WirtschaftsleistungDeutschland schafft unerwartet hohen Überschuss

Trotz des Konjunktureinbruchs hat der deutsche Staat 2012 mehr eingenommen. Für die positive Bilanz sorgten vor allem die gut gefüllten Kassen der Sozialversicherungen.

Bund, Länder und Kommunen in Deutschland haben erstmals seit fünf Jahren wieder einen Überschuss erzielt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag dieser 2012 bei 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit um 0,1 Prozentpunkte höher als zunächst berechnet. Insgesamt nahm der deutsche Fiskus rund 4,1 Milliarden Euro mehr ein als er ausgegeben hatte.

Für den Überschuss sorgten in erster Linie die Sozialversicherungen. Wegen der hohen Beschäftigung sowie steigender Löhne steigerten sie ihre Einnahmen kräftig, so dass am Ende ein Plus von 17 Milliarden Euro übrig blieb.

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Der Fiskus profitierte zudem von der robusten Konjunktur im Gesamtjahr. 2012 war die deutsche Wirtschaft trotz der Euro-Schuldenkrise und der weltweiten Konjunkturabkühlung um 0,7 Prozent gewachsen.

Zum Jahresende allerdings konnte sich auch Deutschland dem negativen Trend nicht mehr entziehen. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im vierten Quartal um 0,6 Prozent und damit so stark wie seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise nicht mehr. Die Statistiker aus Wiesbaden bestätigten damit ihre erste Schätzung von Mitte Februar.

Gründe sind demnach vor allem fallende Exportquoten. Allein die Ausfuhren gingen verglichen zum Sommer um zwei Prozent zurück. Erstmals seit mehr als einem Jahr belastet damit der Außenhandel die exportverwöhnte deutsche Wirtschaft.

Zudem sanken die Investitionen: Für Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen gaben die deutschen Unternehmen zwei Prozent weniger aus als im Vorquartal, in Bauten wurde ebenfalls etwas weniger investiert. Allein der Konsum trug positiv zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Ökonomen schauen dennoch optimistisch auf 2013. "Die Daten vom vierten Quartal waren ein Ausrutscher, man muss die Zahlen jetzt abhaken", sagt etwa Ulrike Kastens, Analystin beim Bankhaus Sal. Oppenheim. "Für das laufende Quartal werden wir wieder Wachstum sehen." Auch Alexander Koch von Unicredit ist sich sicher: "Deutschland rutscht nicht in die Rezession". In der Industrie und beim Konsum habe man die Talsohle erreicht, die Unsicherheit der Anleger angesichts der Euro-Krise sei abgeflaut, die Märkte in China und den USA würden die Weltwirtschaft beleben. "Wer nach vorne blickt, erkennt einige Hoffnungsschimmer."

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Leserkommentare
  1. ... dass mit den Mehreinnahmen nun endlich der Abbau der Staatsverschuldung angegangen wird?

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    • Statist
    • 22. Februar 2013 9:57 Uhr

    0,2% mehr einnimmt, heißt das nicht, dass der Bund mehr einnimmt. Vielmehr handelt es sich um die Summe aller öffentlichen Kassen, und wie dem Text zu entnehmen war, haben v.a. auch die Sozialversicherungen einen Überschuss gehabt.

    Traurig ist eher, dass der Herr S. aus F. im B. nicht in der Lage war, trotz der relativ guten Gesamtumstände (aus deutscher Sicht) mal wieder ein bisschen Plus für den Bund rauszuholen. Er hätte die Möglichkeit gehabt, den Geldhahn abzudrehen, es obliegt seinem Ministerium, Verschwendung zu begrenzen, auch gegen den Willen seiner Koalition. Meines Erachtens nach wäre zumindest ein kleiner Überschuss möglich gewesen. Unglücklicherweise sind 2013 auch noch Bundestagswahlen, sodass ich nicht sehe, dass man 2013 ein Plus (im Bund) einfahren wird. Ich kann nur hoffen, dass wenigstens die Länder und Kommunen versuchen werden, ihre Ausgaben zu begrenzen und ggf. einen Teil ihrer Schulden abzubauen.

    Man wird wohl nicht umhin kommen, auch die Einnahmeseite etwas zu ändern. Unsere Unternehmen zahlten 2012 insgesamt etwa 42-43 Mrd Eur Gewerbesteuer (stat. Bundesamt), wovon Bund und Länder 1/5-tel einnehmen. Der Rest verbleibt bei den Stadtkämmerern. Diese wiederum nehmen - Gemeindeabhängig - zwischen nahe 0% und ca 50% (z.B. Wolfsburg) ihrer Gesamteinnahmen durch die Gewerbesteuer ein. Für mich eine deutliche Ungleichbehandlung, die nicht mehr mit "Risiken in der Vergangenheit übernommen" erklärt werden kann.

    • aapple
    • 22. Februar 2013 14:18 Uhr

    ...ENDLICH Maßnahmen für den sozialen Frieden durch Schaffung gerechter Verhältnisse einigermaßen zu gewährleisten und vor allen Dingen die drohende Welle von Altersarmut einzudämmen. Eine Schande für eines der reichsten Ländern der Erde die auf Kosten der Arbeitnehmer und normalen Bürger Gelder zu jedem Zweck parat hat, wenn es nur opportun ist.

    Nur weil Deutschland mit seinem gigantischen Exportüberschuss, der durch eine gezielte Umverteilung von unten nach Oben finanziert wurde, andere EU Länder so gnadenlos an die Wand fährt, muss Frankreich diesen Fehler nicht auch noch machen. Was Deutschland (Agenda 2010 von Schröder) initiiert hat ist eine gnadenlose Spirale nach unten durch Sozial- und Lohndumping auf dem Arbeitsmarkt! Es muss vor allem bedacht werden dass andere Euroländer nicht die gleiche Standortsvorteile wie Deutschland haben und daher schutzlos der deutschen Dominanz ausgeliefert sind, das ist Deutschland in der Vergangenheit nicht gelungen und das kann, darf und wird nicht jetzt gelingen!

    • afr
    • 22. Februar 2013 9:31 Uhr

    Unerwartet durch wem? Sicherlich durch die vielen Analysten, die uns Woche für Woche die Apocalypse voraussagen.

    Eine Leserempfehlung
    • genius1
    • 22. Februar 2013 9:46 Uhr

    Die Schuldenlage in Griechenland, Spanien, usw. Verschlechtert sich zusehends.

    Allen Unkenrufen zum Trotz, Kommentar 81, dürfte Wohl eher an der Wahrheit sein:

    http://www.zeit.de/politi...

    Das Aufbäumen des einen (Deutschlands) wird durch das Abstürzen der Anderen, die Wahrheit bald an die Oberfläche spülen!

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    • Statist
    • 22. Februar 2013 9:57 Uhr

    0,2% mehr einnimmt, heißt das nicht, dass der Bund mehr einnimmt. Vielmehr handelt es sich um die Summe aller öffentlichen Kassen, und wie dem Text zu entnehmen war, haben v.a. auch die Sozialversicherungen einen Überschuss gehabt.

    Traurig ist eher, dass der Herr S. aus F. im B. nicht in der Lage war, trotz der relativ guten Gesamtumstände (aus deutscher Sicht) mal wieder ein bisschen Plus für den Bund rauszuholen. Er hätte die Möglichkeit gehabt, den Geldhahn abzudrehen, es obliegt seinem Ministerium, Verschwendung zu begrenzen, auch gegen den Willen seiner Koalition. Meines Erachtens nach wäre zumindest ein kleiner Überschuss möglich gewesen. Unglücklicherweise sind 2013 auch noch Bundestagswahlen, sodass ich nicht sehe, dass man 2013 ein Plus (im Bund) einfahren wird. Ich kann nur hoffen, dass wenigstens die Länder und Kommunen versuchen werden, ihre Ausgaben zu begrenzen und ggf. einen Teil ihrer Schulden abzubauen.

    Man wird wohl nicht umhin kommen, auch die Einnahmeseite etwas zu ändern. Unsere Unternehmen zahlten 2012 insgesamt etwa 42-43 Mrd Eur Gewerbesteuer (stat. Bundesamt), wovon Bund und Länder 1/5-tel einnehmen. Der Rest verbleibt bei den Stadtkämmerern. Diese wiederum nehmen - Gemeindeabhängig - zwischen nahe 0% und ca 50% (z.B. Wolfsburg) ihrer Gesamteinnahmen durch die Gewerbesteuer ein. Für mich eine deutliche Ungleichbehandlung, die nicht mehr mit "Risiken in der Vergangenheit übernommen" erklärt werden kann.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Darf man hoffen..."
  2. Oder doch nicht? Gerade gesehen:
    http://www.spiegel.de/wir...

    Schön auch, dass solche Artikel immer mit einem Foto irgendeiner Hafenanlage mit Kontainern oder sonstigen Exportgütern "angereichert" werden.

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  3. Deutschland hat keinen Überschuss geschafft, onder eine ganze Menge neuer Schulden.

    Und Finger weg von den Sozialkassen, denn die werden von deren Einzahler gefüttert und haben im Steuersäckel des Staates nichts verloren!

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  4. das Kapital schöpft ihn ab. Die Löhne in der BRD liegen unter denen von 2000. Und die Löhne von 2000 lagen unter denen von 1989.

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  5. ... denn Geld verteilen und diesen Prozess überwachen können Politiker und Beamte besser als die Bürger.

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    Sie etwa? Oder nicht doch vielleicht lieber ich? Oder wie wär's mit einer Casting-Show auf RTL: Deutschland sucht den Verteiler?...

    Mal im Ernst:
    Wie schon im Artikel angedeutet und von den Vorkommentatoren nochmals betont: Wir sind Lichtjahre davon entfernt, im Geld zu schwimmen. Zudem ist die Erhebung von Steuern auch immer eine Frage der (Leistungs-)Gerechtigkeit, von der wir ebenfalls immer noch bzw. mehr denn je sehr weit entfernt sind.

    Von daher können erstens Steuersenkungen im großen Stil nach wie vor kein Thema sein (punktuell sehe ich allerdings Ausnahmen). Im Gegenteil darf, nein: muss man, zweitens, nach wie vor sehr wohl intensiv über partielle Steuererhöhungen nachdenken. Drittens ist ein Wehklagen über unfähige Politiker in diesem Zusammenhang zwar verständlich aber eben auch müßig (siehe oben).

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, kg
  • Schlagworte Außenhandel | Bruttoinlandsprodukt | Euro | Euro-Krise | Fahrzeug | Finanzkrise
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