GehaltsprüfungEU begrenzt erstmals Banker-Boni

Banken müssen Bonuszahlungen ihrer Mitarbeiter absehbar beschränken. Die neue Regelung der EU ist Teil eines Gesetzespakets, das Bankenpleiten verhindern soll.

Vertreter des Europaparlaments und der irischen EU-Ratspräsidentschaft haben sich darauf geeinigt, die Bonuszahlungen für Banker einzuschränken. "Zum ersten Mal in der Geschichte der EU-Finanzmarktregulierung werden wir die Banker-Boni begrenzen", sagte der Verhandlungsführer des Parlaments, Othmar Karas in Brüssel.

Die Regeln sollen sicherstellen, dass die Vergütungspraxis der Banken nicht zu einer exzessiven Risikobereitschaft ihrer Angestellten führt, sagte Irlands Finanzminister Michael Noonan. Banker-Boni dürfen künftig nicht mehr höher sein als das feste Grundgehalt. "Das heutige Verhandlungsergebnis deckelt die Bonuszahlung grundsätzlich auf die Höhe des Fixgehalts. Das bedeutet eine Revolution im Finanzmarkt, wo Verzehnfachungen des Gehalts keine Seltenheit sind", sagte der SPD-Abgeordnete Udo Bullmann.

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Wichtig an dem neuen Gesetzespaket seien auch die neuen Eigenkapitalregeln. Mit höheren Kapitalanforderungen soll verhindert werden, dass Banken zu hohe Risiken eingehen und erneut in eine Finanzklemme geraten, aus der sie mit dem Geld der Steuerzahler gerettet werden müssten. Ab kommendem Jahr müssen die Kreditinstitute mehr Geld bereithalten, um ihre Geschäfte abzusichern.

Kreditvergabe an Mittelstand

Laut Verhandlungsführer Karas soll sich auch die Kreditvergabe an den Mittelstand vereinfachen. "Das neue Bankengesetz ist nicht nur ein Stück Bankenregulierung, sondern dient der Finanzierung der realen Wirtschaft", sagte Karas.

Die Bonus-Grenze hat das Parlament gegen monatelangen Widerstand der Mitgliedstaaten durchgesetzt. Vor allem Großbritannien, wo der Finanzsektor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, sperrte sich gegen den Eingriff in die Rechte der Banken. Die Mitgliedstaaten hatten auf Ausnahmen gedrängt. Im Detail werden die Regelungen noch vorgestellt, sie sollen Anfang nächsten Jahres greifen. Die EU-Mitgliedsstaaten müssen dem Kompromiss noch zustimmen.

Die Regelung ist Teil des Gesetzespakets zur Umsetzung der internationalen Eigenkapitalregeln, kurz Basel III genannt, in EU-Recht. Es ist die wichtigste Reaktion der Politik auf die Bankenkrise.
 

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Leserkommentare
    • tufelix
    • 28. Februar 2013 8:25 Uhr

    Denn es wird bereits kolportiert, dass die Banken vermutlich die Gehälter stark anheben werden, um höhere Boni zahlen zu können.

    6 Leserempfehlungen
  1. soll das greifen? wahrscheinlich erst wenn es zu spät ist und die alle ihre schäfchen ins trockenen gebracht haben.

    4 Leserempfehlungen
  2. "Die Bonus-Grenze hat das Parlament gegen monatelangen Widerstand der Mitgliedstaaten durchgesetzt."

    Dann beginne ich vielleicht doch, an den Sinn dieses Parlaments zu glauben...

    "Die EU-Mitgliedsstaaten müssen dem Kompromiss noch zustimmen."

    ...ach so, dann also doch nicht, bin auf die Verwässerungen und Ausnahmen gespannt (wenn wir davon je erfahren werden).

    Allerdings sollten wir uns schon über diese Anfänge sehr freuen, denke ich.

    8 Leserempfehlungen
    • Gerd R
    • 28. Februar 2013 8:27 Uhr

    die Vorschläge scheinen in die richtige Richtung zu gehen (wenn sie denn wirklich kommen), aber wie löst das die aktuellen Probleme? Aktuell stehen Zahlen im Raum von 9200 Milliarden Bankschulden, die peu à peu mittels EZB auf den Steuerzahler umgelegt werden:

    http://www.dradio.de/dlf/...

    Je länger wir auf den Crash warten, desto mehr schaffen es die oberen 1% diese 9200 Milliarden auf die unteren 99% umzuverteilen.

    http://www.youtube.com/wa...

    Aber die Medien scheint das nicht zu interessieren.

    8 Leserempfehlungen
  3. Bildlich dargestellt ist das Entlohnungssystem eine Pyramide. Man ziehe genau in der Mitte einen waagerechten Strich. Die obere kleine Spitze wären dann die Bonus-Berechtigten, der untere breite Pyramidenstumpf veranschaulicht die Miese-Macher unter den Brokers.
    Wie gesagt, das Geld ist immer nur wo anders.

    2 Leserempfehlungen
  4. wie Performance, Boni, Incentive und generell Income Plaene in Finanzunternehmen gezimmert werden, kann ueber diese Meldung, die wohl zur Beschwichtigung des "Souveraens" gedacht ist, nur muede lachen.

    Der bruesseler Wasserkopf zeigt hier mal wieder anschaulich seine immense Entfernung zur Relitaet, aber wir bezahlen das ja..

    6 Leserempfehlungen
  5. Banker und Wirtschaftsführer sollen durchaus nach Leistung bezahlt werden. Jedoch kann man die Boni und auch die hohen Abfindungen bei "Versagen und vorzeitigem Ausscheiden" als normaler Mensch nicht mehr nachvollziehen.

    Ob es hier ein Gesetz braucht ist fragwürdig. Ein Gesetz und höhere Strafen bei Bilanzfälschung und Betrug und die Einziehung der Vermögenswerte der Betrüger währe der richtige Weg.

    3 Leserempfehlungen
    • Kiira
    • 28. Februar 2013 8:49 Uhr

    völlig Wirkungslos, befürchte ich. Es wird keine zwei Monate dauern, bis die Banken irgendwelche Offshore-Fonds einrichten werden, in denen die restlichen neun Zehntel der Boni angesammelt werden. Man müsste die neue Regelung sofort daraufhin untersuchen, ob die Schlupflöcher nicht schon irgendwo eingebaut sind.

    Die anderen beiden Regeln könnten vielleicht funktionieren. Die höhere Eigenkapitalquote ist sinnvoll und einigermaßen kontrollierbar. Aber: Geben die Banken wirklich so wenige Kredite, nur weil die Abwicklung kompliziert ist?

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