FrackingSchwarz-Gelb entledigt sich eines Reizthemas

Die Regierung will Fracking nur erlauben, wenn es harte Umwelttests gibt. Das wird die Technik in Deutschland auf lange Zeit unrentabel machen. Von Marlies Uken von 

Im Bundesumweltministerium klopft man sich auf die Schultern. Die Einigung mit dem Wirtschaftsministerium auf einen Gesetzentwurf für das umstrittene Fracking sei ein "Durchbruch", lobte Umweltminister Peter Altmaier an diesem Dienstag. Das Gesetz sieht vor, dass Fracking in Trinkwasserschutzgebieten grundsätzlich verboten sein soll. Zudem müssen die Projekte vor der Genehmigung eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen. Das ist ein aufwändiges Prüfverfahren, das Umweltfolgen abschätzt und Bürger beteiligt.

Nach Angaben des Umweltministeriums ist es das erste Mal, dass dieser Umweltcheck im deutschen Bergrecht festgelegt werde. Bisher sei die Rechtslage völlig ungeklärt gewesen. Dass nun verbindlich geprüft werde, ob das Fracking der Umwelt schadet, sei ein enormer Fortschritt, sagt ein Sprecher des Ministeriums.

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Der Gesetzentwurf sieht außerdem vor, dass Erdgaskonzerne wie ExxonMobil, die gerne in Deutschland fracken wollen, die Behörden über die Chemikalien informieren müssen, die zum Einsatz kommen. Bislang ist nicht transparent, wie der Chemikaliencocktail aussieht, den die Firmen unter Tage pressen, um damit das Gestein aufzubrechen und das Erdgas aus dem Boden zu lösen. Auch die Chemikalien werden nun einem Umwelttest unterzogen.

Das gleiche Verfahren sieht das Gesetz für das sogenannte Lagerstättenwasser vor, das ebenfalls beim Fracking anfällt. Da das Wasser tief im Gestein anfällt, kann es unter Umständen in geringem Maße radioaktiv kontaminiert sein. Auch kann es Blei oder andere Giftstoffe enthalten. Sollten die Behörden bei der Untersuchung des Wassers solche Schadstoffe feststellen, können sie die Firmen dazu verdonnern, das Wasser zu entgiften.

Ein Kalkül der Regierung dürfte sein, mit dem Gesetz das Fracking in Deutschland zu erschweren. Das Umweltverfahren, das nun angestrebt wird, ist aufwändig und teuer. So lange es keine technische Revolution beim Fracking gibt, dürfte es für die Energiekonzerne zu teuer sein, das Erdgas auf unkonventionelle Art und Weise in Deutschland zu fördern – erst Recht, wenn weiter billiges Erdgas aus den USA auf dem Weltmarkt ist und die Preise drückt. Fracking werde "auf lange Sicht" nicht in Deutschland kommen, heißt es im Umweltministerium.

Fracking

Alles begann mit dem perfekten Knick im Bohrgestänge. Zur Jahrtausendwende entwickelten Ingenieure in den USA ein Verfahren, mit dem Trägergestein in Tiefen bis zu 10.000 Meter nicht nur senkrecht erreicht, sondern auch horizontal durchbohrt und erschlossen werden kann. In den Sedimenten, meist Schiefer, lagert Gas. Um es zu fördern, kommt die umstrittene Fracking-Technik zum Einsatz.

Verfahren

Der Name leitet sich vom englischen to fracture ab – aufbrechen. Unter hohem Druck werden Wasser, Sand und kleine Mengen an Chemikalien in das Gestein gepresst, um es aufzubrechen. Das Gas kann entweichen. Allerdings kann niemand garantieren, dass dies ausschließlich kontrolliert geschieht. Das Umweltbundesamt (UBA) hat in einer Studie zum Fracking die größten Risiken aufgelistet. Die teils hoch giftigen Chemikalien, die in den Boden gepumpt werden, könnten das Trinkwasser verseuchen. Kenner der Szene gehen davon aus, dass US-Firmen Salzsäure, Benzol und andere krebserregende Stoffe einsetzen.

Befürworter

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) widerspricht dem Fracking-kritischen UBA. Umweltverträgliches Fracking sei möglich. Oberflächennahes Trinkwasser stehe mit dem Tiefengestein "meist nicht in Verbindung". Unstrittig ist, dass die Fracking-Förderung extrem flächenintensiv ist. Der Schiefer muss immer wieder an neuen Stellen "angezapft" werden. Im Schnitt sind sechs Bohrungen pro Quadratkilometer nötig. Ganzen Landstrichen drohe damit die Zerstörung, sagen Kritiker.

Der rot-grünen Opposition geht die Regelung dennoch nicht weit genug. Sie will mehr Klarheit und keinen Umweg über strenge Auflagen. "Wir brauchen bundesweit ein klares gesetzliches Verbot dieser Risikotechnologie", sagte der grüne Umweltminister Schleswig-Holsteins, Robert Habeck. Sein Parteikollege Oliver Krischer, grüner Energiepolitiker im Bundestag, nennt die Einigung von Altmaier und Rösler ein "Frackingfördergesetz".

Die Opposition will nun über den Bundesrat ein Fracking-Moratorium erreichen. In der Länderkammer hat Rot-Grün eine Mehrheit. Der Bundesrat hatte die Bundesregierung bereits zu einem Fracking-Moratorium aufgefordert. Ob Opposition und Bundesregierung sich noch vor der Sommerpause einigen werden, ist völlig offen.

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Leserkommentare
    • sudek
    • 26. Februar 2013 15:45 Uhr
    1. Benzol

    Umweltverträglichkeitsprüfung für:
    "... Salzsäure, Benzol und andere krebserregende Stoffe ..."

    Kein Problem: Chemiker sind benzolfest!! ( Steht an der Chemikalienausgabe der Uni Heidelberg!!)

    4 Leserempfehlungen
    • bayert
    • 26. Februar 2013 15:46 Uhr

    sollen die Amis die Technologie anwenden und damit Erfahrungen mit Spätfolgen sammeln.

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    • ribera
    • 27. Februar 2013 1:30 Uhr

    Derzeit ist Gas keine Mangelware.
    Man sollte die deutschen Schiefergasreserven deshalb zur nationalen Reserve erklären.
    In 20 Jahren kennen wir die Langzeitrisiken des Fracking, das Gas ist weiter vorhanden und man kann neu entscheiden.
    Derzeit würde sich nur Exxon eine goldene Nase verdienen. Der Endverbraucher bekäme, wie immer, vielleicht o,1 Cent Nachlass.

  1. Die hohen Umweltschutzanforderungen sind richtig. Man sollte allerdings beachten, dass wir damit auch die Geothermie über Bord werfen könnten. Denn die greift auf die gleichen Fracking-Methoden zurück, um im Untergrund Fließwege zu öffnen (siehe hier beim Bundesverband Geothermie, http://www.geothermie.de/...)

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    • Lyaran
    • 26. Februar 2013 15:52 Uhr

    "Zudem müssen die Projekte vor der Genehmigung eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen. Das ist ein aufwändiges Prüfverfahren, das Umweltfolgen abschätzt und Bürger beteiligt."

    Diese Aussage stimmt so nicht. Eine UVP kann aufwändig und teuer sein oder aber auch nicht. Es hängt ganz davon ab welche Indikatoren untersucht werden und in welchem Rahmen die Bürgerbeteiligung ausfällt.

    Und die Sache mit der Grundwasseranalyse und der Entgiftung durch Unternehmen ist auch eine zweischneidige Sache. Auf wieviele Giftstoffe möchte man das Trinkwasser denn untersuchen? Eine Analyse ist teuer und zeitaufwändig. Problematisch vor allem weil man nicht weiss auf was man denn das Trinkwasser untersuchen soll. Die Zusammensetzung der Fracking-Flüssigkeit ist ein Geheimnis der Unternehmen. D.h. man weiss gar nicht was für Gift da in den Boden gepumpt wird, ergo kann man auch keine Aussagen über das Verhalten in den Gesteinsschichten oder etwaige toxizität im Grundwasser treffen.

    Und falls was passiert kann man dem Unternehmen nicht nachweisen das sie kausal dafür verantwortlich sind da die Prozesse unter der Erde (wie in fast allen Umweltmedien) viel zu komplex sind. Feine Sache!

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    Die Zusammensetzung der Frac-Flüssigkeit ist spätestens im Genehmigungsverfahren offenzulegen, siehe hier zu den Genehmigungsvoraussetzungen, Zif. 3.2.3, http://www.lbeg.niedersac...

    "Schwerpunkte der Darstellung bilden die eingesetzten Stoffe bzw. Zubereitungen zur Herstellung der Frac-Fluide sowie das Frac-Fluid selbst. Alle vorgesehenen Stoffe und Zubereitungen (Einsatzstoffe) müssen nach der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 vom 18.12.2006 (sog. REACH-Verordnung) registriert sein. Sie sind zu benennen und der Zweck, für den der Einsatzstoff verwendet wird, ist anzugeben. Für deren Inhaltsstoffe sind eindeutige Identifikationsnummern (CAS-, UN-Nummer), die nach Gefahrstoffrecht vorgeschriebene Kennzeichnung, die Gesamtmengen und die effektive Konzentration im Frac-Fluid anzugeben.
    Frac-Fluide oder Bestandteile davon sind jeweils durch solche Stoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse zu ersetzen, die unter den jeweiligen Verwendungsbedingungen für die Gesundheit und die Sicherheit der Beschäftigten nicht oder weniger gefährlich sind."

    Vor allem müsste der Chemikaliencocktail ja ständig kontrolliert werden UND der Öffentlichkeit bekannt sein.

    Schon jetzt sind die Kontrollbehörden ja restlos überfordert. Also wird im Zweifelsfall jemand privat mal anfangen zu Fragen, welche Chemie da gerade das Grundwasser verseucht. Und die Behörden sind bei der Datenherausgabe ja auch nicht gerade beschleunigt.

    Also: Jeder Chemie-Cocktail, der in die Erde reingeht, muss vorher in seiner vollständigen Zusammensetzung bekannt sein. Ansonsten ist das alles Schnulli-Bulli!

    Wie die am Ende aussieht wurde leider nicht definiert. Es ist doch ähnlich wie bei der sauberen Atomkraft. Wenn der Störfall eintritt, tritt der ein oder andere Politikerdarsteller und Vorstand zurück, bekommt einen goldenen Handschlag, und Natur und Anwohner sind die Bauernopfer. Bei der Atomkraft ist bis heute die Endlagerfrage nicht geklärt - und natürlich tragen die Betreiberunternehmen nicht die Kosten für die Entsorgung/Aufbereitung, werden von der Politik durch Steuergeschenke sogar davon freigestellt.

  2. Egal wie sich die Regierung entschieden hätte, sie hätte es nie allen recht machen können.
    Die Gruppe der Befürworter beschwert sich jetzt, dass damit eine Chance auf partielle Energieautonomie vertan ist.
    Die Gruppe der Gegner hätte sich beschwert, wenn Fracking im großen Stil erlaubt worden wäre.

    Letztentlich gibt es keine Langzeiterfahrung mit dieser Technik. Die Folgen sind also nicht kalkulierbar.

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    .
    Die Gruppe der Befürworter sind verantwortungslose Energiekonzerne á la BP!

    Die scheren sich weder um Menschen, noch um deren Lebengrundlage.

    • genius1
    • 26. Februar 2013 15:53 Uhr

    Ich möchte auch Morgen noch reines Wasser haben.

    Und keiner kann Wissen, wie sich Fracking im Untergrund an der Erdoberfläche auswirkt.

    Bodenabsenkungen kennen wir ja vom Bergbau.

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  3. fördern und staatlich jegliche Umwelttechnologie ausbauen, wir können nur gewinnen wirtschaftlich technologisch und auch kulturel. Deutschland ist jetzt schon Platz eins in regenaritiven Energie, wir sollten darin auch die besten bleiben. Das schafft Arbeitsplätze und sichert eine Heimat in der man auch leben kann. Wenn CHinesen aus Peking kommen sehen manche zum ersten mal die Sonne oder in der Nacht Sterne, wer mal 1 Jahr in China gelebt aht weis was ich meine.

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    • TDU
    • 26. Februar 2013 15:56 Uhr

    Selbst vor der Mehtode "Verhinderung durch Vorschriften" schreckt die Union nicht zurück. Nach dem Motto "Werte so hoch, dss Gorleben nicht in Frage kommt oder Preise hoch weniger Autofahren, wie wie bei den Grünen.

    Ich halte nichts vom Fracking. Ist wie die Goldwäscherei in "Pale Rider". Den Berg kaputt machen durch Wasser. Übrig bleibt "Wüste". Folgeschäden kann man auffangen. Den Schaden schon einkalulieren ist da ein Unterschied.

    Auf diese Art kann das noch mal Neuentwicklungen verhindern. Ein Verbot also durchsetzen und gut is.

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