Demonstration gegen Lebensmittelspekulation in Frankfurt (Archiv) ©REUTERS/Kai Pfaffenbach

In der Deutschen Bank und dem Versicherungskonzern Allianz gibt es entgegen öffentlicher Äußerungen sehr wohl Vorbehalte gegen die Spekulationen mit Nahrungsmitteln. Die Verbraucherorganisation Foodwatch veröffentlichte sechs Papiere aus den Forschungsabteilungen der beiden Unternehmen. Darin warnen Experten, dass Spekulation zu Preissteigerungen und damit zu Hunger führen können. Hauptursachen für die Teuerung sind demnach aber steigende Nachfrage und die wachsende Biokraftstoff-Produktion.

Deutsche Bank und Allianz hatten in den vergangenen Monaten trotz Kritik erklärt, sie wollten weiterhin Agrar-Index-Fonds verkaufen. Zur Begründung verwiesen sie auf eigene Untersuchungen, die keinen Zusammenhang zwischen der Spekulation auf Nahrungsmittel und Preissteigerungen finden konnten.

Foodwatch veröffentlichte nun ein "ausschließlich zur internen Nutzung, vertraulich" gekennzeichnetes Allianz-Papier, worin es heißt: Es sei doch "wahrscheinlich", dass "spekulative Kapitalströme die Preisentwicklung zumindest verstärkt haben". In einem anderen Papier von 2008 heißt es: "Die Preisausschläge an den Agrarmärkten wurden durch spekulative Faktoren nicht ausgelöst, aber verstärkt."

In den von Foodwatch veröffentlichten Dokumenten der Abteilung Deutsche Bank Research heißt es, "auch die Spekulation hat zu Preissteigerungen beigetragen". Und weiter: "Solche Spekulationen könnten für Landwirte und Verbraucher gravierende Folgen haben und sind im Prinzip nicht akzeptabel."

Foodwatch wirft Unternehmen Täuschung vor

Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode sagte, der eigentliche Skandal sei, dass Deutsche Bank und Allianz ganz genau wüssten, welchen Schaden sie mit ihren Finanzprodukten anrichteten, die Öffentlichkeit aber täuschten. Foodwatch forderte beide Unternehmen auf, sämtliche Finanzprodukte, die auf die Preisentwicklung von Agrarrohstoffen wetten, sofort vom Markt zu nehmen.

Mehrere Banken, darunter die britische Barclays-Bank und die DekaBank als Fondstochter der Sparkassen, sind aus dem Geschäft mit Agrar-Index-Fonds ausgestiegen. Wie Foodwatch hat auch Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) wiederholt die Spekulation mit Nahrungsmittelrohstoffen kritisiert.

In der Wissenschaft umstritten

Etliche Agrarökonomen und Finanzmarktforscher haben in den vergangenen Jahren die Preisentwicklung von Grundnahrungsmitteln untersucht. Der Effekt von Spekulationen auf den Lebensmittelpreis bleibt umstritten. Die meisten Studien kamen zu dem Schluss, dass Investitionen in Agrar-Indexfonds für die starken Preisausschläge nicht verantwortlich waren. Es gibt aber auch Untersuchungen, die zu dem Ergebnis kommen, dass etwa der Soja- und Getreidepreis durch Spekulationen nach oben getrieben wurde.