FinanzmarktItalien-Wahl setzt Anleihen unter Druck

Das Wahl-Patt lässt Symptome der Euro-Krise zurückkehren: Für die Krisenländer verschärft sich die Lage an den Anleihemärkten. Auch die Aktienmärkte reagieren negativ.

Die Mailänder Börse

Die Mailänder Börse  |  © Alessandro Garofalo/Reuters

Der drohende politische Stillstand in Italien hat direkte Folgen auf den Anleihemärkten für die Krisenländer Südeuropas. Die Beschaffung von Krediten wird teurer. In einer ersten Reaktion auf das Wahlergebnis stiegen Renditen mit Laufzeiten bis zu zwei Jahren besonders stark in Portugal, gefolgt von Italien und Spanien. Auch im richtungsweisenden Laufzeitbereich von zehn Jahren gerieten Anleihen der drei Länder Südeuropas unter Druck. Der Aktienmarkt in Italien verbuchte hohe Verluste.

In Portugal erhöhte sich die Rendite zweijähriger Staatsanleihen am Dienstagvormittag um 0,8 Prozentpunkte auf 3,7 Prozent. In Italien und Spanien stieg der Effektivzins um jeweils knapp 0,4 Punkte auf 2,07 und 2,95 Prozent. Zehnjährige Anleihen rentierten in Spanien etwa 0,4 Punkte höher bei 5,5 Prozent. In Italien stieg die Zehnjahresrendite um 0,36 Punkte auf 4,8 Prozent.

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Deutsche Staatsanleihen, die unter Anlegern als sicherer Hafen gelten, erhielten im Gegenzug Zulauf. Der als richtungsweisend geltende Terminkontrakt Euro-Bund-Future stieg zeitweise um fast einen ganzen Punkt auf 144,95 Zähler. Im Gegenzug fiel die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen deutlich um 0,08 Prozentpunkte auf 1,47 Prozent.

Dax sackt in ersten Minuten um 2 Prozent ab

Auch am deutschen Aktienmarkt brachte der Wahlausgang in Italien deutliche Kursverluste. Der Leitindex Dax sackte in den ersten Minuten um 2,14 Prozent auf 7.606 Punkte ab. Der MDax büßte 1,65 Prozent auf 12.924 Punkte ein, und der TecDax verlor 1,82 Prozent auf 896 Punkte.

An der Mailänder Börse in Italien sackte der FTSE MIB nach Handelsstart deutlich unter die 16.000-Punkte-Marke und verlor 4,51 Prozent. Noch am Vortag hatte der Mailänder Leitindex 0,73 Prozent fester geschlossen.

"Berlusconi hat wohl das politische Comeback des Jahrhunderts geschafft – oder kann zumindest eine Hängepartie erzwingen", sagte Händler Jordan Hiscott von Gekko Markets. Beides sei Gift für die Aktienmärkte. In der drittgrößten Euro-Volkswirtschaft könnte es nach den bisherigen Ergebnissen zur politischen Blockade kommen.

Die Furcht vor politischem Stillstand in Italien drückte auch den Euro auf ein Sieben-Wochen-Tief. Er verbilligte sich auf bis zu 1,3037 Dollar, nach 1,3061 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss. "Jeder hatte gedacht, dass in Europa das Schlimmste vorüber sei", sagte ein Börsianer. "Aber offenbar kommen in Italien neue Probleme auf uns zu."
 

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Leserkommentare
  1. ...wird deutlich, wo & woran der Wert europäischer Demokratien gemessen wird:

    an den Börsen und mit Aktienindices.

    Armes Europa, arme Demokratie....

    27 Leserempfehlungen
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    ... einer derartigen Abhängigkeit von den internationalen Finanzmärkten ist das aber auch kein Wunder.

    Wie so viele andere Länder hat sich auch Italien in eine Abhängigkeit von Geldgebern / Gläubigern begeben. Und diese sind nun einmal an den Börsen dieser Welt unterwegs.
    Und das bei einem derart umstrittenen Politiker wie Silvio B. und seiner "alle-sind-schuld-nur-wir-nicht"-Politik, bei der unklar ist, ob Gläubiger ihr Geld wiederbekommen, entsprechende Reaktionen hervorgerufen werden, dürfte nicht überraschen.
    Er hat Italien viele Jahre lang auf die Wand zugesteuert und mit den billigen Zinsen seit der Euro-Einführung die Geschwindigkeit noch erhöht.
    Hoffentlich tritt das Land unter seiner Führung aus dem Euro aus, das wäre für alle ein Segen. Und dann kann er mal zeigen, ob er es drauf hat, ein Land erfolgreich zu führen. Wenn die italienischen Menschen das so wollen, kein Problem. War nett mit euch in EU und Euro......

    wenn Sie jemanden Geld leihen, wollen Sie dieses auch wieder zurück oder Sie schenken es ihm gleich. Aber das heißt dann Schenken und nicht leihen. Wenn nun die Gefahr groß ist, dass Sie ihr Geld nicht mehr zurückbekommen, dann verleihen Sie keines oder sie schenken es - weil Sie genug davon haben - oder Sie wollen einen Risiko-Ausgleich in Form höherer Zinsen.

    zwangsläufig den Erfolg des politischen Handelns. Wurde politisch klug gehandelt, werden wir reicher, tun wir es nicht, werden wir ärmer.
    Man muß einfach zur Kenntnis nehmen, daß die Politiker durch ihre verantwortungslose Kreditpolitik der vergangenen Jahrzehnte die Währung an die Wand gefahren haben. Nur mit einem finanziellen Kraftakt hat man den Bankensektor in der Eurokrise noch stützen können. Bei jedem kleinen "politischen Schnupfen" wird der Euro gleich eine Lungenentzündung bekommen.

    • Xdenker
    • 27. Februar 2013 2:10 Uhr

    Das Volk kann sich zwar in einer demokratischen Wahl gegen die wirtschaftliche Vernunft (oder überhaupt gegen die Vernunft) wenden. Aber es kann nicht verhindern, dass sich die wirtschaftliche Vernunft dann auch gegen das Volk wendet. Zum Beispiel dadurch, dass die Zinsen steigen, Investitionen ausbleiben, die Produktion schrumpft, die Einkommen sinken etc., weil die notwendigen Reformen ausbleiben. Wie schon erwähnt, diese Wahl kann ihm niemand nehmen. Das Recht auf Armut ist schließlich unantastbar.

    Sich gegen die Reformen zu stellen, die das Land derzeit durchmacht und stark belastet, wäre nur dann vernünftig, wenn italien aus der Währungsunion ausschiede. Dann könnte es sich der Bürde der inneren Abwertung entledigen. Die Wirtschaft käme allein durch die mit der Rückkehr zu einer eigenen Währung verbundenen Wechslkursanpassung bei deutlich geringeren sozialen Belastungen wieder auf die Füße.

    Mittel- bis langfristig führte aber auch dieser Weg nicht an Reformen vorbei, wie sie von der Troika derzeit erwartet werden.

    • Chali
    • 26. Februar 2013 10:45 Uhr
    2. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

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  2. "Auch die Aktienmärkte reagierten negativ."

    Warum wählen dann die Aktienmärkte nicht einfach selbst die Regierung?
    Achso, da soll's ja hingehen...

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    • Moika
    • 26. Februar 2013 12:03 Uhr

    Was soll das? Schließlich ist jeder zunächst einmal für sich selbst verantwortlich - eben auch die Italiener für Italien. Das muss man einfach akzeptieren.

    Daß ihr Wahlverhalten direkt auf die wirtschaftlichen Befindlichkeiten durchschlagen kann, werden sie noch lernen müssen - und so mancher Lernprozeß kann, wie wir wohl alle wissen, sehr, sehr schmerzhaft sein.

    Da haben wir Deutschen doch einen sehr wahren alten Spruch:

    Es ist des Menschen größtes Leid,
    was der Mensch sich selbst andeit....

  3. "Jeder hatte gedacht, dass in Europa das Schlimmste vorüber sei", sagte ein Börsianer. "Aber offenbar kommen in Italien neue Probleme auf uns zu."

    Nicht nur dort. Wobei es sich bei den neuen Problemen um alte Probleme handelt. Bei der Flickschusterei in der EU ist irgendwann einmal Schluß, die Bank pleite - gesprengt.

    13 Leserempfehlungen
  4. „Italien-Wahl setzt Anleihen unter Druck“ Kann man so sehen, ist aber nur die halbe und nicht die wirkliche Wahrheit. Investoren (die Anleihen kaufen) setzen Italien unter Druck, indem sie einfach mehr Zinsen verlangen. Die Investoren wollen klar machen: So geht’s nicht. Entweder ihr tanzt nach unserer Pfeife oder wir machen euch das Regieren schwer bis unmöglich. Und wenn ihr nicht schnell spurt, wird es noch teurer.

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    Man leiht sich günstig Geld, stellt sich dann hin und tut kund, dass man nicht gedenkt, es zurückzuzahlen (Grillo) oder pumpt es in leere Versprechungen, lieber aber noch in die eigene Tasche (Berlusconi) - und wenn einem der Rest der Welt dann kein Geld zu Niedrigzinsen mehr leihen will, sind die anderen die Bösen.

    einen Schweden und einen Italiener. Beiden leihe ich mein Auto, einigermaßen sauber und vollgetankt. Vom Schweden bekomme ich das Auto sauber und vollgetankt zurück. Der Italiener gibt mir das Auto zurück, Tank halb leer, im Auto liegen Bonbonpapiere, gebrauchte Taschentücher usw.
    Jetzt fragen mich die beiden wieder, ob ich ihnen mein Auto leihe! was mache ich? Mein schwedischer Nachbar bekommt mein Auto sauber und vollgetankt, der italienische Nachbar bekommt mein Auto mit fast leerem Tank und mit meinen letzten Parkscheinen!
    Deshalb verlangen die Banken von den Deutschen so wenig Zinsen und von den Italienern so viele, das ist Risikoausgleich. Denn wenn Berlusconi den Bürgern die Immobiliensteuern zurückgibt, wovon soll er dann demnächst die laufenden Zinsen und die Gehälter der Angestellten bezahlen. Die Banken werden ihm kein Geld mehr geben. Und die Schüler können zu Hause bleiben, weil die Lehrer nicht zur Arbeit kommen und der Müll bleibt liegen, weil auch die Müllwerker nicht zur Arbeit kommen. Denn sie bekommen kein Gehalt!
    pauker im ruhestand

    erster Gedanke.
    Neben dem, dass eine Wahl offenbar Anleihen unter Druck setzen kann, also zwei subjektlose Abstrakta aufeinander reagieren, reagiert in der Artikelüberschrift das wahrscheinlich arme, ungeschützte Abstrakta Anleihe auf den einseitigen Druck des bösen Italien-Wahl-Abstrakta.

    Nebulös wie die Fahrtbeschreibung der Kanzlerin in Bezug auf die Krisensafari.

    na ja, ihr Italiener könnte ja auch ein Deutscher und ihr Schwede ein Molluke sein.

    Also ich würde dem Deutschen dann mein Auto gar nicht mehr leihen, sondern ihm mit leerem Tank und altem Staubsauger verkaufen.

  5. ... einer derartigen Abhängigkeit von den internationalen Finanzmärkten ist das aber auch kein Wunder.

    Wie so viele andere Länder hat sich auch Italien in eine Abhängigkeit von Geldgebern / Gläubigern begeben. Und diese sind nun einmal an den Börsen dieser Welt unterwegs.
    Und das bei einem derart umstrittenen Politiker wie Silvio B. und seiner "alle-sind-schuld-nur-wir-nicht"-Politik, bei der unklar ist, ob Gläubiger ihr Geld wiederbekommen, entsprechende Reaktionen hervorgerufen werden, dürfte nicht überraschen.
    Er hat Italien viele Jahre lang auf die Wand zugesteuert und mit den billigen Zinsen seit der Euro-Einführung die Geschwindigkeit noch erhöht.
    Hoffentlich tritt das Land unter seiner Führung aus dem Euro aus, das wäre für alle ein Segen. Und dann kann er mal zeigen, ob er es drauf hat, ein Land erfolgreich zu führen. Wenn die italienischen Menschen das so wollen, kein Problem. War nett mit euch in EU und Euro......

    7 Leserempfehlungen
  6. Mal gucken wie lange es dauert bis Monti wieder übernehmen "muss".
    Sollte das passieren wird erneut deutlich wie ausgehölt der Demokratiebegriff ist.
    An Zeit online: BITTE BITTE berichtet einmal kritisch über Meldungen aus dem System! Es kann nicht sein das ein Volk wählt und daraufhin die Anleihen unter Druck geraten.

    Dieser Artikel zeigt deutlich wer die Hosen anhat: Die Wirtschaft!
    Die Politik hat ihre Aufgabe schon vor langem aufgegeben und scheint sich nur noch selbst zu bereichern. Keine Reformvorschläge (außer die von der Wirtschaft oktroiierten) und keine Visionen, Politiker machen höchstens noch schadensbegrenzung. Ihre Möglichkeiten zur Förderung einer guten Gesellschaft sind verbraucht und werden Marktmenchanismen angepasst!

    Ich will nicht nur als Humankapital gesehen werden, und die Menschen in den Dritte Welt Ländern nicht als nichtvorhandene Konsumenten.

    18 Leserempfehlungen
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    denn wenn ich nicht zuverlässig meine Zinsen bezahle, dann! Oder haben Sie keine Schulden? Dann können Sie auch nicht wissen!

    • rjmaris
    • 26. Februar 2013 11:27 Uhr

    Das ist die halbe Wahrheit. Wer ein Haus kauft, tut immer gut daran, keine unnötigen Risiken einzugehen. Abhängigkeits=Erpressungs-Gefahr). Ein Hilfsmittel dabei sind die Zinsvereinbarungen. Aber dennoch gibt es Risiken (man wird dauerhaft krank usw.). Insofern liegt der Fehler bei Italien.
    Andersherum wird keine vernünftige Bank eine Hypothek geben, wenn die Risikoeinschätzung negativ ist. Auch wenn eine Immobilie als Sachwert meistens eine gute Sicherheit für die Bank ist. Insofern liegt der Fehler AUCH bei den Geldgebern, zumal im Falle von Staatsanleihen Italien weniger Sicherheit bietet als der durchschnittliche Hypothek.

    Also die Lösung? Haircut! Das haben wir den Griechen auch zugestanden, und die Märkte hatten darauf katastrophal reagiert (siehe http://www.zeit.de/wirtsc... ): "Im Juli 2011 griffen die Turbulenzen dann schlagartig auf die gesamte Währungsunion über. Der Beschluss, griechische Staatsanleihen umzuschulden, löste eine Panik an den Anleihemärkten aus. Sie griff im August auf die Aktienmärkte über und lähmte ab Herbst die gesamte Euro-Konjunktur."

    Der Schuldenschnitt MUSS eine konzertierte Aktion ALLER Industrieländer sein. Dann hat das Kapital keine Ausweichmöglichkeit mehr. Siehe auch http://www.zeit.de/2013/0...
    "Die Wahrheit ist, dass die Industrieländer einen Großteil ihrer Schulden nicht mehr zurückzahlen können (...). Die Gesamtlast ist zu hoch".

    Auch der hiesige Qualitätsjournalismus begreift sich nur noch als Verbreiter von ausgewählten Informationen und Meinungen.

    Vermutlich ist vielen das Thema zu komplex, sie sind überfordert, andere weigern sich selbst nachzudenken.

    Wir haben eine Systemkrise der Politik, der Presse und auch der Bürger, die sich darum nicht kümmern.

    Imgrunde war die EU (+ EURO) von Anfang an für Banken und Megakonzerne gedacht, jetzt fliegt die Sache auf und die Ideologen halten an ihrer Wahrheit der Märkte fest.

    Komischerweise in dem Zusammenhang gegeben: Die Zeitungskrise, ob es da nicht wirklich einen Zusammenhang gibt?

    • bonner
    • 26. Februar 2013 14:39 Uhr

    " Es kann nicht sein das ein Volk wählt und daraufhin die Anleihen unter Druck geraten."

    Und warum nicht? Wenn ich mein Geld verleihe und die Leihenden nicht so recht zurückzahlen wollen, soll ich sie dann noch belohnen?

    Man sollte nicht vergessen, die Anleger sind oft Pensionsfonds und auf Rückzahlung angewiesen, wenn sie nicht im Alter selber arm sein wollen.

    Die Berlusconis dieser Welt leben auf Kosten anderer!!!

    • Atan
    • 26. Februar 2013 10:52 Uhr

    "Europa" (als Markt) selbst steht höher in der Wertung sehr vieler Entscheidungsträger. Mal sehen, ob die "Märkte" jetzt einen direkten Durchgriff auf die Regierungsbildung in Rom erzwingen können.

    Da wird das Schwurbel-Karussell der Medien wieder auf Touren kommen, um niemanden merken zu lassen, dass Demokratie in einem "starken Europa" nicht mehr gefragt ist, nur noch die Akklamation zu allem, was gut für "die Märkte", "den Euro" etc. ist.

    6 Leserempfehlungen
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    Hoffe doch, dass Sie Ihre Antwort lediglich meinen Kommentar ergänzen soll. Von Bösen war ja darin nicht die Rede.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Dax | Finanzmarkt | Italien | Aktienmarkt | Bundesanleihe | Dollar
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