Bahn-Bauprojekt : Geißler gibt Stuttgart 21 keine Chance mehr

"Die Zeit der Basta-Beschlüsse ist vorbei": Der frühere Schlichter im Streit um den Bau des Stuttgarter Hauptbahnhofs rät der Bahn, Alternativen zu S21 zu entwickeln.
Der Stuttgarter Bahnhof im Dezember 2012 © Matthias Hangst/Getty Images

Der frühere Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler hat kaum noch Hoffnung für den umstrittenen neuen Bahnhof in Stuttgart. "Ich glaube, dass Stuttgart 21, so wie es jetzt geplant ist, keine Chance mehr hat", sagte Geißler der ZEIT.

Vor zwei Jahren hatten in Stuttgart Bürger heftig gegen den Milliardenbau demonstriert. Bürgerinitiativen verlangten eine kleinere Variante, um Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen. Geißler vermittelte an einem Runden Tisch zwischen Bahn und den Kritikern. Nun läuft das Bauprojekt, doch es ist klar: Der geplante Bahnhof wird immer teurer. Bund und Länder streiten über die Mehrkosten, die der Bau des neuen Tiefbahnhofs und der Ausbau einer Schnellbahnstrecke durch die schwäbische Alb mit sich bringen.

Der Bund ist Eigentümer der Deutschen Bahn, die als Bauherrin verantwortlich ist. Zu Baubeginn veranschlagte der Konzern den Bau mit 4,5 Milliarden Euro, was aber längst nicht mehr zu halten ist. Inzwischen geht die Bahn davon aus, dass sich der Bahnhof auf bis zu 6,8 Milliarden Euro verteuern könnte.

Den besseren Bahnhof bauen

Geißler rief Bund und Bahn dazu auf, andere Konzepte "endlich ernsthaft prüfen" zu lassen. Der "Alternativradikalismus" der Bahn, wonach Stuttgart 21 entweder gebaut werde oder gar nichts passiere, sei überholt. "Die Zeit der Basta-Beschlüsse ist vorbei", sagte der frühere CDU-Generalsekretär und Bundesminister.

Geißler appellierte an die Projektpartner, über Stuttgart 21 erst dann endgültig zu entscheiden, wenn Alternativen wie der von ihm selbst vorgeschlagene Kombi-Bahnhof durchgerechnet worden sind. "Dafür sollte man sich etwa ein halbes Jahr Zeit lassen", sagte Geißler. Wenn die Prüfung zu dem Ergebnis komme, dass ein anderer Bahnhof günstiger und leistungsfähiger sei als Stuttgart 21, "muss man den besseren bauen".

Im Deutschlandradio hatte sich Geißler vor Tagen grundsätzlich für den Bau ausgesprochen. Der gesunde Menschenverstand sage, wenn nicht weiter gebaut werde, seien zwei Milliarden Euro ausgegeben, ohne dass man etwas dafür bekomme. "Das kann ja nicht sehr sinnvoll sein." Auch in diesem Interview sagte Geißler, dass Alternativen notwendig sein könnten: "Ob der Bahnhof nun so gebaut wird, nicht wahr, wie er ursprünglich geplant wird, das steht ja auf einem anderen Blatt Papier."

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