Hermes-Mitarbeiter im Logistikzentrum Friedewalde (Archiv) © Uwe Zucchi/dpa

ZEIT ONLINE: Herr Urbanke, die Arbeitsbedingungen bei Amazon und der Umgang des Konzerns mit Leiharbeitern stehen seit Tagen in der Kritik. Sie leiten die Logistikzentren der Hermes-Gruppe. Warum sollte es bei ihnen anders zugehen?

Dieter Urbanke: Weil wir das ganz eindeutig garantieren. Wir arbeiten vor allem mit Festangestellten zusammen. Der Anteil von Leihmitarbeitern im gewerblichen Bereich darf in unserem Unternehmen nicht mehr als zehn Prozent betragen. Das haben wir mit den jeweiligen Betriebsräten für jeden unserer vier Standorte in einer rechtlich verbindlichen Vereinbarung beschlossen.

ZEIT ONLINE: Schöpfen Sie die Obergrenze aus?

Urbanke: Das variiert. Wir haben sicherlich nicht so große Schwankungen bei den Bestellungen wie Amazon. Auch die Auftragsspitzen an Weihnachten sind geringer als früher. Aber wenn es bei uns zu Engpässen kommt, brauchen wir auch Leiharbeiter.

ZEIT ONLINE: Ohne die scheint die ganze Branche nicht zu funktionieren. Warum eigentlich?

Urbanke: Das liegt unter anderem daran, dass der Markt noch immer wächst. Wir brauchen regelmäßig neue Mitarbeiter. Die Leihmitarbeiter beschäftigen wir drei bis sechs Monate. Dann entscheiden wir, ob sie vor dem Hintergrund der erbrachten Leistung einen befristeten Festvertrag und nach sechs Monaten sogar einen entfristeten Vertrag bekommen. Die Zeitarbeiter bieten uns die Möglichkeit, ihre Qualität erst einmal zu testen und zu prüfen, ob sie zu uns passen. Zum Beispiel unsere Lageristen: Von denen stellen wir keinen sofort fest von außen ein.

ZEIT ONLINE: Was verdienen Ihre Mitarbeiter?

Urbanke: Wir zahlen die Tariflöhne im Einzelhandel. Die Höhe unterscheidet sich allerdings an unseren vier Standorten. Im Logistikzentrum Haldensleben bei Magdeburg zahlen wir einen Stundenlohn von 9,50 Euro brutto. Zusammen mit einem Leistungsaufschlag kommen die Mitarbeiter dann auf etwa 10,50 Euro bis 10,70 Euro die Stunde. In Hamburg liegen die Löhne im Schnitt etwa einen Euro höher.

ZEIT ONLINE: Auch der Paketdienst von Hermes stand wegen schlechter Bezahlung und teilweise schlechter Arbeitsbedingungen in der Kritik. Was hat sich im Unternehmen seither geändert?

Urbanke: Verschiedene Dinge. Früher haben die mit der Zustellung beauftragten Generalunternehmer meistens nach ausgelieferten Sendungen bezahlt, also pro Paket. Heute gibt es dort einen Stundenlohn. Außerdem wurde im vergangenen Jahr zusammen mit einem spezialisierten Unternehmen ein Zertifizierungsmodell eingeführt.

ZEIT ONLINE: Wie funktioniert das konkret?

Urbanke: Die mit der Hermes Logistik Gruppe Deutschland kooperierenden Generalunternehmer müssen jetzt beispielsweise regelmäßig Arbeitsverträge vorlegen. Die unabhängigen Prüfer hinterfragen dann die Beschäftigungsbedingungen, natürlich auch die Einhaltung von Gesetzen, damit Fehler gemeinsam abgestellt werden können. So etwas macht kein anderer Paketdienst in Deutschland.