Wer ist Haruhiko Kuroda? Noch bis vor Kurzem war der Mann, der aller Voraussicht nach der nächste Chef der japanischen Notenbank wird, bei Google nur schwer zu finden. Statt seiner schlug die Suchmaschine andere Kurodas vor: Den Maschinenbaubetrieb Kuroda Precision Industries beispielsweise, den Reifenbauer Kuroda Pneumatics oder den Baseballspieler Hiroki Kuroda, der im vergangenen Jahr einen Vertrag bei den New York Yankees unterschrieb.

Seit einigen Tagen steht Haruhiko Kuroda in der Liste der Suchergebnisse ganz oben. Noch steht er der Asiatischen Entwicklungsbank vor. An diesem Donnerstagmorgen jedoch bestätigte Japans Regierung, was Anfang der Woche schon durchgesickert war: Sie will Kuroda zum Chef der japanischen Notenbank machen. Wenn Japans Parlament dem zustimmt, ist einer der am heißesten diskutierten Jobs des Landes bald vergeben.

Es ist ein heikler Posten, denn die Politik der Notenbank ist in Japan sehr umstritten. Japans Premier Shinzo Abe beispielsweise griff Ende 2012 die bisherigen Zentralbanker in seinem Wahlkampf scharf an. Abe forderte ein verpflichtendes Inflationsziel von zwei Prozent, um die Jahrzehnte lange Deflation endlich zu überwinden. Um die Preise steigen zu lassen und den überschuldeten japanischen Staat zu stützen, sollte die Notenbank reichlich japanische Staatsanleihen kaufen. Im Fall von Gegenwehr, drohte Abe, werde er das Gesetz überdenken, das bislang die Unabhängigkeit der Notenbank garantiert.

Ausdrücklich sehnte Abe auch den Frühling dieses Jahres herbei. Am 19. März scheiden der aktuelle Notenbankchef Masaaki Shirakawa und seine zwei Stellvertreter aus dem Amt. Zum Glück werde die Regierung bei der Neubesetzung des Postens eine "starke Stimme" haben, sagte der Premier noch vor seinem Wahlsieg.

Seither wurde überall spekuliert, wer Shirakawas Nachfolger werden könnte. Die kursierenden Namen – von Professoren, altgedienten Bürokraten und Funktionären internationaler und japanischer Institutionen – passten politisch alle mehr oder weniger zu Abes Forderungen. Finanzminister Taro Aso nannte weitere Kriterien. Der neue Mann müsse die englische Sprache beherrschen, lange und häufige Auslandsreisen aushalten und gesundheitlich fit sein, sagte er. Der 68-jährige Haruhiko Kuroda erfüllt nun Asos Bedingungen. Zudem verfügt er über reichlich Erfahrung in der Führung einer großen Finanzorganisation.

Kuroda gehört auch zu den stärksten Verfechtern einer Politik der raschen Inflationssteigerung auf zwei Prozent. Das von Abe vorgegebene Ziel will der neue Notenbankchef innerhalb von zwei Jahren erreichen – im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der sich nie auf einen bestimmten Zeitrahmen hat festlegen lassen. Damit wird der japanische Yen, der ohnehin schon aus politischen Motiven schwach gehalten wird, unter Kurodas Regime wohl noch mehr an Außenwert verlieren. Zuletzt hatten Deutschland und andere Länder sich über diese Art der Exportförderung beschwert. Japans Regierung scheint das nicht zu kümmern.