Wenn das keine Überraschung ist: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) entpuppt sich in diesen Tagen als der beste Lobbyist der Solarbranche. Er vertritt die Interessen der Solarfreunde nicht nur hartnäckiger als Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU). Selbst den Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Jürgen Trittin, stellt der FDP-Chef in den Schatten wenn es gilt, die Privilegien der Solarbranche zu sichern. Obwohl Rösler gerne den Radikalreformer in Sachen Förderung der erneuerbaren Energien gibt, lassen die Spuren, die er in der Strompreisdebatte der vergangenen Tage hinterlassen hat, daran keinen Zweifel.

Konkret geht es um die Verbraucher, die ihren Strom selbst erzeugen. Diese sogenannten Eigenverbraucher müssen bisher keine EEG-Umlage zahlen. In dem Umlagetopf fehlen deshalb insgesamt rund zwei Milliarden Euro. Müssten auch die Eigenverbraucher die Umlage in Höhe von knapp 5,28 Cent pro Kilowattstunde zahlen, dann wäre der Obolus für alle etwas niedriger.

Deshalb machen sich sogar die Grünen dafür stark, das Eigenstromprivileg abzuschaffen. In ihren Anfang der Woche vorgelegten "Vorschlägen zur Entlastung der Stromkunden" heißt es unmissverständlich: "Alle Stromverbraucher müssen einen angemessenen Anteil zur Finanzierung der Energiewende leisten – denn sie profitieren auch davon. Eigenstromverbrauch ist daher in die EEG-Umlage einzubeziehen." Punkt.

Grün und Schwarz sind sich da einig. Auch Umweltminister Altmaier hatte in seinem Vorschlag zur "Strompreis-Sicherung" erst Ende Januar versprochen, "die zunehmende Entsolidarisierung bei der EEG-Umlage durch Eigenproduktion und -verbrauch zu stoppen". Grundsätzlich sollten "alle, auch diejenigen, die ihren Strom selbst produzieren und verbrauchen, an der Finanzierung der Energiewende in einem vertretbaren Umfang beteiligt werden", heißt es in dem Altmaier-Papier. Wohlgemerkt: "Alle" will Altmaier zahlen lasse, ohne Ausnahme. Auch ohne Ausnahme für die Betreiber von Solaranlagen.

Schnee von gestern. Kurz vor dem Bund-Länder-Gespräch zum Strompreis am Donnerstag präsentierten Altmaier und Rösler einen "Gemeinsamen Vorschlag zur Dämpfung der Kosten des Ausbaus der Erneuerbaren Energien". Und siehe da: Plötzlich soll das Gros der Solaranlagen von jeglicher Umlagezahlung befreit bleiben. "Es wird eine Mindestumlage für alle Anlagen eingeführt", heißt es im Altmaier-Rösler-Papier. "Ausgenommen sind Anlagen mit einer Leistung von weniger als zwei Megawatt." Das sind praktisch alle Solaranlagen, mit Ausnahme der großen Solarparks, die ihren Strom allerdings ohnehin nicht selbst verbrauchen.

Glückwunsch, Philipp Rösler – für diese Leistung zu Lasten aller Stromverbraucher.