Strompreisbremse : Altmaier prophezeit Kosten von bis zu einer Billion für Energiewende

Der Umweltminister hat vorgerechnet, was die Energiewende in den kommenden 20 Jahren kosten könnte. Schlechte Nachrichten hat er außerdem in puncto CO2-Emissionen.
Verkleidet als CO2-Moleküle demonstrierten Umweltschützer im Dezember 2009 in Berlin © David Gannon/AFP/Getty Images

Die Debatte um steigende Strompreise ist um eine Zahl reicher: Bundesumweltminister Peter Altmaier bezifferte die möglichen Kosten der Energiewende auf bis zu eine Billion Euro – wenn die Ausgaben für die Förderung der Erneuerbaren Energien weiterhin ungebremst wachsen. Damit erhöht der CDU-Politiker den Druck auf Opposition und die Bundesländer, der von ihm und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler geplanten Strompreisbremse zuzustimmen.

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) verwies Altmaier auf die bisherige Praxis der Ökostromförderung. "Das alles kann dazu führen, dass sich die Kosten der Energiewende und des Umbaus unserer Energieversorgung bis Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts auf rund eine Billion Euro summieren könnten", sagte er. "Wenn wir nichts dagegen tun, werden wir diese Größenordnung erreichen."

Allerdings sagt der Minister in dem Interview nicht, welche Kosten auf Deutschland zukommen würden, wenn nicht in saubere Technologien investiert würde. Auch auf geringere Importkosten für fossile Energien geht Altmaier nicht ein – ein Umstand, auf den ihn unsere Redakteurin Marlies Uken per Twitter hinwies:

Energiewende wie Staatsverschuldung ernst nehmen

Ohne Kürzungen, so Altmaier, würden bis 2022 Einspeisevergütungen und Zahlungsversprechen von rund 680 Milliarden Euro auflaufen. "Dazu kommen dann noch die Kosten für den Netzausbau, für die Sicherstellung der Reservekapazitäten, für Forschung und Entwicklung, bis hin zur Elektromobilität und energetischen Gebäudesanierung." Durch die vorgeschlagene Strompreisbremse könnten die Ausbaukosten um bis zu 300 Milliarden Euro reduziert werden.

Die Ausgabensteigerungen bei der Energiewende verglich Altmaier mit der Staatsverschuldung, die auch lange Zeit nicht ernst genommen worden sei. "Ich will vermeiden, dass wir unseren Nachfahren eine ähnliche Belastung hinterlassen", sagte der Minister der FAZ und kündigte Verhandlungen mit SPD und Grünen an. "Ich lege großen Wert darauf, dass die Opposition bei der Strompreisbremse mit an Bord ist, und zwar unabhängig davon, ob der Bundesrat zustimmen müsse oder nicht." Deshalb werde er SPD und Grüne nicht aus ihrer Verantwortung lassen. "Ich werde alle Beteiligten zwingen, öffentlich Position zu beziehen."

Kompromiss bei Emissionshandel

Besorgt zeigte sich Altmaier angesichts steigender CO2-Emissionen. Im FAZ-Interview bezieht sich der Umweltminister auf vorläufige Zahlen: Diese würden zeigen, dass der Ausstoß von umweltschädlichen Klimagasen in Deutschland 2012 erstmals seit Jahren wieder gestiegen ist. Ein Grund dafür sei, dass hierzulande wieder mehr Braun- und Steinkohle zur Stromgewinnung eingesetzt wird. "Das kann uns nicht gleichgültig sein", sagte Altmaier. "Es gefährdet die Erfüllung unserer Klimaziele."

Diese Entwicklung wiederum wird begünstigt durch gesunkene Preise für Kohlendioxid-Verschmutzungsrechte – "es gibt keine Anreize, CO2 einzusparen", sagte der CDU-Politiker und kündigte an, sich hier mit seinem Kabinettskollegen Rösler zu einigen und eine europaweite Regelung zu unterstützen. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass es uns gelingen wird, in den kommenden Wochen mit einer gemeinsamen Position nach Brüssel zu gehen."

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Kommentare

124 Kommentare Seite 1 von 20 Kommentieren

Die wollen gar nicht "mit"!

Schauen Sie hier auf der Seite des BMFB: http://www.buergerdialog-...

Dieser Bürgerdialog ist ein einziges Kommunikationsdesaster: http://www.science-skepti...

Ich frage mich nur, warum die breite Ablehnung der Energiewende durch die Bevölkerung nicht medial kommuniziert wird. Stattdessen wird irgendetwas von „Mitnehmen der Bürger“ gefaselt. Nur die wollen gar nicht „mit“. Und was nun in einer Demokratie?