Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen fordert vom Versandhändler Amazon Aufklärung über die Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern. "Der Verdacht wiegt schwer, deswegen müssen jetzt so schnell wie möglich alle Fakten auf den Tisch", sagte die Ministerin der Welt am Sonntag.

Amazon steht nach einer ARD-Dokumentation über den Umgang mit Leiharbeitern wegen der Arbeitsbedingungen in seinen Logistikzentren in der Kritik. Die Menschen sollen von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein.

Von der Leyen warnte die Leiharbeitsfirma, die mit Amazon zusammenarbeitet, vor einem Lizenzentzug: "Sollte die Sonderprüfung ergeben, dass an den Vorwürfen gegen die Leiharbeitsfirma etwas dran ist, dann steht die Lizenz auf dem Spiel."

Der private Sicherheitsdienst Hensel European Security Services (HESS), der die zumeist ausländischen Mitarbeiter dem Bericht zufolge schikaniert haben soll, wehrte sich gegen die Anschuldigungen: "Den Vorwurf, unser Unternehmen pflege rechtsradikale Ansichten oder unterstütze diese, weisen wir zurück."

Das Unternehmen bestätigte aber, Zimmerdurchsuchungen durchgeführt zu haben. Diese seien zur "Dokumentation etwaiger Beschädigungen oder abhanden gekommener Sachen" im Einvernehmen mit dem Hotelbetreiber erfolgt und nicht rechtswidrig. Es gehöre zum Auftrag des Sicherheitsdienstes, "Hoteleigentum der unterbringenden Gastwirte vor Diebstahl und Beschädigung zu schützen."

Ständige Überwachung, Leibesvisitationen

Der ARD-Film hatte gezeigt, wie die Leiharbeiter von Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma gegängelt wurden. Ständig seien sie überwacht worden, schon beim Frühstück habe es Leibesvisitationen gegeben, die Zimmer seien regelmäßig durchsucht worden. Arbeiter etwa aus Spanien seien außerdem mit Lohnversprechungen angeworben worden, die später nicht eingehalten worden seien.

Die Saisonarbeiter seien in überfüllten Ferienbungalows einquartiert worden, die weit entfernt vom Arbeitsplatz gelegen seien. Von dort hätten sie täglich lange Busfahrten zu den Amazon-Versandzentren unternehmen müssen.

Die Gewerkschaft Verdi wirft Amazon schon seit Längerem vor, gerade Saisonkräfte schlecht zu bezahlen und etwa mit strengen Kontrollen und Überwachung zu gängeln. Amazon hatte angekündigt, die Vorwürfe zu prüfen.