Privatisierung in Griechenland : "Für uns zählt nur das Geld"

Sind die Privatisierungen ein Ausverkauf des Landes? Mitnichten, sagt der Chef der griechischen Privatisierungsbehörde Takis Athanasopoulos. Das Land brauche das Geld.
Mitarbeiter der Hellenic Postbank demonstrierten im Dezember 2012 in Athen gegen die geplante Privatisierung des Unternehmens. © Louisa Gouliamaki/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Athanasopoulos, Griechenland will in den nächsten sieben Jahren rund 25 Milliarden Euro einnehmen, indem Staatsbesitz verkauft wird. Das Problem ist: Seit 2011 kamen nur 1,5 Milliarden Euro in die Kasse. Wie wollen Sie das Ziel noch erreichen?

Takis Athanasopoulos: Die erste Etappe wollen wir in diesem Jahr absolvieren. Wir haben in den letzten Monaten harte Arbeit geleistet. Bis zum Jahresende wollen wir aus den Privatisierungen 2,6 Milliarden Euro einnehmen. Bis Ostern wollen wir die Privatisierung der Glücksspielgesellschaft OPAP, der Gasversorger DEPA und DESFA, von sechs Staatsimmobilien im Ausland und einer Immobilie auf Rhodos vollenden.

ZEIT ONLINE: Was macht sie da so zuversichtlich?

Athanasopoulos: Das Investitionsklima hat sich merklich verbessert.

ZEIT ONLINE: Die Opposition spricht vom Ausverkauf des Staatsbesitzes.

Athanasopoulos: Ein falsches Wort. Lassen Sie mich es an einem Beispiel klarmachen: Nehmen wir an, ein Haus hat im Jahr 2008 einen Wert von 1,5 Millionen Euro. Dann kommen schlechtere Zeiten. Jetzt muss der Besitzer verkaufen, um seine Schulden zu begleichen. Das Haus hat da aber nur noch einen Wert von 800.000 Euro. Das ist der Preis, den der Markt hergibt. Da kann man nicht von Ausverkauf sprechen. Nur falls man das Haus für weniger als diese 800.000 Euro verkauft, wäre das ein Ausverkauf.

Takis Athanasopoulos

68, ist seit Juli vergangenen Jahres Chef der Athener Privatisierungsbehörde TAIPED. Zuvor war er Manager bei Toyota Europa.

ZEIT ONLINE: Eine goldene Regel für Verkäufe lautet: Verkaufe nie, wenn du mit dem Rücken zur Wand stehst. Das ist genau das, was sie tun.

Athanasopoulos: Stimmt. Man sollte nie mit dem Rücken zur Wand verkaufen – außer man braucht das Geld.

ZEIT ONLINE: Also doch Notverkäufe.

Athanasopoulos: Bei der Privatisierung von Staatsbesitz geht es nicht nur um den Privatisierungserlös. Der Staat lädt Investoren ein, damit Arbeitsplätze geschaffen werden und Wachstum generiert wird. Das ist viel wichtiger. Sicher wäre es viel besser gewesen, Griechenland hätte in den neunziger Jahren seinen Staatsbesitz unter anderen Bedingungen privatisiert. Aber damals wollte Griechenland nicht. Es ist ein Unglück, dass das Land dies nun in dieser schwierigen Zeit tun muss. Dennoch: Das heißt nicht, dass man heute nicht das tun soll, was man in besseren Zeiten hätte tun müssen. Es ist heute mehr denn je wichtig, Investitionen zu haben und fremdes Kapital anzulocken. 

ZEIT ONLINE: Auf welche Probleme stoßen Sie?

Athanasopoulos: Nehmen wir die angestrebte Privatisierung von Staatsimmobilien. Die Dinge schreiten hier nicht so schnell voran wie anderswo. Das liegt unter anderem daran, dass in Griechenland bis heute kein flächendeckendes Katasteramt existiert. An der Westküste des Peloponnes besitzt der griechische Staat zum Beispiel wunderbares Land. Ausgerechnet dort haben aber manche  Privatleute überall verstreut illegal gebaut. Die Fläche sieht aus der Luft aus wie ein löchriger Käse. Theoretisch könnte man sagen: Der griechische Staat besitzt da etwas Wertvolles in bester Lage! Aber nun muss der Staat erst einen Weg finden, diese Privatleute von dort zu verjagen.

ZEIT ONLINE: Das klingt unglaublich.

Athanasopoulos:  So etwas ist auch für die Geldgeber-Troika etwas Neues. Als wir den Vertretern diese Dinge erklärt haben, stand sie mit offenem Mund da. Das war sehr schwer zu begreifen für Manager aus Ländern mit einem Katasteramt. Trotz aller Widrigkeiten will ich jedoch klarstellen: Wir haben einen klaren Zeitplan für die Privatisierungsvorhaben, den wir mit der Troika vereinbart haben und einhalten werden.   

ZEIT ONLINE: Verkauft Griechenland auch seine Inseln?

Athanasopoulos: Nein. Der Staat hat nicht vor, Inseln zu verkaufen. Worüber wir sprechen ist die langfristige Vermietung, und hier auch nur von einigen bestimmten Flächen.   

ZEIT ONLINE: Und wie steht es um die Staatsunternehmen?

Athanasopoulos: Auch da stellen sich viele Fragen. Sie haben mitunter mit der Europäischen Wettbewerbskommission zu tun oder mit dem Umstand, dass es um die Finanzen der Staatsbetriebe nicht gut bestellt ist.

ZEIT ONLINE: Haben Sie die Griechen bei den Privatisierungen auf ihrer Seite?

Athanasopoulos: Die Griechen sind meiner Ansicht nach nicht gegen Privatisierungen. Sie haben nur kein Vertrauen in das System, das die Privatisierungen verwirklichen soll.

ZEIT ONLINE: Was heißt das für Sie?

Athanasopoulos: Wir müssen alles Mögliche tun, um das Vertrauen der Bürger zu gewinnen. 

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Kommentare

34 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Tafelsilber ?

Was hilft dem Investor eine Übernahme des Energiesektors, wenn keiner es sich mehr leisten kann, Strom und Gas zu beziehen ? Des Gleichen mit dem Wasser ! Hinzu kommt, daß er den Beamtenwasserkopf mit übernehmen muss !
Mag ja sein, daß die Griechen keine Faulpelze sind, aber die Arbeit erfunden haben sie auch nicht, deswegen dürfte es auch zu interessanten Diskussionen mit den Gewerkschaften kommen.
Ich würde mir als Investor die Übernahme der o.g. Bereiche bezahlen lassen, geschweige denn etwas dafür zu bezahlen !