Euro-KriseDraghi kritisiert Schäubles Haltung für Zypern-Hilfen

Finanzminister Schäuble hält Zypern für "nicht systemrelevant", EZB-Präsident Draghi sieht das anders: Eine Pleite Zyperns könne sich auch auf Griechenland auswirken.

In der Debatte über das geplante Hilfsprogramm für Zypern soll es Streit zwischen der Bundesregierung und der Europäischen Zentralbank (EZB) geben. Das berichtete das Nachrichtenmagazin Spiegel. Demnach widersprach EZB-Präsident Mario Draghi beim jüngsten Finanzministertreffen der Einschätzung von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), dass Zypern nicht systemrelevant sei und eine Pleite des Landes keine Gefahr für das Überleben der Euro-Zone bedeute.

So etwas höre er allerorten von Juristen, hielt Draghi dem deutschen Finanzminister entgegen. Die Frage, ob Zypern systemrelevant sei oder nicht, sei aber keine, die Juristen beantworten könnten. Das sei Sache von Ökonomen.

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Unterstützung bekam Draghi von EU-Währungskommissar Olli Rehn sowie dem Chef des Europäischen Rettungsschirms ESM, Klaus Regling. Das Trio hielt dem Finanzminister entgegen, dass die beiden größten Banken Zyperns ein ausgedehntes Filialnetz in Griechenland unterhielten. Wären ihre Einlagen nicht mehr sicher, könnte die Verunsicherung der Sparer schnell wieder auf griechische Banken überspringen. Griechenland drohe damit ein ernsthafter Rückfall.

Zypern hat ein Recht auf Hilfe

Zudem würde eine Pleite Zyperns die positiven Nachrichten zunichtemachen, die in jüngster Zeit für eine Beruhigung in der Euro-Zone gesorgt hätten, sagten Draghi und seine Kollegen. Alle Zeichen stünden seit Wochen auf Besserung. Die Risikoaufschläge auf spanische und italienische Staatsanleihen seien merklich zurückgegangen, und die Verrechnungssalden der nationalen Notenbanken, die ein gefährliches Ausmaß angenommen hatten, bildeten sich zurück.

Diese Erholung könne sich wieder umkehren, würde Zypern keine weitere Hilfe bekomme. Die Rückkehr Irlands und Portugals an die Finanzmärkte würde zudem durch einen solchen Schritt behindert. Als Letztes brachten Schäubles Widersacher auch noch ein juristisches Argument vor: Zypern trage seinen Anteil am Rettungsschirm, deshalb habe das Land ein Anrecht auf Hilfe.

Russland ist für weitere Kredite bereit

Der hoch verschuldete Inselstaat hatte im vergangenen Sommer einen Antrag auf Milliardenhilfen aus dem Euro-Rettungsfonds gestellt, weil seine Banken in Schwierigkeiten sind. Andernfalls drohe der Staatsbankrott. Allerdings wird eine Entscheidung über Hilfen frühestens nach den Wahlen in Zypern im Februar erwartet.

Russland würde dem Land nach den Worten von Regierungschef Dmitri Medwedew erneut einen Kredit gewähren – wenn auch die EU finanzielle Hilfe leistet. Moskau hatte Zypern im Jahr 2011 2,5 Milliarden Euro geliehen. Eine neue Milliardenspritze komme aber nur infrage, wenn Reformforderungen der EU erfüllt werden und auch die europäischen Partner Zypern Geld geben, sagte Medwedew beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Die Ratingagentur Fitch hatte Zyperns Kreditwürdigkeit am Freitag erneut gesenkt. Die Bonitätsnote wurde von BB- auf B reduziert, der Ausblick bleibt negativ. Damit droht der Republik eine weitere Herabstufung. Fitch begründete die erneute Herabstufung damit, dass das Volumen einer möglichen Stützung des Bankensektors die bisherigen Schätzungen übersteigen dürfte. Außerdem lasse die Rettung durch die anderen Euro-Zonen-Länder auf sich warten, sagten die Notengeber.

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Leserkommentare
    • Halapp
    • 27. Januar 2013 19:46 Uhr

    Die Europartner haben zwar vielem zugestimmt auf dem Papier,
    aber niemand kann sie zum Tun zwingen.
    Kann gut sein, daß die Südländer die Reformen entschleunigen, Frankreich den Standpukt vertritt im Krieg gelten keine Haushaltsprioritäten (US Vorlage)
    und Draghi sagt ich kann den Vorgaben der USA und Japan
    nicht entgegensteuern sonst wertet der Euro zu rasch auf.

    Sollte sich im Wahljahr herausstellen,daß Deutschland über
    den Verlauf der Krise über den Tisch gezogen wird und die deutschen Steuerzahler immer mehr in die Verlierrolle geraten (Prof. Sinn, wird es schwierig für die CDU.
    Dann könnte die Sehnsucht nach einem starken Mann aufkommen.
    Das wäre dann die Stunde für Steinbrück, er müßte dann die
    SPD-Südländer-Solidaritäts-Oper vom Spielplan nehmen und
    sagen was Sache ist. Das wäre dann die Geburtsstunde der
    Großen Koalition die dem Mehrheitswunsch der Wäler entspricht.

    2 Leserempfehlungen
  1. Meine ursprüngliche Begeisterung für dieses Duo hat sich, dank der unfähigen Politiker und Ökonomen, mittlerweile komplett in das Gegenteil verwandelt. Das ganze Europatheater läuft doch schon längst am Krückstock. Nur keiner von den "Eliten" dort oben wollen das wahrhaben. Sie würden ja ihr Gesicht verlieren.

  2. 43. warum

    regen wir uns auf schäuble und merkel stehen doch an erster stelle die die euro verträge unterschrieben haben und nun sind sie mal schnell gegen irgendwas wir haben wahlkampf merkt ihr noch was

    Eine Leserempfehlung
    • Belupoe
    • 28. Januar 2013 12:52 Uhr
    44. [...]

    Entfernt. Bitte überlassen Sie die juristische Einschätzung von Personen entsprechenden Instanzen. Danke, die Redaktion/ls

    Antwort auf "EZB-Präsident Draghi"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Mario Draghi | Wolfgang Schäuble | Dmitri Medwedew | Bundesregierung | CDU | Europäische Zentralbank
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