Bill Emmott : "Italien liegt im Koma"
Seite 3/3:

"Der Wandel hat noch nicht begonnen"

ZEIT ONLINE: Ende kommender Woche wird in Italien gewählt. In Umfragen ist Berlusconis Popularität in den vergangenen Wochen gestiegen. Hat er Chancen?

Emmott: Es kann immer alles passieren. Aber ich denke nicht, dass er gewinnen wird. Eher tippe ich auf eine Koalition zwischen dem aktuellen Premierminister Mario Monti und Pier Luigi Bersani vom Mitte-Links-Bündnis. Das würde ein Comeback Berlusconis als Premier verhindern. Aber ich glaube auch, dass Berlusconi gar nicht Premier werden will.

ZEIT ONLINE:Wie kommen Sie darauf?

Emmott: Wenn Berlusconi wieder Premier wird, würden die Finanzmärkte sofort italienische Bonds verkaufen, weil sie Berlusconi nicht vertrauen. Sie würden ihn unter Druck setzen und er müsste Reformen durchsetzen, die schmerzvoll für das Land sind. Das will er nicht, dann würde er an Popularität verlieren. Ich glaube, er möchte lieber in einer starken Opposition sitzen und die nächsten Wahlen gewinnen.

ZEIT ONLINE: Gibt es Politiker, die Ihnen Hoffnung machen?

Emmott: Der italienische Präsident Giorgio Napolitano hat in den vergangenen zwei Jahren immer wieder gesagt, dass Italien aufwachen und der Wahrheit ins Auge gucken muss. Diese Meinung vertrete ich auch. Die Menschen müssen die Regierung unter Druck setzen und mehr von ihr verlangen. Nur so wird es Reformen geben. Eine entscheidende Rolle könnten die Frauen und jungen Italiener spielen, die weitestgehend vom italienischen System ausgeschlossen sind. Sie müssen nur daran glauben, dass Veränderungen möglich sind. 

ZEIT ONLINE: Es könnte also sein, dass ihre Freundin Italien wieder aus dem Koma erwacht?

Emmott: Ich bin hoffnungsvoll, aber auch realistisch. Noch hat der Wandel nicht begonnen.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

20 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Meinung

@ palladilo

".....das schoenste Land der Erde.

Leider muss ich dazu sagen das sie nicht viel von der Erde gesehen haben, wenn Italien das schoenste Land ist nach ihrer Meinung.

Es hat die meisten alten Kirchen uf der Erde. Aber wenn man nicht religioes ist dann moechte man mehr sehen als Kirchen und Ruinen der Vergangenheit.

Ich habe viele Laender auf den fuenf Kontinenten besucht und
di8e meisten haben ihren eigenen charm,schoene Landschaften
und andere Sehenswurdigkeiten.

Die Welt bsteht nicht nur aus Europa.

Kommunismus in Italien

Ich will nicht Berlusconi und seine Kommunismus Phobie verteidigen, aber was viele gar nicht wissen, die KPI galt noch vor der Kommunistischen Partei Frankreichs seit den 1960er Jahren als bedeutendste Vertreterin des Eurokommunismus. Mit etwa 1,6 bis 1,8 Millionen Parteiangehörigen und einem durchschnittlichen Stimmenanteil von rund 27 % war die KPI nach dem Zweiten Weltkrieg die mitglieder- und wählerstärkste Kommunistische Partei Westeuropas und spielte spätestens ab Mitte des 20. Jahrhunderts über fast fünf Jahrzehnte durchgehend eine wichtige und tragende Rolle in der Politik des pluralistisch-demokratischen Italien.

http://de.wikipedia.org/w...

Wären die USA nicht da gewesen hätte Italien zum Ostblock gehört! Italien 1947-48: Die USA greifen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in die Wahlen ein um die Kommunistische Partei davon abzuhalten legal und fair an die Macht zu gelangen. Diese Perversion der Demokratie wurde im Namen die "Demokratie in Italien zu erhalten" durchgeführt. Die Kommunisten verloren die Wahl. Für die nächsten Jahrzehnte fuhr die CIA damit fort, gemeinsam mit amerikanischen Unternehmen, in italienische Wahlen einzugreifen. Mehrere Hundertmillionen Dollar und eine Menge psychologische Kriegsführung flossen nach Italien um das Gespenst das in Europa spuckte zu vertreiben.

http://www.miprox.de/USA_...