Energie : Studie warnt vor drastisch steigenden Heizölpreisen

Die schwarz-gelbe Regierung will den Anstieg der Strompreise bremsen. Nun warnt eine Studie vor einer weit größeren Preisfalle: Heizöl.
Heizöl-Lieferant in Rüsselsheim © Ralph Orlowski/Getty Images

Die Deutschen mussten für Heizöl noch nie so viel zahlen wie im vergangenen Jahr. Das geht aus einer Studie für die Bundestagsfraktion der Grünen hervor, die ZEIT ONLINE vorliegt. Demnach sind 2012 die Kosten für die Füllung eines handelsüblichen 3.000-Liter-Tanks auf 2.700 Euro gestiegen. Das sei zweieinhalb Mal so viel wie noch vor zehn Jahren, heißt es in der Studie. Für zwölf Millionen Haushalte sei Heizöl damit zu einer regelrechten Preisfalle geworden.

Die Politik habe den Anstieg der Ölpreise bislang oft unterschätzt oder sogar ignoriert, schreibt der Autor der Studie, Steffen Bukold vom Hamburger Forschungs- und Beratungsbüro EnergyComment. Dabei sei mit einem weiteren Anstieg der Ölpreise zu rechnen. Bis zum Jahr 2020 drohe eine Preissteigerung um fast 50 Prozent. Bis 2030 sei sogar mit einer Verdoppelung des Heizölpreises zu rechnen.

Heizöl komme oft in schlecht gedämmten Wohnungen und älteren Einfamilienhäusern zum Einsatz, so die Studie. Die Brenner seien häufig veraltet und wenig effizient. Das sei nicht nur klimapolitisch problematisch, sondern erweise sich auch als drängendes sozialpolitisches Problem. Einkommensschwächere Familien und ältere Menschen seien von den Preissteigerungen beim Heizöl besonders häufig betroffen, sagt Bukold. Für eine durchschnittlich gedämmte 70 Quadratmeter große Wohnung habe die Heizölrechnung im vergangenen Jahr 945 Euro betragen.

Damit der Heizölverbrauch gesenkt wird, müsse die Politik Anreize und Vorschriften schaffen, damit vor allem ältere Ölbrenner ersetzt werden, sagt Bukold. Auch müsse der Gebäudestand schneller als bisher saniert werden, um den Wärmebedarf zu senken. Dadurch würden nicht nur die Preisrisiken reduziert. Es bestehe obendrein die Chance, bis 2050 einen weitgehend klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen.

Auf den "großen Handlungsbedarf" bei der Gebäudesanierung hatte bereits im Dezember die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission zum Monitoring der Energiewende hingewiesen. Der energiepolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Hans-Josef Fell, kommentiert die Studie mit den Worten, die Untätigkeit der Regierung stürze "immer mehr Familien in die Armut". Altmaier und Rösler "reiten auf dem Strompreis herum, während die sozialen Probleme im Heizölmarkt viel größer sind", so Fell.
 

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Kommentare

120 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

@ 82 msknow

Ganz einfach. Erst ein Klima erzeugen, dass Wohnen im ungedämmten und und nicht Top renoviertem Zustand asozial ist. Dabei spekuliere man auf den in Deutschland sehr verbreiteten Neid auf die Immobilienbesitzer, insbesondere auf die von Einfamilienhäusern.

Man erhöhe auch die allgemeinen Abgaben und schon haben die begüterten Umweltfreunde die Häuser. Mit solcher Umverteilung wären sicher auch die linken Kritiker einverstanden.

Investiere in der Zeit, dann sparst du in der Not

Dabei spekuliere man auf den in Deutschland sehr verbreiteten Neid auf die Immobilienbesitzer
Der bei Ihnen offenbar besonders ausgeprägt ist, vor allem wenn es um das Stammtischklischee vom "begüterten Umweltfreund" geht.

Könnte es vielleicht sein, dass stattdessen oft auch ein anderes Klischee zutrifft, also vielleicht gar keines ist?
Viele von denen, die jetzt über angeblich unbezahlbare Energie- und Renovierungskosten jammern, haben ihr Geld in den letzten 20+ Jahren nämlich in fette Autos, neue immer hässlichere Schrankwände und Polstergarnituren plus 3x Urlaub in Malle pro Jahr investiert.

Meine Eltern (beide Rentner und vorher "kleine Angestellte") fahren einen 11 Jahre alten Opel Agila, die Küche ist erst die zweite seit 1973, und von den restlichen Möbeln ist vieles genau so alt oder sogar noch aus der alten Mietwohnung.
Dafür ist das Dachgeschoss top ausgebaut und gedämmt, dank Solarthermieanlage bleibt der Ölbrenner 6-7 Monate im Jahr komplett abgeschaltet, und sie ernten immer noch viel Gemüse und Obst im eigenen großen Garten.

Wer nach Schuldigen sucht warum er ja gaaaaar kein Geld hat um sich das Sparen leisten zu können, sollte vielleicht erstmal in den Spiegel schauen anstatt auf die Bösengrünen.

@ 94 Stromaufwärts

"Wer nach Schuldigen sucht warum er ja gaaaaar kein Geld hat um sich das Sparen leisten zu können, sollte vielleicht erstmal in den Spiegel schauen anstatt auf die Bösengrünen."

Immer gerne. Mein Fehler war, nicht in den möglichen öffentlichen Dienst zu gehen. Dann wäre ich nicht zu alt für den Arbeitsmarkt, nicht jeder will ja Karriere machen, und meine Ersparnisse wären nicht für die normalen Lebenshaltungskosten drauf gegangen.

Deswegen war eine Familie zu gründen wegen später Entscheidung ökonomisch der größte Fehler. Auserdem bin ich nicht verantwortlich für die Steigerung von Werten und Preisen durch Zuzug vermögender Städter.

Aber sowie Freibeträge nur bestimmten Steuerklassen zugute kommen, tuns auch die Subventionen. Und Markt wurde nicht gefördert. Statt dessen Monopol und Einförmigkeit bei der Entwicklung sowie nichts getan gegen die unglaublichen Preiserhöhungen der Stromkonzerne. Und Verzicht ist immer noch potentiell der beste Klimaschutz in Deutschland.

Übrigens meine Aussage bezog sich insgesamt auf die Immobilienpolitik. Steinbrück machts wieder vor. Makler und Vermieter sind die Bösen.

Hamburg hat gerade eine Menge an Lonestar verkauft. Und Münteferings Empörung über die Heuschrecken. Sehen Sie, es ging mir gar nicht um die Grünen bei diesem Thema.

Es ging mir um eine Politk, die zunehmend das "Wohnen" nicht das "Dach überm Kopf" zur reinen Geldfrage macht. Sie sollten die Auktionen studieren und mit Gerichtsvollziehern sprechen.

Nachtrag

Vermutlich haben die französichen Bürger vor der Revolution auch zu wenig gespart. Und da ja die Abschaffung des Ehegattensplittings und des Kindergeldes droht, werde ich wie jede ordentliche Firma Rückstellungen bilden.

Sonst habe ich wieder zu wenig gespart und wenn die nächste Mehrwertsteuererhöhung kommt, die nächste Stromsteuererhöhung usw, usw.

Komisch, knapp ist im Moment noch gar nichts, der Bezinpreis besteht immer noch zu ca. achtzig cents aus Steuern und auf Strom sind bei mir 30 Euro Netzentgelt mtl. drauf gekommen. Hätte man eben wissen müssen, dass der Staat der größte Preistreiber ist. Aber das ist natürlich einer Menge Menschen recht, gerade auch den Grünen.