnung, dass die Unternehmen zurückgestellte Investitionen nunmehr doch durchführen", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. "Allerdings wird die konjunkturelle Ausgangslage bei wichtigen Handelspartnern nach wie vor zu Recht schwach eingeschätzt." Dies lasse erwarten, dass die deutsche Wirtschaft 2013 "weiterhin moderat wachsen wird".

"Das ist ein Riesensprung"

Dennoch: Die ZEW-Umfrage signalisiert eine Rückkehr zu Wachstum zu Jahresbeginn, womit eine Rezession verhindert würde. Allerdings dürfte die Wirtschaft nur langsam wachsen. Die Bundesbank rechnet für das Gesamtjahr 2013 nur mit einem Plus von 0,4 Prozent, nach 0,7 Prozent 2012.

Die Zahlen aus Mannheim haben die Erwartungen an den Märkten dennoch deutlich übertroffen. Volkswirte hatten nur einen Anstieg auf 12 Punkte erwartet. "Das ist ein Riesensprung nach oben und eine positive Überraschung", sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. Das globale Umfeld habe sich verbessert – "von den aufgehellten Wachstumsperspektiven in China bis zur Auftragslage im deutschen Industriesektor".

Optimismus auch für den Euro-Raum

"Der Start in das neue Jahr ist mehr als gelungen", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Die US-Fiskalklippe sei vorerst umschifft worden, während Euro-Krisenländer wie Spanien deutlich niedrigere Zinsen für frisches Geld zahlen müssen. Sebastian Wanke von Sentix ergänzt: "Wir gehen davon aus, dass Euro-Land Ende dieses Quartals aus der Rezession findet, Deutschland ist dabei die Lokomotive".

Dies schlägt sich auch in den ZEW-Zahlen nieder: So erhöhten sich die Konjunkturerwartungen für die Euro-Zone um 23,6 Punkte ebenfalls deutlich auf nun 31,2 Punkte. Der Index zur Bewertung der aktuellen Konjunkturlage im Euro-Raum verbesserte sich ebenfalls leicht um 4,6 Punkte auf nun minus 75,3 Punkte.

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Leserkommentare
  1. <<< Sind das die gleichen "Experten"...
    ...die auch die Finanzkrise nicht vorhergesehen haben? <<<

    Ja, ZEW-Präsident Wolfgang Franz, gehört auch zu den orthodoxen Schelmökonomen im bezahlten Dienste der Wirtschaft, die glauben, bzw. behaupten, dass es einer Volkswirtschaft umso besser geht, je niedriger die Löhne sind und der auch keinerlei Problem in fortwährenden, staatlichen Leistungbilanzüberschüssen sieht.
    Franz hatte auch schon gefordert, die AlgII-Sätze um 1/3 zu senken, um den "Anreiz" zur Arbeitsaufnahme zu erhöhen und den Arbeitszwang auszuweiten.

    Dementsprechend würde ich diese neuste Hühnerknochenleserei vom ZEW als Durchhalteproganda betrachten.

    4 Leserempfehlungen
    • genius1
    • 22. Januar 2013 14:17 Uhr

    Wenn die Binnenkonjunktur nicht Wächst, dann müssen woanders die Importe wachsen!

    Nur: Wo ist da die nachhaltige Lösung der weltweiten Wirtschaftsprobleme?

    3 Leserempfehlungen
  2. Wenn man sich den ZEW-Index der vergangenen 5 Jahre ansieht und vergleicht, was jeweils in den Monaten danach tatsächlich eingetreten ist, dann liefert der derzeitige "Barometerstand" wahrlich keinen Anlass zu übertriebener Freude.

    Eine Leserempfehlung
  3. <<< Was ich bei dem Begriff 'Wirtschaftswachstum' noch nicht verstehe, ist der Bezug. Was wird womit verglichen, um von einem Wirtschaftswachstum zu sprechen? <<<

    Ganz klassisch:
    Eine Zunahme aller (legalen) geldvermittelten Tätigkeiten (bzw. Einkommen/Löhne aus Produktion und Verkauf von Waren & Dienstleistungen) innerhalb einer Volkswirtschaft (Staat), Export inklusive, im Vergleich zum letzten Bewertungszeitraum.

    Die Aussagenkraft ist generell gering; denn ob diese geldvermittelten Tätigkeiten irgendeinen Nutzen oder Sinn haben, spielt keine Rolle.
    So hatten die USA jahrelang "Wirtschaftswachstum" durch Finanzbetrügereien, während die industrielle Basis, die Grundlage von materiellen Wohlstand, erodierte.

    Wichtig ist nur, dass eingesetztes Kapital/Geld sich der Systemlogik entsprechend verwerten kann, mehr wird, sich das Investment lohnt. Ein selbstreferentieller Prozess, und damit prinziell sinnlos.

    Eine etwas andere Sicht hat der Debistismus auf Wachstum.
    Dort ist Wachstum der Zustand, bei dem durch Kredit mehr neue Schulden aufgenommen werden, als alte getilgt werden.
    Vergleichbar dem Aufrechterhalten eines Schneeball-Systems mittels ständiger Neukundengewinnung.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Trypsin
    • 22. Januar 2013 17:54 Uhr

    'Eine Zunahme aller (legalen) geldvermittelten Tätigkeiten (bzw. Einkommen/Löhne aus Produktion und Verkauf von Waren & Dienstleistungen) innerhalb einer Volkswirtschaft (Staat), Export inklusive, im Vergleich zum letzten Bewertungszeitraum'
    @zensurzeit
    Auch wenn jetzt diese Fragen für einen Experten lustig sind, frage ich trotzdem:
    Wenn Herr Ackermann statt 3 Mio. Euro dieses Jahr 4 Mio Euro bekommt oder ich letztes Jahr eine Aktie kaufte und sie dieses Jahr drei Mal an- und verkaufe und wenn ein Fernsehsender dieses Jahr mehr Werbung als letztes Jahr macht, ist das auch WiWa? Wenn Mercedes insgesamt mehr Autos verkauft als im Vorjahr, aber nur im Ausland und keines im Inland, ist das dann WiWa für Deutschland? Was ist, wenn eine Firma 40 Mill Euro Gewinn macht und 20 Mill in die Schweiz transferiert, werden dann die 40 oder die restlichen 20 Mill Euro in das WiWa eingerechnet?

    • Trypsin
    • 22. Januar 2013 17:54 Uhr

    'Eine Zunahme aller (legalen) geldvermittelten Tätigkeiten (bzw. Einkommen/Löhne aus Produktion und Verkauf von Waren & Dienstleistungen) innerhalb einer Volkswirtschaft (Staat), Export inklusive, im Vergleich zum letzten Bewertungszeitraum'
    @zensurzeit
    Auch wenn jetzt diese Fragen für einen Experten lustig sind, frage ich trotzdem:
    Wenn Herr Ackermann statt 3 Mio. Euro dieses Jahr 4 Mio Euro bekommt oder ich letztes Jahr eine Aktie kaufte und sie dieses Jahr drei Mal an- und verkaufe und wenn ein Fernsehsender dieses Jahr mehr Werbung als letztes Jahr macht, ist das auch WiWa? Wenn Mercedes insgesamt mehr Autos verkauft als im Vorjahr, aber nur im Ausland und keines im Inland, ist das dann WiWa für Deutschland? Was ist, wenn eine Firma 40 Mill Euro Gewinn macht und 20 Mill in die Schweiz transferiert, werden dann die 40 oder die restlichen 20 Mill Euro in das WiWa eingerechnet?

  4. Der IFO-Index ist als Prognose recht brauchbar.

    Der ZEW taugt dagegen gar nichts. Da muss ich mir nur die letzten 10 Jahre des Indexverlaufs und tatsächliche Entwicklung ansehen. Ist auch kein Wunder: Da urteilen Finanz"experten".

    Horoskope sind ähnlich "treffsicher".

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Da kann ich ihnen nur Volker Pispers empfehlen:

    http://www.youtube.com/wa...

  5. Die gegen eine Katze bei der Aktienauswahl (siehe Seite 20 der letzten ZEIT Ausgabe) verloren haben.
    O-Ton: "nach eingehender Analyse von Konjunktur und Bilanzen"

    oder hier:

    http://www.guardian.co.uk...

    Eine Leserempfehlung
  6. Da kann ich ihnen nur Volker Pispers empfehlen:

    http://www.youtube.com/wa...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, kg
  • Schlagworte Bundesbank | Euro-Zone | Finanzmarkt | Mannheimer | Rezession | China
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