ZEIT ONLINE: Mister Emmott, sind Sie verliebt?

Bill Emmott: Wenn man so will, ja. Italien ist meine Freundin.

ZEIT ONLINE: In Ihrem neuen Film, den Sie zusammen mit der Regisseurin Annalisa Piras gedreht haben, wirken Sie gar nicht so verliebt, eher besorgt und traurig.

Emmott: Stimmt. Deshalb haben wir den Film Girlfriend in a Coma genannt. Italien ist krank. Das Land liegt im Koma.

ZEIT ONLINE: Wie kommen Sie zu der Diagnose?

Emmott: Dem Land geht es nicht nur schlecht, und seit 20 Jahren wird es immer schlimmer. Die Italiener wollen auch den Ernst der Lage nicht wahrhaben. Daher der Titel: Es ist, als ob ein ganzes Land im Koma liegt. 

ZEIT ONLINE: Im Film nennen Sie das "La mala Italia – Das schlechte Italien". Was läuft schief?

Emmott: Vieles. In der Wirtschaft gibt es zu viele Barrieren. Es ist schwierig, neue Firmen zu gründen oder zu expandieren. Der Wettbewerb wird blockiert. Investitionen von ausländischen Firmen gibt es viel zu wenig. Die italienische Wirtschaft ist sehr von Eigeninteressen geleitet, es gibt viel Klientelismus. Die Mafia ist zu mächtig. Die Politiker sind korrupt.

ZEIT ONLINE: Übertreiben Sie nicht ein bisschen?

Emmott: Es ist so: Wer einen Job will, egal ob Taxifahrer, Architekt oder Journalist, muss jemanden kennen, der einem hilft. Nicht die Besten bekommen die Jobs, sondern die mit den besten Beziehungen. Das reduziert die Qualität der Arbeit. Italien bewegt sich von einer Leistungsgesellschaft weg. Kein Wunder, dass das Land eine der schlechtesten Wachstumsraten Europas in den vergangenen Jahren hatte.

ZEIT ONLINE: Was müsste denn geschehen?

Emmott: Eine Lösung ist sicherlich mehr Liberalisierung. Italien muss endlich einen funktionierenden Binnenmarkt schaffen. Handel zwischen Italien und einem europäischen Mitgliedsstaat ist oft einfacher als innerhalb Italiens. Der lokale Markt wird von der Mafia dominiert. Diese Barrieren müssen fallen, damit sich Kreativität und Innovation entfalten können.