ZEIT ONLINE: Ende kommender Woche wird in Italien gewählt. In Umfragen ist Berlusconis Popularität in den vergangenen Wochen gestiegen. Hat er Chancen?

Emmott: Es kann immer alles passieren. Aber ich denke nicht, dass er gewinnen wird. Eher tippe ich auf eine Koalition zwischen dem aktuellen Premierminister Mario Monti und Pier Luigi Bersani vom Mitte-Links-Bündnis. Das würde ein Comeback Berlusconis als Premier verhindern. Aber ich glaube auch, dass Berlusconi gar nicht Premier werden will.

ZEIT ONLINE:Wie kommen Sie darauf?

Emmott: Wenn Berlusconi wieder Premier wird, würden die Finanzmärkte sofort italienische Bonds verkaufen, weil sie Berlusconi nicht vertrauen. Sie würden ihn unter Druck setzen und er müsste Reformen durchsetzen, die schmerzvoll für das Land sind. Das will er nicht, dann würde er an Popularität verlieren. Ich glaube, er möchte lieber in einer starken Opposition sitzen und die nächsten Wahlen gewinnen.

ZEIT ONLINE: Gibt es Politiker, die Ihnen Hoffnung machen?

Emmott: Der italienische Präsident Giorgio Napolitano hat in den vergangenen zwei Jahren immer wieder gesagt, dass Italien aufwachen und der Wahrheit ins Auge gucken muss. Diese Meinung vertrete ich auch. Die Menschen müssen die Regierung unter Druck setzen und mehr von ihr verlangen. Nur so wird es Reformen geben. Eine entscheidende Rolle könnten die Frauen und jungen Italiener spielen, die weitestgehend vom italienischen System ausgeschlossen sind. Sie müssen nur daran glauben, dass Veränderungen möglich sind. 

ZEIT ONLINE: Es könnte also sein, dass ihre Freundin Italien wieder aus dem Koma erwacht?

Emmott: Ich bin hoffnungsvoll, aber auch realistisch. Noch hat der Wandel nicht begonnen.