Gesetzreform : Regierung droht Bankern mit Haftstrafen

Die Finanzkrise hatte in Deutschland für Top-Banker praktisch keine strafrechtlichen Folgen. Das soll sich ändern durch einen Gesetzentwurf der Bundesregierung.

Die Bundesregierung droht Bank- und Versicherungsmanagern mit harten Strafen und will sie damit bei riskanten Geschäften zu mehr Vorsicht zwingen. Die geplanten Änderungen sind Teil eines Gesetzpakets, über das das Kabinett an diesem Mittwoch entscheiden soll, hieß es aus Regierungskreisen. Es soll helfen, Finanzkrisen künftig zu verhindern.

In Deutschland ist seit Ausbruch der Krise praktisch kein Top-Banker vor Gerichten verurteilt worden. Weil offensichtlich in den Chefetagen aber folgenschwere Fehler gemacht wurden, will die Bundesregierung nun andere Saiten aufziehen.

Haftstrafen von maximal fünf Jahren

"Wir haben festgestellt, dass hier eine gewisse Regelungslücke besteht, die wir schließen wollen", sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter. Es sollen die Sorgfaltspflichten bei Risikogeschäften im Kreditwesengesetz genauer gefasst werden.

Verstößt ein Geschäftsleiter vorsätzlich gegen die Vorschriften für das Risikomanagement und führt das gleichzeitig zu einer Existenzgefährdung seines Unternehmens, soll das mit Haftstrafen von maximal fünf Jahren geahndet werden. Bei Fahrlässigkeit liegt der Strafrahmen niedriger.

Ein zweites Kernelement des Gesetzespakets betrifft das Spekulationsgeschäft der Banken. Dies sollen die Institute künftig in eine Tochter auslagern, die organisatorisch, rechtlich und wirtschaftlich eigenständig ist. Damit soll verhindert werden, dass das Einlagengeschäft großer Banken durch Spekulationen belastet wird.

Der dritte Teil des Pakets sieht vor, dass im Voraus Sanierungs- und Abwicklungspläne für Kreditinstitute erarbeitet werden müssen, die allein durch ihre Größe das ganze Finanzsystem bedrohen könnte, wenn sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Die Sanierungspläne sind Sache der Unternehmen, bei den Abwicklungsplänen spielt die Bonner Aufsichtsbehörde BaFin eine entscheidende Rolle. Ziel ist es, besser für Notfälle gewappnet zu sein. Zudem soll vermieden werden, dass nur der Steuerzahler als Nothelfer übrig bleibt.

Ob das Paket der Regierung noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden kann, ist offen. Zwar handelt es sich um ein Gesetz, das nicht der Zustimmung des Bundesrates bedarf. Allerdings kann die Mehrheit der SPD- und Grünen-geführten Regierungen in der Länderkammer das Vorhaben erheblich verzögern. Der Opposition gehen die Pläne Schäubles nicht weit genug. Im September 2012 hatte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ein Konzept zur Regulierung der Finanzindustrie vorgestellt. Banken seien "Dienstleister und keine Zockerbuden", schrieb Steinbrück in seinem Papier.
 

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Kommentare

59 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Haftstrafen.

Die Einführung von Haftstrafen ist sicherlich nur Symptombekämpfung, da stimme ich Ihnen zu.

Andererseits scheinen strafrechtliche Konsequenzen angebracht, liest man Berichte wie diesen:

http://www.zeit.de/studiu...

Der Praktikant bei einer Investmentbank in Frankfurt schreibt in dem verlinkten Leserartikel auch folgenden Absatz:

"Der erste Tag war aber schon komisch: Mein neuer Chef knallte mir ein Compliance-Handbuch auf den Tisch, 800 Seiten stark. "Das musst Du durcharbeiten." Compliance – Gesetzesvorgaben, ethische Kodizes – ist ja gerade im Nachgang der Finanzkrise ein wichtiges Thema geworden. Deshalb dachte ich, ich würde mich nun einige Stunden mit dem Buch auseinandersetzen. "Reichen dreißig Minuten?", fragte mein Chef."

Sofern dieser spezieller Fall die allgemeine Situation widerspiegelt, scheinen mir strafrechtliche Folgen für Fehlverhalten im Bankenbereich zunächst sehr willkommen.

[Nachtrag: Kommentar 23 sollte gleich eine Antwort auf Kommentar 2 sein. Ich bitte deshalb darum Kommentar 23 zu löschen.]

@Guenni_1

Diejenigen die in der Vergangenheit gegen das Gesetz verstoßen haben und nicht bestraft wurden, können Sie nicht nachträglich durch neue Gesetze bestrafen. Diese Leute müssen Sie durch die alten Gesetze bestrafen.

Wenn Sie sagen, dass im Bankwesen Dinge vorgefallen sind, die damals nicht strafbar waren, aber eigentlich strafbar sein sollten, wäre es wichtig, wenn Sie diese Vorgänge einmal etwas genauer benennen würden.