Überfischung"Diese Fischereireform ist populistisch"

Die Pläne aus Brüssel gegen Überfischung vernichten Arbeitsplätze, sagt der französische Abgeordnete Alain Cadec. Europa werde noch abhängiger von Importfisch. von 

ZEIT ONLINE: Herr Cadec, sie kommen aus Frankreich, eine der größten Fischereinationen in Europa. Warum haben Sie gegen die viel umjubelte Reform der Fischerei gestimmt, die am Mittwoch vom EU-Parlament beschlossen wurde?

Alain Cadec: Ich halte die Reform für realitätsfern und populistisch. Wir haben jahrelang über die Pläne diskutiert. Nun sieht der Entwurf noch immer vor, dass Fischer keine Fische mehr ins Meer zurück werfen dürfen, für die sie keine Fangrechte haben. Das kann ich nicht akzeptieren.

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Alain Cadec
Alain Cadec

sitzt für die konservative EVP im EU-Parlament (links im Bild). Er ist stellvertretender Vorsitzender des Fischereiausschusses.

ZEIT ONLINE: Die Fischer in Europa schmeißen jeden vierten Fisch zurück ins Meer, oft nur, weil sie zu jung und unverkäuflich sind. Warum sollte man das nicht verbieten?

Cadec: Der Zeitplan ist einfach zu streng. Das Rückwurfverbot soll schon ab kommendem Jahr gelten – das ist nicht zu schaffen. Den Fischern fehlt es an Ausrüstung und an richtigen Netzen, um so gezielt fischen zu können. War ein Fischer bislang vier Tage auf See, muss er jetzt schon nach zwei Tagen wieder zurück in den Hafen, weil seine Kühlräume voll sind. Das kostet Sprit, Zeit und mindert die Gewinne. Und am Ende können die Fischer den Fang noch nicht einmal verkaufen. Wohin also mit dem Fang? Die Häfen sind überfordert! Dort gibt es noch nicht mal die entsprechende Infrastruktur, um den Fisch zu Fischmehl zu verarbeiten.

ZEIT ONLINE: Was schlagen Sie denn stattdessen vor? Soll man den Fischern Geld geben, damit sie eine bessere Ausrüstung kaufen können?

Cadec: Nein. Geld ist nicht immer die beste Lösung. Ich plädiere für längere Übergangsfristen, und zwar bis zum Jahr 2019. Ich hoffe, dass wir unsere Sichtweise in den Verhandlungen mit dem EU-Fischereiministerrat und der Kommission durchsetzen können.

ZEIT ONLINE: Sie stammen aus der Bretagne, wo die Fischerei eine wichtige Rolle spielt. Was sagen Ihre Fischer zu der Reform?

Cadec: Nicht nur Frankreichs Fischer wären hart getroffen, sondern alle Fischer in der EU. Diese Reform kostet Arbeitsplätze, das ist sicher. Europa verliert an Wettbewerbsfähigkeit, gerade auch gegenüber anderen Fischereinationen wie Norwegen.

ZEIT ONLINE: Was heißt das konkret?

Cadec: Schon heute importiert die EU rund 70 Prozent der hier verkauften Fische. Tritt die Reform so wie jetzt geplant in Kraft, dann werden unsere Fischer verstärkt im Ausland fischen, vor den Küsten Afrikas und anderswo. Dann könnte der Importanteil auf 90 bis 100 Prozent steigen. Die EU würde sich noch stärker vom Ausland abhängig machen. Wir würden noch mehr Fisch aus Staaten importieren, die weder unsere ökologischen und sozialen Standards einhalten. Das kann doch keine Lösung sein!

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Leserkommentare
  1. alles andere funktioniert nicht.

  2. so fischreich, dass es in einigen Gegenden verboten wurde, dem Personal mehr als fünf mal die Woche Fisch anzubieten. Plattfische wurden mit der Hand gefangen.

    Nicht alles ist die Schuld der Fischerei, aber das was passieren muss dürfte klar sein.

    • keibe
    • 08. Februar 2013 10:17 Uhr

    Herrn Cadec nicht mit der Bitte um Stellungnahme vorgelegt wurde:

    "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann."

    http://de.wikipedia.org/w...

  3. http://www.zeit.de/wissen...
    und gute Informationen zu dem Thema Fisch (Fang, Verzehr, MSC-Siegel etc. bietet die Seite von http://www.fair-fish.ch/w..., auf der im übrigen geraten wird, höchstens einmal im Monat Fisch zu essen.
    EIN wahnsinn, junge, zu kleine Fisch tot ins Meer zurück zu werfen. Da hätten die die Fischer schon im eigenen Interesse drauf kommen können, dass sie sich da den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Tote jungfisch werden keine großen Fische mehr.
    Ganz abgesehen davon, dass auch die Fischerei, analog zur Massentierhaltung eine gigantische Tierquälerei, denn nur, weil sie nicht schreien können, heißt das nicht, dass sie nicht leiden!

  4. ...will uns für dumm verkaufen. Ich zitiere mal aus dem oben verlinkten Zeit-Online-Artikel:

    "Das Europaparlament stimmte außerdem für eine Überarbeitung der Fischereiabkommen mit Entwicklungsländern. Auch in den Gewässern dieser Länder darf die EU künftig nicht mehr zur Überfischung beitragen."

  5. "Europa verliert an Wettbewerbsfähigkeit, gerade auch gegenüber anderen Fischereinationen wie Norwegen."

    Bei denen schon lange jeder Fisch angelandet werden muss.

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    Liegt Norwegen nicht in Europa? Gefühlt ist Norwegen einer DER
    europäischen Staaten.

  6. Liegt Norwegen nicht in Europa? Gefühlt ist Norwegen einer DER
    europäischen Staaten.

    Antwort auf "Norwegen"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hafen | Reform | Frankreich | Geld | Gewinn | Norwegen
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